Saufgelage in Sulzbach eskaliert
Mit Messer, Beil und Holzschwert

(Foto: dpa)

Er nimmt für sich in Anspruch "keineswegs aggressiv" zu sein. Doch die Unterlagen der Polizei sprechen eine ganz andere Sprache. Der 31-Jährige ist ein unberechenbarer Gewalttäter, der im Rausch zur tickenden Zeitbombe wird. Jetzt wandert er für über drei Jahre hinter Gitter.

Amberg-Sulzbach. Sie besaufen sich nahezu regelmäßig in Sulzbach-Rosenberger Wohnungen. Junge Leute, die keiner geregelten Arbeit nachgehen und sich sinnlos zudröhnen mit Schnaps und Bier. Zu ihnen gehört auch ein 31-Jähriger, der jetzt vor dem Schöffengericht sagte: "Gelernt habe ich nichts, aber wenn mein Leben in geordnete Bahnen kommt, will ich Tätowierer werden." Das von Richter Markus Sand verlesene Vorstrafenregister war lang und förderte eine größere Anzahl von Gewaltattacken zutage.

Am 5. März dieses Jahres war wieder einmal ein spontanes Saufgelage angesagt. Mehrere Leute kamen in einer Sulzbach-Rosenberger Wohnung zusammen und füllten sich ab.

Plötzlich ausgerastet

Plötzlich geriet der 31-Jährige in Rage. Er tobte, warf eine Küchenschere, zerschmetterte eine Bierflasche, schlug mit Fäusten auf Zechkumpane ein, traktierte einen seiner Bekannten mit einem Holzschwert derart heftig, dass dessen Mittelfinger brach. Dann stach er einem weiteren Freund zweimal mit einem Küchenmesser ins Bein. Die Wunden mussten später im Krankenhaus genäht werden. Als die Polizei kam, schlief der Arbeitslose auf einem Sofa.

Saufmarathon geht weiter

Der Saufmarathon setzte sich fort. Genau einen Monat darauf gab es ein weiteres Gelage. Diesmal in der Wohnung einer jungen Frau. Dabei will der 31-Jährige, wie das Schöffengericht hörte, 20 bis 25 Halbe Bier in sich hinein geschüttet haben. Später sagte die Wohnungsmieterin zur Polizei: "Der Dicke ist grundlos ausgerastet." Er begann mit einem 52-Jährigen zu streiten, griff sich ein in den Räumen liegendes Beil und zog aus.

Der wuchtige Hieb hätte das Opfer höchstwahrscheinlich am Hals oder am Kopf getroffen. Doch der Mann hob einen Arm zum Schutz. Die Klinge der Axt fügte ihm dort eine ebenso lange wie klaffende Fleischwunde zu. Sie musste genäht werden. Zurück blieb eine hässliche Narbe.

Soweit die Anklagepunkte. Der aus einer Haftzelle vorgeführte Angeklagte räumte seine Attacken zwar ein, machte aber Erinnerungslücken geltend. Im Prozess sagte später Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel, dass der 31-Jährige seit langem von Alkohol und Drogen abhängig sei, gleichwohl aber durchaus einschätzen konnte, was er tat. Miedel empfahl dem Gericht, den Mann in einen längeren Suchtentzug zu schicken.

Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch zog aus Sicht der Ermittlungsbehörde Bilanz: "Drei gefährliche Körperverletzungen sind erwiesen." Für den aus ihrer Sicht unbelehrbaren Täter forderte sie dreieinhalb Jahre Haft und hielt eine Unterbringung im Suchtentzug für dringend angebracht. Das tat auch Verteidigerin Dr. Gudrun Frey. Mit Blick auf den Freiheitsentzug hielt sie eine Haft von unter drei Jahren für ausreichend.

Zum Entzug verpflichtet

Das Schöffengericht schickte den 31-Jährigen für drei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Ihm wurde allerdings eine Unterbringung in einer Suchtentzugsklinik zugebilligt. Mindestens 18 Monate muss er dort zubringen. Dem 52-Jährigen, der durch den Axthieb verletzt wurde, muss der Beschuldigte 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die Frage ist allerdings: Wovon? Der Sulzbach-Rosenberger hat nichts, er lebte bisher von staatlichen Unterstützungszahlungen. Doch jetzt will er, nach eigenem Bekunden, "sein Leben ändern." Denn eigentlich, so hörten die Richter im Schlusswort erneut, "bin ich kein aggressiver Mensch."
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