08.05.2018 - 14:22 Uhr
Oberpfalz

Schwarzer Peter liegt in Hohenburg Biber-Antrag nicht weitergereicht

Der Biber nagt in Ransbach an den Nerven eines Landwirts. Alfred Steindl hatte deshalb das Landratsamt um Hilfe gebeten - und keine Antwort bekommen. Doch die Behörde konnte sich gar nicht äußern, weil sie von nichts wusste: Hohenburgs Bürgermeister hat den Antrag auf Biber-Reduzierung schlicht nicht weitergegeben.

Am Biber scheiden sich die Geister. Momentan ist er auch Streitpunkt in einem Amtsvorgang. Der Schwarze Peter liegt hier inzwischen bei Hohenburgs Bürgermeister Florian Junkes.
von Heike Unger Kontakt Profil

Bereits am 2. Februar hatte Alfred Steindl sich schriftlich an die Gemeinde Hohenburg gewandt: Die zunehmenden Schäden, die der Biber an seinen Grundstücken und an Feldern in der Nähe der Lauterach anrichte, hätten die Grenze des Tolerierbaren überschritten.

Weshalb der Landwirt schweren Herzens und trotz seiner Begeisterung fürs ökologische Wirtschaften ganz offiziell einen "Antrag auf Verminderung des Biberbestands an der Lauterach zwischen Ransbach und dem Sternfall" gestellt hat. Dieses Schreiben reichte er am 2. Februar dieses Jahres bei Hohenburgs Bürgermeister Florian Junkes ein - mit der im Briefkopf vermerkten Bitte, es an das Landratsamt weiterzureichen. Von dort bekam er aber keine Antwort, was er im Gespräch mit der AZ vergangene Woche auch verärgert kundtat. Auf vorherige Nachfrage bei der Gemeinde hieß es dazu zunächst, natürlich sei der Antrag weitergegeben worden.

Damit landete der Schwarze Peter beim Landratsamt - zu Unrecht, wie inzwischen klar ist. Dort ist nämlich nach Mitteilung von Pressesprecherin Christine Hollederer "bis heute kein Antrag eingegangen": Deshalb sei auch "eine Reaktion überhaupt nicht möglich" gewesen. Tatsächlich liegt der Fehler bei der Gemeinde beziehungsweise bei Bürgermeister Florian Junkes, wie dieser inzwischen auf nochmalige Nachfrage eingeräumt hat. Der Antrag sei nicht weitergeleitet worden, weil er in Hohenburg nur als "Entwurf" angesehen worden sei.

Davon aber ist in Steindls Schreiben nichts zu lesen: Stattdessen geht schon aus der Betreffzeile deutlich hervor, dass er seinen Brief als "Antrag" verstanden und entsprechend behandelt sehen wollte. Und, wie ebenso deutlich vermerkt, dass dieser an das zuständige Landratsamt weitergereicht werden sollte.

Christine Hollederer merkt zu der ganzen Angelegenheit noch an, dass sich Steindl im Januar "wegen Verbissschäden an seiner Laubholzanpflanzung, die im Lauterachtal liegt, beim Landratsamt Amberg-Sulzbach gemeldet" habe: "Wie jeder Beschwerdeführer wurde er damals umfassend beraten und über Präventionsmaßnahmen aufgeklärt."

Dazu gehörte laut Hollederer auch der Hinweis, dass er für land-, forst- und teichwirtschaftliche Schäden über den Biberschadensfonds einen Ausgleich beantragen könne. In den vergangenen Jahren seien Steindl solche Biberschäden bereits ersetzt worden.

Streng geschützt

"Das Lauterachtal ist Flora-Fauna-Habitat/(FFH)-Gebiet und der Biber selbst streng geschützt": Darauf macht Christine Hollederer, Pressesprecherin des Landratsamts, in Zusammenhang mit den Biber-Problemen im Lauterachtal aufmerksam. Dies sei auch Thema eines Gesprächs mit dem betroffenen Landwirt und dem zuständigen Biberberater gewesen. Als "Sofort- und Präventionsmaßnahme" habe Alfred Steindl, "wie jeder Betroffene, Casanetgeflecht zum Schutz gefährdeter Bäume" erhalten.

Mit der von ihm gewünschten Reduzierung des Biberbestands wird es wohl nichts werden. Laut Hollederer ist nämlich "ein genereller Abfang im FFH-Gebiet aufgrund des strengen Schutzstatus des Bibers nicht möglich". Das, so fügt sie hinzu, wäre aber "nach unseren langjährigen Erfahrungen auch nicht zielführend". (eik)

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