08.09.2017 - 15:50 Uhr
Oberpfalz

Seit fünf Jahren ist Freihöls im Widerstand Dorf wehrt sich gegen Sprengungen in der Sandgrube

Fensterbach/Freihöls. (hou) Die Geschichte hat Parallelen zu dem kleinen Asterix-Dorf in Gallien: Seit fünf Jahren wehren sich die Bewohner von Freihöls gegen Sprengungen in einer ihrem Ort nahen Sandgrube. Jetzt hat der Besitzer gewechselt. Auf ihm ruhen nun die Hoffnungen der Freihölser.

Fünf Jahre her: Die Bewohner von Freihöls hatten Gerüchte über eine gigantische Erweiterung der Sandgrube vor ihrer Haustür gehört. Bei einem Ortstermin bestätigte dies das damalige Betreiberunternehmen Heidelberger Sand und Kies GmbH. Ab dann regte sich endgültig massiver Widerstand gegen regelmäßig stattfindende Sprengungen. Bild: hou
von Autor HWOProfil

Schon lange ein Ärgernis

Der Tagebau "Amberg Ost" sorgt schon lange für Ungemach und Ärger in Freihöls. Nach Sprengungen hatte es Risse in Gebäuden gegeben, flogen Ziegel vom Dach. Das allerdings verwies der damalige Besitzer Heidelberger Sand und Kies GmbH stets in den Bereich der Fabel. Wobei fest steht: Im Schadensfall stünden die Ortsbewohner in der Beweispflicht. Auch jetzt, nach einem Besitzerwechsel. Denn zum 1. September 2017 ist die Grube in das Eigentum des Steinerzeugers Godelmann mit Sitz in Högling übergegangen (www.onetz.de/1778504).

2012 hatte es erste Gerüchte um eine gigantische Erweiterung der Grube gegeben. 24 zusätzliche Hektar standen zu Debatte. Die Dorfbewohner wollten Details wissen und erfuhren sie bei einem Ortstermin am Tagebau. Danach gingen die Freihölser endgültig auf die Barrikaden. Denn es zeigte sich: Die Grubenränder sollten bis auf 250 Meter an ihr Dorf heranrücken. Mehr noch: Mit Blick auf Häuser im Norden wären es nur noch rund 50 Meter.

Noch bevor am 8. November 2013 offiziell ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren eingeleitet wurde, organisierten sich die Bürger in ihrem Widerstand. Das ging in großer Geschlossenheit vonstatten. Es gab eine Unterschriftenaktion. Parallel dazu lehnte der Fensterbacher Gemeinderat die Erweiterung kategorisch ab.

Während des Planfeststellungsverfahrens kam es zur Anhörung einer Vielzahl von Fachstellen und Behörden. Im Februar 2016 wurde dann vom Bergamt Nordbayern mit Sitz in Bayreuth, das für die Genehmigung zuständig war, ein Anhörungstermin in Paulsdorf bei Amberg angesetzt. Auch dort erschienen Freihölser in großer Zahl. Ihnen war damals schon klar: Das Vorhaben würde vom Bergamt genehmigt werden. Dies geschah im Mai 2016.

Frustrierte Freihölser

Zu den für mutmaßlich viel Geld erarbeiteten Unterlagen zählte auch ein Gutachten, das die Betreiberfirma selbst in Auftrag gegeben hatte. Tenor darin: Bei Sprengungen könne eigentlich nichts passieren, wenn die Vorschriften beachtet würden. Die Freihölser gingen frustriert heim. Übereinstimmende Meinung damals: "Eine Binsenweisheit".

Ihre Frage an Heidelberger Sand und Kies, ob denn das Unternehmen die zur Erweiterung nötigen Grundstücke besitze, blieb unbeantwortet. Exakt daran scheiterte später das weitere Vorgehen des damaligen Grubenbesitzers. Die Areale erhielt Heidelberger Sand und Kies nicht.

Nun will sich der neue Besitzer Bernd Godelmann darum bemühen. Würde er die Grundstücke tatsächlich erhalten und sich für sogenannte Lockerungssprengungen als künftige Abbaumethode entscheiden, ginge der Widerstand in Freihöls weiter. Zumal dann genau das geschehen würde, was bei Heidelberger Sand und Kies befürchtet wurde: Ein Heranrücken des Sandgrubenrandes in quasi hautnahe Nähe zur Wohnbebauung. Nach der Lektüre eines AZ-Berichts vom Donnerstag haben sich Freihölser Ortsbewohner besprochen. Sie äußerten auf Anfrage die Hoffnung, "dass sich Godelmann daran hält, in guter Nachbarschaft Einvernehmen zu erzielen." Ansonsten ginge wohl der Widerstand aus dem "gallischen Dorf" weiter.

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