Seit September sechs Wolfssichtungen
Schon zwei Wölfe im Truppenübungsplatz Grafenwöhr sicher

Die bisher klarste Aufnahme: Dieser Wolf lief bereits im September auf dem Truppenübungsplatz in eine Fotofalle. Bild: Bundesforst
 
Der letzte sichere Bildnachweis eines Wolfes gelang Anfang November im Landkreis Unterallgäu. Bild: Bürk (privat)

Im Raum Forchheim sorgt derzeit eine Wolfssichtung für Aufregung. In unserer Region geht man mit dem Thema viel entspannter um, obwohl inzwischen feststeht, dass im Truppenübungsplatz Grafenwöhr mindestens zwei Wölfe leben.

Amberg-Sulzbach. Seit dem ersten Wolfsnachweis auf dem Übungsplatz Anfang September per Fotofalle wurden sechs weitere sichere Sichtungen registriert, zumeist durch Mitarbeiter des Bundesforstamtes Grafenwöhr. Das sagte Forstdirektor Ulrich Maushake auf Nachfrage unserer Redaktion. Einmal seien dabei zwei Wölfe zusammen gesehen worden. Die Sichtungen geschahen laut Maushake zwischen Ende September und Ende November, mit einem leichten räumlichen Schwerpunkt im Zentrum des Geländes. Doch an den Rändern des Platzes habe man die Tiere ebenfalls bemerkt. Maushake liegen auch weitere Aufnahmen von Wölfen vor, doch die seien meist etwas verschwommen und bei weitem nicht so deutlich wie das Foto aus dem September. "Für uns intern ist aber klar, dass das Wölfe sind."

Mehrere Risse gefunden

Maushake will keine Mutmaßungen anstellen, wie viele Exemplare schon auf dem Übungsplatz leben oder ob die prognostizierte Rudelbildung bereits eingesetzt hat. Aber nach den Erfahrungen etwa auf den Truppenübungsplätzen in Sachsen seien diese ruhigen, wildreichen und von der Landschaft her für Wölfe idealen Gebiete immer der Kern einer (Wieder-)Ansiedlung. "Sie gehen dann von dort aber auch nach außen. "Bei der Frage, wie das Wild im Gelände auf die Beutegreifer reagieren wird, ist Maushake ebenfalls auf die Beobachtungen außerbayerischer Kollegen angewiesen.
Wölfe meiden besiedelte RäumeDiplom-Biologe Rudolf Leitl geht nicht davon aus, dass über das Gebiet des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr hinaus eine dauerhafte Ansiedlung von Wölfen in der Region geschieht. Zwar trennten sich Jungwölfe nach ein bis zwei Jahren meist von ihrer Familie, doch sei es äußerst unwahrscheinlich, dass sie sich dann in unmittelbarer Nähe niederließen. "Dafür ist der Raum hier zu dicht besiedelt. Da haben die Tiere zu wenig Ruhe, um ihre Jungen aufzuziehen." Wegen der guten Nahrungssituation würden sich Wölfe nach Leitls Einschätzung bei dauerhafter Ansiedlung immer auf den Truppenübungsplatz konzentrieren.

"Der Mensch fällt nicht ins Beutespektrum des Wolfs", zerstreut der Biologe etwaige Befürchtungen einer Gefahr durch Wölfe. "Sie haben eine Scheu vor Menschen, das bringen die älteren Tiere den jüngeren bei." Ein vermeintlicher Wolfsriss im Landkreis Amberg-Sulzbach habe sich vor kurzem mit Hilfe einer Fotofalle als das Werk von Füchsen und Hunden erwiesen. Und nicht jedes Tier, das wie ein Wolf ausschaut, ist auch einer. Aufgrund eigener Erfahrungen weiß Leitl: "Bei uns gibt es viel mehr Wolfshunde als Wölfe."

"Unsere Erfahrungen sind da noch nicht eindeutig, das Wild braucht einfach Zeit, sich auf die neue Lage einzustellen." Anfangs reagierten die Beutetiere natürlich verängstigt. Es sei aber anzunehmen, dass das Rotwild lerne, sich in unmittelbarer Nähe der Wölfe zu bewegen, "weil es eine Empfindung dafür entwickelt, ob der Wolf gerade jagt". Maushakes Mitarbeiter haben bereits die Überreste mehrerer Tiere gefunden, die ein Wolf getötet hat. In einem Fall hat sich das der Forstdirektor selbst angeschaut. "Das ist meist ziemlich eindeutig, der Kehlbiss ist immer ein klares Zeichen, und der geschieht ja durch den Wolf auch sehr kraftvoll."

Amerikaner sehr gelassen

Wer sich durch die Mitteilung von Wölfen im Übungsplatz überhaupt nichts ins Bockshorn jagen ließ, waren übrigens die amerikanischen Streitkräfte, die in Grafenwöhr üben. "Die haben das sehr gelassen aufgenommen", sagt Maushake. "Aber die Amerikaner sind das ja auch gewohnt. In ihrer Heimat kommt der Wolf praktisch flächendeckend vor."

Außerhalb des Übungsplatzes gab es nach Auskunft des Landratsamtes im Landkreis Neustadt/WN keine Hinweise auf Wölfe. Für Amberg-Sulzbach berichtet Pressesprecherin Christine Hollederer von "einigen wenigen Verdachtsmeldungen". Nur eine davon - Ende Oktober in der Nähe des Übungsplatzes - sei bestätigt worden. Die nächtliche Fotofallen-Aufnahme sei aber zu schlecht, um nach den Kriterien des Landesamtes für Umwelt als gesicherter Nachweis zu gelten. Auch Diplom-Biologe Rudolf Leitl vom Netzwerk Große Beutegreifer spricht davon, dass es im Landkreis bei Hinweisen auf Wölfe "ziemlich ruhig" ist. Ihm sei nur eine Wolfssichtung durch einen Jagdpächter Ende September bei Massenricht bekannt. So nahe am Übungsplatz halte er die für ziemlich plausibel.

Franken meldet mehrere WölfeSeit der Aufnahme des Wolfes im Truppenübungsplatz Grafenwöhr vom 5. September verzeichnete das Landesamt für Umwelt lediglich einen weiteren gesicherten Wolfsnachweis in Bayern: Am 8. November nahm eine automatische Kamera einen Wolf im Landkreis Unterallgäu auf. In der Nähe fanden sich auch seine Speichelspuren an einem gerissenen Reh.

Seit Anfang Dezember machen Wolfssichtungen in Franken Schlagzeilen: Zuerst am 4. Dezember durch einen Autofahrer bei Tiefenthal (Stadt Creußen/Landkreis Bayreuth), wenige Tage später durch mehrere Jäger bei einer Drückjagd in der Nähe von Forchheim, Mitte Dezember dann bei Simmelsdorf im Landkreis Nürnberger Land.

Der Amberger Diplom-Biologe Rudolf Leitl vom Ehrenamtlichen-Netzwerk Große Beutegreifer, das am Landesamt für Umwelt angesiedelt ist, hält es nicht für ausgeschlossen, dass es sich dabei um Grafenwöhrer Wölfe handeln könnte. Die hätten den Truppenübungsplatz offensichtlich erst im Laufe des Jahres besiedelt und neigten zu Stippvisiten in die Umgebung, solange sie in ihrem Revier noch nicht richtig sesshaft geworden seien. "Das kommt erst, wenn der Wolf sich verpaart hat." Forchheim jedenfalls wäre laut Leitl für einen Grafenwöhrer Wolf durchaus in einer Nacht erreichbar.
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