19.01.2018 - 18:16 Uhr
Oberpfalz

TK rügt schlechte Impfquote, Gesundheitsamt Amberg-Sulzbach relativiert Rotavirus: Keine Sorge

Das Rotavirus sei die häufigste Ursache für Magen-Darm-Infektionen bei unter Fünfjährigen: Trotzdem sind laut Techniker-Krankenkasse (TK) nur 60 Prozent der Kleinkinder in der Oberpfalz dagegen geimpft. Am schlechtesten ist die Quote im Kreis Amberg-Sulzbach. Kein Grund zur Sorge, betont das Gesundheitsamt.

Der Rotavirus, unter dem Mikroskop betrachtet.
von Heike Unger Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Auch in diesem Fall müsse man die statistischen Zahlen interpretieren, betont Dr. Roland Brey, der Leiter des Gesundheitsamtes, auf Nachfrage der Redaktion. "Bei uns ist das Rotavirus momentan kein Thema", bilanziert der Behördenchef - heuer sei dem Gesundheitsamt noch kein Fall einer solchen Infektion gemeldet worden. Ganz im Gegensatz zur Grippe und zum Noro-Virus (Blickpunkt).

Aktuell kein Problem

Hintergrund der TK-Presseinfo sei also keine aktuelle Häufung: Brey vermutet vielmehr, dass die Krankenkasse zum Jahresbeginn Daten von 2017 ausgewertet hat. Die Zahlen an sich seien korrekt, laut TK basieren sie auf Informationen des Robert-Koch-Instituts.

Die bemängelte "schlechte Impfquote" von 60 Prozent in der Oberpfalz, 46,1 im Kreis Amberg-Sulzbach und 53,9 in der Stadt Amberg führt Brey darauf zurück, dass diese (Schluck-)Impfung erst "2013 als Standard eingeführt worden ist": Die Erfahrung zeige, dass es "oft Jahre dauert", bis sich eine neu in die Impf-Empfehlungen aufgenommene Vorsorge wirklich etabliert habe.

Besonders von dieser Infektionskrankheit betroffen seien die bis zu Dreijährigen. Das war laut Brey auch der Grund für die Aufnahme in die offiziellen Impf-Empfehlungen. Ein Problem sei hier das enge Zeitfenster: Während die meisten anderen Impfungen ab dem zweiten Lebensmonat anstehen und deshalb meist mit den dann ohnehin fälligen Vorsorgeuntersuchungen verknüpft werden, muss man gegen Rota bereits zwischen der sechsten und zwölften Woche aktiv werden. Je nach Impfstoff seien weitere zwei oder drei Dosen nach vier Wochen nötig - "das passt nicht so gut zum Rhythmus der Vorsorge-Untersuchungen", weshalb wohl viele Eltern den Aufwand scheuten.

Auch wenn eine Magen-Darm-Infektion natürlich nicht angenehm sei, entwickelten ansonsten gesunde Kinder, die daran erkranken, eine Abwehr gegen das Rota-Virus. Es verursacht Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und oft auch Fieber: Wenn Eltern bei ihren Kindern solche Symptome feststellten, sollten sie mit ihnen zum Arzt gehen. In erster Linie betroffen seien Kinder bis zu drei Jahren. "Mit fünf Jahren haben 90 Prozent der Kinder Antikörper entwickelt." Und bei Erwachsenen spiele diese Erkrankung praktisch gar keine Rolle mehr.

Risikogruppe Frühchen

Eine echte Risikogruppe sind laut Brey Frühchen, die deshalb geimpft werden sollten. Für sie sei der Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen und Durchfall schon eine große Gefahr. Nicht zuletzt, weil die Zahl der Frühchen, auch dank der Entwicklungen der modernen Medizin, immer mehr zunehme, sei Rota in die Impf-Empfehlungen aufgenommen worden.

Im Blickpunkt

Die Untersuchungen zur Einschulung geben dem Gesundheitsamt auch immer Einblick in den Impfschutz der Kinder. "Dabei sehen wir, unsere Quoten sind eigentlich ganz gut", so die Erfahrung von Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey: In Sachen Impfschutz liege Amberg-Sulzbach bei den meisten Krankheiten "über dem Bayern-Durchschnitt", Defizite gebe es nur noch bei der Masern-Vorsorge. Auch bei der Zecken-Impfung würde sich Brey mehr Resonanz wünschen. "Bei den Kindern passiert schon viel, da werden die Impfquoten besser, bei den Erwachsenen gibt es noch Lücken." Die Folge seien "mehr Erkrankungen (FSME) als uns lieb ist", zumal Amberg-Sulzbach ein besonderes Zecken-Risikogebiet sei. Aktuell hat Brey aber andere Probleme stärker im Blick: "Die Grippesaison hat begonnen", sagt er, doch "da sieht es aber momentan besser aus als im vergangenen Jahr". Auch Noro-Viren seien ein Thema. "Dagegen gibt es noch keine Impfung", und aktuell einige Fälle, auch stationäre - allerdings auch dies im üblichen, jahreszeitlich bedingten Umfang. (eik)

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