Transportfirma vor Gericht
Bei Lkw-Fahrten getrickst

Symbolbild: dpa

Das Verfahren hat fast schon riesige Ausmaße. Es geht um die mutmaßliche Fälschung technischer Aufzeichnungen bei einem im Landkreis ansässigen Transportunternehmen. In der Vergangenheit hat es bereits eine Reihe von Gerichtsverhandlungen gegeben, einige weitere werden noch folgen.

Amberg-Sulzbach. Die zahlreichen Aktenordner, in denen von zielstrebig vorgehenden Fahndern mehrere Tausend Seiten mit Unterlagen gesammelt worden sind, müssen zu jedem Prozess herbeigeschafft werden. Vor nahezu zwei Jahren, im Januar 2015, hatte die Amberger Verkehrspolizei zu einer Durchsuchung in der Spedition angesetzt und dabei in Absprache mit der Staatsanwaltschaft eine Vielzahl vermeintlicher Beweismittel sichergestellt.

Vorwurf: Verschleierung

Anschließend gelangten die Fahnder nach ebenso mühsamen wie zeitaufwendigen Auswertungen zu der Auffassung, dass bei der Abwicklung von Transporten manches nicht so lief, wie es hätte sein sollen. Im Mittelpunkt dabei stand der Verdacht, dass bei Touren durch die Chauffeure unterschiedliche Fahrerkarten verwendet wurden. Damit seien Lenk- und Ruhezeiten verschleiert und für Kontrollbehörden nicht nachvollziehbar geworden, hieß es in den der Staatsanwaltschaft zugeleiteten Ermittlungsergebnissen.

Unterdessen haben sich mehrere Richter des Amberger Amtsgerichts mit den Vorgängen befasst. Die Bediensteten der Spedition erhielten meist Strafbefehle, gegen die sie Einspruch einlegten. So auch ein 52-Jähriger aus dem Landkreis, dem 25 Lkw-Touren vorgehalten wurden, bei denen die Fahrerkarten im Aufzeichnungsgerät allem Anschein nach gewechselt wurden.

Der Mann schwieg und ließ seinen Anwalt reden. Vor der Richterin Julia Taubmann sagte der Verteidiger, dass in einer größeren Zahl der zur Debatte stehenden Fahrten sein Mandant nicht am Steuer saß. "Wer dann?", fragte die Vorsitzende. Sie vernahm, es sei der Onkel des Beschuldigten gewesen.

Umfangreich ermittelt

Danach befragte sie in dem dreistündigen Prozess zwei Kommissare der Verkehrspolizei und hörte von den Beamten, wie umfangreich sie nachforschen mussten, um einen einigermaßen klaren Durchblick zu erhalten. Am Rande klang an, dass das Unternehmen in mehrere einzelne Firmen gesplittet ist. Man erfuhr ferner, dass es da offenbar Leute gab, die auf der Lohnliste völlig anderer Arbeitgeber standen, wohl aber mutmaßlich ihre Fahrerkarten zur Verfügung stellten.

Zum Schluss zeigte sich Richterin Taubmann überzeugt davon, dass bei den meisten der 25 Touren nur der Angeklagte als Fahrer infrage kommen konnte. Im Strafbefehl hätte der Mann 120 Tagessätze zahlen sollen. Julia Taubmann reduzierte die Geldbuße auf 90 Tagessätze. Damit gilt der 52-Jährige nach dem Gesetz als nicht vorbestraft.

Für Taubmann war das nicht der erste Einzelfall aus dem dicken Paket des Gesamtverfahrens. Weitere Verhandlungen stehen bevor. Auch bei anderen Richtern.
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