Unflätige Geste eines Geblitzten
Der Doktor mit dem Stinkefinger

Symbolbild: dpa

Amberg/Schwandorf. Der Facharzt aus Tschechien erschien nicht selbst zum Prozess. Er schickte seinen Anwalt und ließ ausrichten, er habe den sogenannten Stinkefinger zwar dem Radargerät der Polizei gezeigt, nicht aber einem Beamten, der neben dem Blitzer in seinem Fahrzeug saß. Das jedoch glaubte keiner.

Ein Mediziner mit zwei Vorstrafen auf dem Verkehrssektor. Interessiert blätterte die Amberger Amtsrichterin Kathrin Rieger in den Unterlagen und las vor, dass der 45-Jährige schon mal mit Alkohol am Steuer und später auch ohne Führerschein unterwegs war.

Polizist fühlt sich beleidigt

Und dann geschah auch noch das: Zwischen Amberg und Schwandorf hatte die Polizei eine Messstelle aufgebaut, weil dort gerne die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ignoriert wird. Der Akademiker kam vorbei, wurde mit einer eher kleineren Überschreitung geblitzt und vollführte eine ebenso jähe wie völlig unverständliche Reaktion: Er hob die Hand und zeigte den Stinkefinger.

Wem galt diese Schmähung? "Dem Blitzerkasten", argumentierte der Anwalt des nicht persönlich zur Verhandlung erschienenen Arztes. Doch betroffen fühlte sich ein hinter dem Radargerät im Polizeifahrzeug sitzender Beamter. Folglich erstattete er Anzeige wegen Beleidigung.

"Effe" wurde nicht belangt

In dem Prozess wurde dann vom Verteidiger hart um einen Freispruch gerungen. Anwalt Thomas Krziminski (Regensburg) führte Ansichten der Generalstaatsanwaltschaft und des Verfassungsgerichts ins Feld, er lenkte die Blicke auf Menschen wie Fußballer Stefan Effenberg und Politiker Sigmar Gabriel, die den Stinkefinger zeigten und dafür nicht weiter belangt wurden. Ein Akt also, der seiner Ansicht nach in gewisser Weise zur Meinungsfreiheit zu zählen sei.

Die Richterin hörte sich das geduldig an und sie vernahm auch den Antrag von Staatsanwältin Christina Altenhofen. Die Anklagevertreterin hielt eine Beleidigung des Ordnungshüters für erwiesen. Sie ging in ihrem Antrag, der auf 3000 Euro lautete, über den im Vorfeld erlassenen Strafbefehl hinaus und argumentierte: "Ein Geständnis hat es nicht gegeben." Die Richterin setzte sich über diese Forderung hinweg. Sie verhängte 4200 Euro Geldstrafe und nahm dem in der Oberpfalz arbeitenden Facharzt auch noch für vier Wochen den Führerschein. "Damit der Mann nachdenken kann, ob er sich nicht doch mit den Regeln des Straßenverkehrs anfreundet."

Nicht gegen den Kasten

Außerdem ließ die Vorsitzende dem Familienvater über dessen Anwalt mitteilen: "Mit dem Stinkefinger war der Polizist gemeint. Kein Mensch kommt auf die Idee, einen Blitzerkasten zu beleidigen."
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