Viereinhalb Jahre Haft wegen Vergewaltigung
Verheddert in der eigenen Lüge

Symbolbild: dpa (Foto: dpa)

Später wäre es nicht mehr gegangen. Erst das jedem Angeklagten zustehende letzte Wort nutzt ein Vergewaltiger zu einer Entschuldigung. An sein Opfer denkt er erst ganz am Schluss.

Amberg-Sulzbach. Als Florin B. (Name geändert) am Ende dieses zweitägigen Prozesses zum ersten Mal die Worte "es tut mir leid" über die Lippen gingen, waren sie an die Eltern einer heute 19-Jährigen gerichtet. Er entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten, die er ihnen bereitet habe. Was er seinem Opfer angetan hat, das stand auch bei diesen dürren Sätzen zurück, weil der 32-jährige Nachbar der jungen Frau vor sich und allen anderen nicht wahrhaben möchte, dass er ein Vergewaltiger ist.

Für die Große Strafkammer des Landgerichts besteht daran hingegen nicht der geringste Zweifel. Sie verurteilte den Rumänen, der bisher ein unbescholtenes und arbeitsames Leben geführt hat, zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Obwohl keine massive Gewalt ausgeübt worden ist, so Landgerichtsvizepräsidentin Roswitha Stöber in der Urteilsbegründung, erkenne das Gericht auf einen besonders schweren Fall. "Auch nach altem Recht."

Bei Sexualstraftaten gibt es in der Regel keine Zeugen, Täter und Opfer bleiben meist unter sich. Deshalb steht in diesen Prozessen oft Aussage gegen Aussage. Auch hier. Florin B. schilderte in seinen Einlassungen zu dem Vorfall im August vergangenen Jahres detailreich eine von ihm genutzte Gelegenheit zum minutenlangen Spontansex mit der jungen Frau, deren Vornamen er nicht einmal kannte. Sie war bei ihm stets "das Fräulein" oder "die Nachbarin".

Spurenlage eindeutig

Die fatale Begegnung der beiden Nachbarn in einem Dreiparteien-Mietshaus hatte sich angebahnt, weil Florin B. keinen Haustürschlüssel bei sich hatte und deshalb die junge Frau herausklingelte. Kurz darauf stand er wieder vor ihrer Wohnungstür und die 19-Jährige öffnete erneut. Ruhig und gefasst schilderte sie als Zeugin ein überfallartiges Überrumpeln und sofortige Zudringlichkeiten des 32-Jährigen bis hin zu einem kurzen Geschlechtsakt. Der Angeklagte hatte dagegen von einer verklausulierten Einladung zu einvernehmlichem Sex gesprochen und darauf beharrt, auch mehrfach nachgefragt zu haben.

Nicht ins Kalkül seiner Darstellung zog Florin B. offenbar, dass auch dieses von ihm so genau geschilderte Geschehen ein exakt bestimmbares medizinisches und kriminaltechnisches Spurenbild hätte zeichnen und hinterlassen müssen. Gefunden wurde es nicht. Damit lagen dem Gericht auch objektive Beweise vor, was die Kammer von Beginn an zu bedenken gab: Weshalb sollte sich eine junge, zurückhaltende Frau, die einen festen Freund hat, mit einem mehr als zehn Jahre älteren, ihr nur flüchtig vom Sehen bekannten Mann auf ein blitzartiges Sexabenteuer einlassen?

Erfahren genug

"Wir sind davon überzeugt, dass uns der Angeklagte nicht mit der Wahrheit bedient hat", begründete das Gericht später seinen Schuldspruch. Zuvor hatte es einen Beweisantrag der Verteidigung, der wegen angeblicher psychischer Probleme des Opfers ein Glaubwürdigkeitsgutachten über die 19-Jährige einforderte, abgelehnt. Die Kammer verfüge nach eigener Einschätzung über ausreichende Erfahrung auf diesem Gebiet, lautete die Begründung. Während Staatsanwältin Barbara Tutsch keinerlei Zweifel an dem angeklagten Tatgeschehen hegte und deshalb eine siebenjährige Haftstrafe forderte, erachtete die Verteidigung maximal einen Schuldspruch wegen sexueller Nötigung für angebracht. Dahin führte für die Kammer kein Weg.

Wir sind davon überzeugt, dass uns der Angeklagte nicht mit der Wahrheit bedient hat.Roswitha Stöber, Kammervorsitzende
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.