20.12.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Vor 25 Jahren gründen sich die "Meisterfrauen im Handwerk" Von der guten Seele zur Unternehmerfrau

Amberg. "Die Zeiten haben sich geändert", sagte Birgit Oswald, die stellvertretende bayerische Landesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH). Aus der guten Seele und dem Mädchen für alles seien heute Mitunternehmerinnen geworden, die den handwerklichen Betrieb am Laufen halten.

Maria Singer (Zweite von rechts) wurde zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Dazu gratulierten Kreishandwerkmeister Hans Weber (links), Georg Haber, der Präsident der Handwerksammer Niederbayern-Oberpfalz, und die amtierende Vorsitzende Andrea Seitz. Bilder: gf (2)
von Autor GFRProfil

Die Jahresabschluss- und Weihnachtsfeier im Haus des Handwerks nahmen die Unternehmerfrauen im Handwerk aus dem Arbeitskreis Amberg-Sulzbach zum Anlass, ihr 25-jähriges Gründungsjubiläum zu feiern. Die langjährige Vorsitzende Maria Singer erinnerte daran, dass auf Initiative von Gertraud Dollacker aus Ensdorf am 11. November 1992 der Arbeitskreis "Meisterfrauen im Handwerk" gegründet wurde. Von 2004 bis 2007 habe Erika Weidner das Gremium geführt. Danach sei sie, Singer, zur Vorsitzenden gewählt worden. In vielen betrieblichen Seminaren mit hochkarätigen Referenten hätten sich die Handwerkerfrauen auf ihre betrieblichen Aufgaben vorbereitet und fortgebildet. Beim UFH-Landeskongress in Amberg konnte neben zahlreichen Ehrengästen auch die Landtagspräsidentin Barbara Stamm begrüßt werden. Maria Singer unterstrich die über Jahre anhaltende gute Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft. Fast zehn Jahre sei Maria Singer die Vorsitzende der Unternehmerfrauen gewesen und habe diesen Arbeitskreis erfolgreich geführt, betonte Andrea Seitz, die vor einem Jahr den Vorsitz übernahm. Jetzt ernannte sie ihre Vorgängerin zur Ehrenvorsitzenden.

Der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Georg Haber, unterstrich, dass in einer aufgeklärten Welt sich die Frauen längst auf den Weg gemacht hätten, in vermeintliche Männerdomänen vorzudringen. Unabhängig hätten sich Frauen gemacht. Sie würden im Berufsleben ihre Begabungen und besonderen Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft stellen und Verantwortung übernehmen. Aus seiner Sicht, so Haber, könnten viele handwerkliche Unternehmen nur existieren und wachsen, weil die Frau an der Seite des Betriebsinhabers den Spagat zwischen Haushalt, Familie und Betriebsmanagerin meistere.

Der Handwerkskammerpräsident betonte, dass in 80 Prozent aller handwerklichen Betriebe die Ehefrau oder Lebenspartnerin mitarbeite. Jeden vierten Handwerksbetrieb führe heute eine Frau, die am frühen Morgen nicht darüber nachdenke, ob sie golfen oder shoppen geht, denn dafür sei ihre Verantwortung im Betrieb zu groß. Das Handwerk sei ein starker und leistungsfähiger Faktor in der sozialen Marktwirtschaft und das Herzstück des Mittelstandes, so Haber. Kreishandwerksmeister Hans Weber meinte, dass 25 Jahre Meisterfrauen auch 25 Jahre Wissen, Kompetenz und Erfolg bedeuten. Überhaupt nicht selbstverständlich sei es damals gewesen, so Birgit Oswald, stellvertretende UFH-Landesvorsitzende, dass Frauen ihre Rolle im Betrieb hinterfragt hätten und sich ihrer Führungsrolle bewusst wurden. Das sei damals den Männern nicht unbedingt geheuer gewesen. Aber bald hätten sie erkannt, dass qualifizierte Unternehmerfrauen zentrale Erfolgsfaktoren für Handwerksbetriebe darstellen. Ein wenig Überzeugungarbeit müsse aber selbst heute noch geleistet werden, so Birgit Oswald mit einem Augenzwinkern. Das Netzwerk ist in 25 Jahren deutlich gewachsen. In Bayern gibt es derzeit 25 UFH-Arbeitskreise mit rund 1300 Mitgliedern. Die bayerischen Arbeitskreise gehören dem Bundesverband an, der gut 150 Arbeitskreise mit über 6000 Mitgliedern verwaltet. Als Interessensvertretung der Unternehmerfrauen sei man Gesprächspartner für alle Themen der Handwerksbetriebe.

Handwerkliche Familienbetriebe brauchen eine professionelle Betriebsführung, verteilt auf mehreren Schultern. Da würden die Handwerkerfrauen die betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten, die Finanzen sowie das Personal- und Rechnungswesen und auch die Buchführung abwickeln. "Wir Frauen sind gleichberechtigte Partnerinnen im Betrieb", sagte Birgit Oswald. Die jüngeren Frauen würden heute in weitaus größerem Maße bereits über eine eigenständige qualifizierte Ausbildung verfügen. Aktuell nehme die Anzahl weiblicher Selbstständiger zu, nicht nur in typischen Frauenberufen wie dem Friseurhandwerk. Frauen seien heute auch führend im Bauhandwerk, im Heizungsbau oder im Bäckerhandwerk tätig. Jede vierte handwerkliche Betriebsgründung werde von einer Frau vorgenommen.

Der dritte Bürgermeister der Stadt Sulzbach-Rosenberg, Jürgen Reitzenstein, bezeichnete die Netzwerk-Partnerinnen als Powerfrauen und unverzichtbare Führungskräfte in den handwerklichen Betrieben. Ambergs Bürgermeister Martin Preuß unterstrich, dass er grundsätzlich nur ab dem 80. Geburtstag gratuliere, aber 25 Jahre Unternehmerfrauen seien ein Ausnahmefall. Stellvertretender Landrat Martin Weiß outete sich als leidenschaftlicher Anhänger der Unternehmerfrauen. Seit fünf Generationen sei sein Betrieb in Familienbesitz. "Ohne meine Frau könnte ich den Betrieb nicht führen."

Wir Unternehmerfrauen werden von den Behörden immer gut beschäftigt.Birgit Oswald, stellvertretende UFH-Landesvorsitzende
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