10.01.2017 - 02:10 Uhr
Oberpfalz

Vorbereitung zum Ausbau der B 85: Gesperrt, weil Bäume fallen

Einer der ersten Bäume, die umgelegt wurden, landete gleich quer auf der Straße. Genau das ist der Grund, warum die B 85 zwischen Schafhof und Pittersberg seit Sonntag total gesperrt ist. Die Holzfällarbeiten, die zum Ausbau der vielbefahrenen Bundesstraße nötig sind, sind einfach zu gefährlich für den Verkehr.

Durchfahrt verboten: Nichts geht momentan auf der B 85 zwischen Schafhof (Bild) und Pittersberg. Seit Montagmorgen laufen hier die Holzfällarbeiten als Vorbereitung des vierspurigen Ausbaus. Bild: Steinbacher
von Heike Unger Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Bei diesem Thema hat das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach aufgrund der strengen Sicherheitsvorschriften keine andere Wahl, wie der zuständige Abteilungsleiter Stefan Noll im Gespräch mit der AZ betont: "Es geht einfach nicht anders." Wohl wissend, dass die deshalb erforderlichen Umleitungen die Verkehrsteilnehmer nicht begeistern. Die erste Beschwerde habe es schon am Montagmorgen gegeben, bekennt Noll freimütig.

"Muss sich einpendeln"

Mancher Autofahrer habe auf der Ausweichroute eine halbe Stunde länger gebraucht. Noll weiß auch, dass es sich bei Freihöls ein bisschen gestaut hat. "Das muss sich erstmal einpendeln", hofft er auf Verständnis der Betroffenen. Es hilft auch nichts, sich aufzuregen: "Es gibt keine Alternative." Bevor die beiden neuen Fahrspuren hinkommen, müssen viele Bäume weg. Und dazu eben auch der Verkehr.

3500 Festmeter Holz

Seit dem frühen Montagmorgen sind die Bayerischen Staatsforsten zwischen Schafhof und Pittersberg (Gemeinde Ebermannsdorf) zu beiden Seiten der B 85 aktiv. "Drei große Holzvollernter sind im Einsatz", berichtet Noll, schließlich gehe es um eine Fläche von rund sechs Hektar, die gerodet werden muss. Kalkuliert sind bis zu 3500 Festmeter Holz, die geschlagen werden müssen. Das soll in dieser Woche erledigt werden, gibt der Behörden-Vertreter den Zeitrahmen vor: So lange müsse die Bundesstraße gesperrt bleiben.

Der Zeitpunkt der Holzfällaktion ist nicht willkürlich gewählt: "Wir müssen das im Winter machen", erklärt Noll - um die Brutzeiten der Vögel nicht zu stören. Auch auf andere Forstbewohner nehme man Rücksicht. In Zusammenarbeit mit dem Ameisenschutzverein Nabburg werden an mehreren Stellen Waldameisen umgesiedelt. Einige haben den Ortswechsel schon hinter sich, weitere, die noch folgen sollen, sind einstweilen so markiert, dass sie bei den aktuellen Arbeiten gut erkannt und geschützt werden können.

Drei Wochen Abtransport

Wenn alle Bäume gefällt sind, kann die B 85 wieder befahren werden. Allerdings mit maximal 70 km/h. Auch das ist eine Sicherheitsvorkehrung, weil zum Holz-Abtransport Lastwagen in die Bundesstraße ein- und ausfahren müssen. Noll schätzt, dass es drei bis vier Wochen dauern wird, bis alles abtransportiert ist.

Dann gibt es eine Pause bis Mitte des Jahres. Im Juni/Juli sollen dann die eigentlichen Straßenbauarbeiten beginnen, bei denen die derzeit zweispurige B 85 noch zwei weitere Fahrstreifen dazubekommt.

Der geheime Flugplatz

Der Ausbau der B 85 zwischen Schafhof und Pittersberg bringt auch ein lange vergessenes Stück Geschichte wieder zum Vorschein: Im Zuge der Arbeiten werden Überreste des Flugplatzes dokumentiert, den die Nationalsozialisten in diesem Bereich unterhielten.

Entlang der heutigen Bundesstraße gebe es sogenannte Splitterschutzboxen, erläutert Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt. Was für den Laien wie große Löcher im Wald aussieht, waren aufgeschüttetet Wallanlagen, die die dort stationierten Jagdflugzeuge vor Angreifern schützen sollten.

Diese Spuren des Einsatzhafens Schafhof, wie die Nazis ihren geheimen Flugplatz nannten, sollen nach der Rodung des Areals von Archäologen dokumentiert werden, weil sie dann teilweise unter der neuen Fahrbahn verschwinden.

Europaweit

Momentan läuft die Ausschreibung für den vierspurigen Ausbau der B 85 zwischen Schafhof und Pittersberg - und zwar europaweit. Das hat mit der Summe zu tun, die hier investiert wird, wie Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt erklärt: Rund neun Millionen Euro sind für den 2,6 km langen Abschnitt kalkuliert. Im Juni/Juli soll Baubeginn sein. Der dann ohne Vollsperrung auskommen werde. "Wir haben das bewusst so geplant", betont Noll - um den Verkehr auf der stark frequentierten Strecke möglichst wenig zu beeinträchtigen. Zunächst werde deshalb die neue zweite Spur Richtung Schwandorf errichtet. In dieser Zeit können die Verkehrsteilnehmer wie gewohnt die bestehenden beiden Fahrstreifen nutzen. Danach folgen der Ausbau in Richtung Amberg und 2018 die Sanierung der beiden alten Trassen. (eik)

Es geht einfach nicht anders.Stefan Noll zur Vollsperrung der B 85 bei Pittersberg
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