16.03.2018 - 13:10 Uhr

Fünf Gemeinden und Stadt Amberg gründen Wirtschaftsraum Über den Kirchturm hinaus

Fünf plus eins lautet die Formel, mit der Amberg und seine Umlandgemeinden punkten wollen. Fünf Gemeinden und die Stadt haben einen Kooperationsvertrag unterschrieben, um die Wirtschaft zu stärken.

Wirtschaftsraum Amberg nennt sich der Zusammenschluss der fünf Umland-Gemeinden mit der Stadt Amberg. Bild: Hartl
von Uli Piehler Kontakt Profil

Amberg. "Wirtschaftsraum Amberg" heißt das Gebilde, dessen Grundlage zunächst nur eine Zweckvereinbarung zwischen der Stadt Amberg und den Gemeinden Ebermannsdorf, Freudenberg, Hahnbach, Kümmersbruck und Ursensollen ist. Ziel ist es, gemeinsam Interessen zu bündeln und für Bürger und Unternehmen den Mehrwert der Region herauszuarbeiten. Die Federführung hat die Gewerbebau Amberg als städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mit ihrem Chef Karlheinz Brandelik.

Entwicklungssprung

Dieser stellte bei der Vertragsunterzeichnung am Donnerstagabend im Kleinen Rathaussaal die unterschiedlichen Qualitäten der einzelnen Kommunen in den Fokus. "Die Stadt Amberg und die umliegende Region erlebten in den vergangenen Jahren einen enormen Entwicklungssprung", erklärte er. Amberg habe bislang alle Expansionspläne von Unternehmen unterstützen können, gerate aber mittlerweile - was die zur Verfügung stehenden Flächen betrifft - an seine Grenzen. "Diese fehlende Verfügbarkeit birgt Risiken für die Standortsicherung der Unternehmen", unterstrich Brandelik und merkte an: "Die immer stärker geführte Diskussion um Flächenverbrauch in Bayern fordert zurecht einen sensiblen und verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unserer Heimat." Angestrebt wird ein gemeinsamer Auftritt als Wirtschaftsregion, falls ein Investor anklopft oder Betriebe Erweiterungsbedarf haben. Im Zielkatalog heißt es auch: "Über das wirtschaftliche Angebot hinaus soll durch ein gemeinsames Auftreten ein breites Angebot für alle Lebenslagen aufgezeigt und als lebenswertes Umfeld herausgearbeitet werden." Finanzstaatssekretär Albert Füracker (CSU) steht Pate für das Projekt. Er lobte den Zusammenschluss als Vorzeigeprojekt und verwies auf den Gründer-Boom. "Wir müssen auch diese Szene im Blick haben und den Gründern die Chance geben, in ihrer Heimat zu bleiben." Als besonders lobenswert erachtet Füracker, dass Stadt und Landkreis ein Stück näher zusammenwachsen. "Das kann durchaus noch intensiver gepflegt werden", sagte er. "Die Kirche darf im Dorf bleiben, aber man darf schon den Kirchturmblick über den Rand hinaus richten."

Poppenricht sagt ab

Sämtliche Umland-Bürgermeister - Josef Gilch (Ebermannsdorf), Alwin Märkl (Freudenberg), Bernhard Lindner (Hahnbach), Roland Strehl (Kümmersbruck) und Franz Mädler (Ursensollen) - berichteten von einstimmigen Beschlüssen in ihren Gemeinderäten. Nur Poppenricht scherte offenbar kurz vor der Unterzeichnung aus. Laut Brandelik musste der Vertragstext am Donnerstag noch auf die Schnelle abgeändert werden. Laut Bürgermeister Franz Birkl hätten die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen erklärt, zunächst einmal keine Notwendigkeit für den Beitritt ihrer Kommune zur Wirtschaftsregion zu sehen. "Das soll aber nicht als Affront gegen die Beteiligten verstanden werden", betonte Birkl.

Die Kirche darf im Dorf bleiben, aber man darf schon den Kirchturmblick über den Rand hinaus richten.Staatssekretär Albert Füracker

Kooperation als Bestseller

  Angemerkt von Uli Piehler

Zweckvereinbarung heißt das Dokument, das die Bürgermeister da in Ambergs Kleinem Rathaussaal unterzeichnet haben. Das ist Behördendeutsch und klingt eher nach Gebrauchsanleitung als nach Bestseller.

Aber die Gemeindechefs sind ja nicht zu Cerny gekommen, um auf der Leipziger Buchmesse zu glänzen. Sie wollen vielmehr eine Erfolgsstory für Amberg und den Landkreis schreiben. Jede der fünf Umlandgemeinden kann ein Kapitel dazu beitragen. Ursensollen und Ebermannsdorf bringen Verkehrsknotenpunkte und größere Industrieflächen ein. Hahnbach und Kümmersbruck vor allem Gewerbegebiete für kleine und mittlere Betriebe. Und Freudenberg kann mit Ausgleichsflächen dienen, die andernorts rar geworden sind.

Es lohnt sich, über den eigenen Kirchturm hinaus zu denken. Das haben Kooperationen wie die AOVE oder der Naturpark Hirschwald längst bewiesen. Warum sollte nicht auch der Wirtschaftsraum Amberg eine spannende Geschichte werden?

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