10.05.2017 - 14:04 Uhr
Oberpfalz

Günstige Wohnbaukredite sind verlockend, aber:: Kühlen Kopf bewahren

Historisch niedrige Zinsen machen Wohneigentum attraktiv. Das beschert Finanzierern gute bis sehr gute Geschäfte. Die Sparkasse und ihr Bauspar-Partner LBS raten jedoch vor zu viel Überschwang.

So günstig wie derzeit werden Wohnbaukredite auf Dauer wohl nicht bleiben: Sparkassen-Vorstand Werner Dürgner (links) und LBS-Vorstandsmitglied Erwin Bumberger. Bild: Hartl
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Amberg. Viel hat sich in den vergangenen Jahren auf dem privaten Immobiliensektor bewegt, und dieser Prozess ist noch lange nicht zu Ende. Davon zeigte sich die Spitze der Sparkasse Amberg-Sulzbach überzeugt. Vorstandsmitglied Werner Dürgner und Erwin Bumberger, Vorstand der LBS Bayern, zogen am Mittwoch in einer Pressekonferenz gemeinsam für 2016 Bilanz.

Besser könnten die Geschäfte kaum laufen, konstatierte Dürgner für das vergangene Jahr ein ausgereichtes Gesamtvolumen von Wohnbaukrediten von 133 Millionen Euro. "Damit wurde erneut ein sehr hohes Niveau erreicht", stellte er fest und geht von einer anhaltenden Nachfrage aus. Ein "eher knappes Angebot" mache den hauseigenen Maklern aber zu schaffen. Dennoch habe das Haus 2016 insgesamt 81 Objekte im Gesamtwert von 21,9 Millionen Euro vermittelt. Ein Plus von 40 Prozent.

Motive unterschiedlich

Ungewöhnlich viel Bewegung machte der Sparkassenvorstand auf dem Immobilienmarkt sowohl in der Stadt wie dem Landkreis aus. Dafür gebe es neben dem Zinstief eine Reihe weiterer Gründe: Die Bereitschaft zum berufsbedingten Pendeln in die teuren Wachstumsregionen Regensburg und Nürnberg-Fürth-Erlangen steige, junge Leute sähen in Wohneigentum verstärkt die Chance der Vermögensbildung zur Alterssicherung, und ältere Menschen seien oft auf der Suche nach einer praktikablen Stadtwohnung, weil das eigene Haus ihnen zu groß geworden ist.

Aktuell hat die Sparkasse für den Raum Amberg-Sulzbach ein hohes Durchschnittspreis-Niveau errechnet, das sich so wohl stabilisieren werde. Demnach kosten neue Doppel- und Reihenhäuser zwischen 210 000 und 400 000 Euro (gebraucht 100 000 bis 350 000), neue Wohnungen liegen bei Quadratmeterpreisen zwischen 2100 und 36000 Euro (gebraucht 500 bis 2500 Euro).

Parallel machen die Immobilienspezialisten nicht zuletzt wegen ansteigender Komfortansprüche und der Vereinzelung der Gesellschaft (immer mehr Single-Haushalte) einen deutlich angestiegenen Wohnflächen-Bedarf geltend. 1995 begnügten sich die Amberger und Landkreisbewohner noch mit 38 Quadratmetern pro Kopf. 20 Jahre später ein ganz anderes Bild. Im Landkreis lag die Durchschnitts-Wohnfläche bei 52,6 Quadratmetern pro Kopf, in der Stadt bei 48,7.

Die Begriffe eines langsam sich überhitzenden Immobilienmarktes oder gar einer drohenden Immobilienblase nahmen Dürgner und Bumberger nicht in den Mund. Sie warnten jedoch, sich von den historisch niedrigen Zinsen zu allzu hohen Verbindlichkeiten verleiten zu lassen. Dabei hatten beide mittelfristige Zeithorizonte im Blick, da sowohl die Sparkasse wie die LBS von wieder langsam steigenden Kreditzinsen ausgehen.

Es bleibt nicht so

Das, rechnete Dürgner grob vor, könne nach dem Wegfall einer marktüblichen, zehnjährigen Bindungsfrist bei einem Anstieg um ein oder zwei Prozent schnell eine nicht mehr einkalkulierte Mehrbelastung von 300 Euro monatlich bedeuten. Deshalb sollten individuelle, auf die jeweilige Lebenssituation zugeschnittene Finanzierungsmodelle angestrebt werden. Und noch etwas stellten die Immobilienspezialisten als Grund für immer mehr Bewegung auf dem Sektor des Wohneigentums fest: "Im eigenen Haus steckt nicht mehr so viel Herzblut wie noch vor 20, 30 Jahren" (Dürgner).

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