Markus Rinderspacher bei Dorfner in Hirschau
Begeistert vom europäischen Marktführer

Das etwa 100 Meter tiefe Dorfner-Ostfeld mit den Betriebsgebäuden im Hintergrund beeindruckte die Besucher (von links): SPD-Fraktionsvorsitzender im Bezirkstag Richard Gaßner, MdL Reinhold Strobl, Dorfner-Geschäftsführer Erich Oetzel, SPD-Kreisvorsitzender und Schnaittenbachs 2. Bürgermeister Uwe Bergmann, Stadtrat Rudolf Wild (Hirschau), SPD-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher, und SPD-Bundestagskandidat Johannes Foitzik. Bild: usc

Sichtlich angetan war Markus Rinderspacher, der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, von der Entwicklung neuer Produkte in der Firma Dorfner. Aber auch von der Tatsache, dass der mittelständische Betrieb in einigen Segmenten Marktführer in Europa ist.

Amberg-Sulzbach. Natürlich war für Rinderspacher eine Fahrt in die etwa 100 Meter tiefen Tagebaugruben das Tüpfelchen auf das i - nach all dem, was Geschäftsführer Dr.-Ing. Erich Oetzel über die 1895 als Familienunternehmen gegründete Firma berichtet hatte. Und von der Zukunftsplanung, wenn in etwa 30 Jahren der Bergbau eingestellt wird. Eigentlich nur Insider wissen, dass 1895 eine Steingutfabrik gegründet wurde, für die Kaolin vorhanden war. 1918 wechselte diese den Besitzer. Das Familienunternehmen konzentrierte sich dann auf den Kaolin-, Quarzsand- und Feldspatverkauf. Bis 2006 war der Betrieb unter Führung der Besitzerfamilie Dorfner. Seitdem stehen Fremdgeschäftsführer in der Verantwortung.

Forschung ganz wichtig

Oetzel machte den Gästen aus Landes-, Bezirks- und Kommunalpolitik deutlich, dass bei Dorfner Forschung und Entwicklung schon immer ganz wichtig seien. In enger Zusammenarbeit mit den Kunden suche man passgenaue Lösungen. Daran arbeite ein nicht geringer Teil der rund 300-köpfigen Belegschaft. Oetzel sprach von einer starken, langjährigen Kundenbindung über Deutschlands hinaus. Abnehmer gebe es sogar in China, Australien und Neuseeland. 2015 erfolgte laut Oetzel die Gründung einer Niederlassung in Dubai, um mit speziellen Sanden, etwa für Bodenbeschichtungen, auf der arabischen Halbinsel auf den Markt zu kommen. Dorfner verarbeitet laut Oetzel nicht nur selbst gewonnenen Rohstoffe wie Kaolin (Anteil in der Roherde 17 Prozent), Feldspat (7) Prozent) und Quartz (76), sondern kauft seit geraumer Zeit verstärkt Rohstoffe zu.

Der Geschäftsführer machte kein Hehl daraus, dass der Verkauf von Streichkaolin für die Hochglanzpapier-Hersteller europaweit rückläufig ist. Entsprechend müsse das Unternehmen mit anderen Produkten einen Ausgleich finden. Papierkaolin, so die Einschätzung des Geschäftsführers, habe für Dorfner keine Zukunft mehr.

Ganz anders sieht es im Segment Bauchemie/Fußböden aus. Hier ist Dorfner laut Oetzel inzwischen europaweiter Marktführer für eingefärbte Quarze. Ein weiteres wichtiges Standbein sind Baustoffe, dazu zählen staubarme Quarze und Fugensand. Bei Letzterem ist Dorfner ein großer Wurf gelungen, weil darauf kein angeflogener Samen aufgeht. Marktführer sei man auch bei Verbundwerkstoffen. Als Beispiel nannte Oetzel die im Bayerischen Wald produzierten Granitspülen. Ein Wachstumsfeld sei der Bereich Farben/Lacke.

Nur noch für 30 Jahre

Etwa 40 Prozent der Produkte gehen in den Export. Dorfner hat rund 3000 Kunden in 47 Ländern. Da bei gleichbleibendem wirtschaftlichem Roherde-Abbau die Vorräte wohl nur noch 30 Jahre reichen werden, stelle man jetzt schon Überlegungen an, wie es bei Dorfner danach weitergehen soll. Oetzel ließ anklingen, dass man dann wohl angekaufte Rohstoffe weiterverarbeiten werde. Ob dies in Hirschau geschehe, darüber wollte sich Oetzel im Beisein der Kommunalpolitiker nicht festlegen.

StrukturwandelIn Hirschau legte Markus Rinderspacher ein klares Bekenntnis zur Industriepolitik der SPD ab. Von Dorfner sei er mehrfach beeindruckt, von der Produkt-Entwicklung, vom Engagement in der Ausbildung und von der frühzeitigen Vorbereitung auf den bevorstehenden Strukturwandel. Letzteren müsse die Politik allgemein offensiv angehen: "So etwas wie mit der Kohle darf bei uns nicht passieren." Rinderspacher hatte dabei aktuell die Automobilindustrie im Blick, von der rund 400 000 Menschen abhängig seien, davon 80 000 in der Produktion von Verbrennungsmotoren. Man müsse alles daran setzen, den anstehenden Prozess in Richtung Elektroantrieb richtig zu steuern und an den Erhalt der Arbeitsplätze bei den Zulieferern zu denken. Gerade in der Oberpfalz sieht Rinderspacher gute Voraussetzungen für die Entwicklung der E-Mobilität, nicht zuletzt durch die Hochschulen Regensburg und Amberg-Weiden sowie Frauenhofer-Umsicht Sulzbach-Rosenberg.
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