08.11.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Neues Konzept für Sanierung historischer Gebäude Stiftung bringt Hoffnung

Um Schloss Röthenbach bahnte sich ein Trauerspiel an, seit der Besitzer bei Drainagearbeiten 2012 die halbe Fassade zum Einsturz brachte. Eventuell steht aber ein unerwarteter Geldsegen für eine Sanierung im Raum. Davon könnten auch drei andere historische Gebäude im Landkreis profitieren.

Seit Jahren ein Bild des Jammers: Schloss Röthenbach ist zwar immer noch ein wunderbares Barock-Ensemble, an der Fassade des Hauptgebäudes klafft jedoch eine hässliche Wunde. Um sie zu schließen, könnte eine neue Stiftung helfen. Archivbild: Popp
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Neustadt/WN. Seit 2015 gibt es den Verein "Kulturerbe Bayern". Daraus ist eine gleichnamige Stiftung im Aufbau. Ihr Ziel: Kulturdenkmäler vor dem Verfall retten. Dazu kauft die Stiftung im Freistaat erhaltenswerte Objekte auf, saniert sie und verkauft sie weiter. Oder sie führt die Gebäude einer neuen Nutzung zu, die Einnahmen erwirtschaften soll, um die Sanierung abzubezahlen. Vorbild ist der "National Trust" in Großbritannien.

Der junge Verein arbeitet mit allen führenden Denkmalschutz- und Heimatkundeeinrichtungen Bayerns zusammen und wird vom Freistaat unterstützt. "Kulturerbe Bayern" hat die Bezirksheimatpfleger der sieben Regierungsbezirke aufgerufen, Objekte vorzuschlagen, die in sein Konzept passen könnten. "Ich habe über 20 gemeldet", erklärt Tobias Appl, der für die Oberpfalz zuständig ist. Darunter sind vier markante Gebäude aus dem Landkreis Neustadt: Schloss Röthenbach, der Alte Pfarrhof in Grafenwöhr, Schloss Burgtreswitz und die ehemalige Brauerei Bodensteiner in Waldthurn. Die Auswahl kam nicht willkürlich zustande. Appl hatte zuvor Kreisheimatpfleger und Archivare angeschrieben, die das Konzept an die Gemeinden weitergegeben haben. Aus den Rückmeldungen hat Appl seine Liste erstellt.

Für Kommune zu teuer

In Röthenbach hat er sich schon umgesehen. Für "Kulturerbe"-Investitionen in das barocke Landsassengut spricht, dass es einsturzgefährdet ist, seit der irische Besitzer Raymond Grassick einst eine Drainage rund um das Schloss graben wollte und dabei so nah an das Mauerwerk herankam, dass eine ganze Seite einstürzte. Ärgerlich: Kurz zuvor war erst der Dachstuhl des denkmalgeschützten Gebäudes saniert worden.

Dem Vernehmen nach hat sich Grassick inzwischen von seiner Amberger Ehefrau getrennt und lebt mittlerweile in Frankreich. Das Schloss würde er verkaufen. "Er hat es uns für 500 000 Euro angeboten, aber da müssen wir passen", sagt Kohlbergs Bürgermeister Rudolf Götz. Ob "Kulturerbe Bayern" so viel zahlt oder ob sich Grassick herunterhandeln lässt, ist offen.

Wesentlich besser in Schuss als das Hammerschlösschen bei Kohlberg ist Schloss Burgtreswitz . Das liegt auch am 430 Mitglieder starken Förderverein, zu dem ein eigener Bautrupp gehört, der die Burg bereits barrierefrei aufgemöbelt hat. Geld dafür spielt er mit etlichen Veranstaltungen ein. Am bekanntesten sind das Weinfest und der große Weihnachtsmarkt. So etwas wäre ganz im Sinne von "Kulturerbe Bayern". "Der Freistaat überträgt Aufgaben aufs Ehrenamt und stärkt damit gleichzeitig die Dorfgemeinschaft", erklärt Appl einen Ansatz.

Schloss Burgtreswitz gehört dem Markt Moosbach. Dort war die Kulturerbe-Stiftung anders als in Kohlberg noch nicht Thema im Gemeinderat. "Das wüsste ich als Erster", sagt Peter Garreiss, Vorsitzender des rührigen Fördervereins. Er kennt den Verein "Kulturerbe". "Absolut seriös, da steht auch das Kultusministerium dahinter", betont er.

Freistaat vor Jubiläumsjahr

Eine Entscheidung, welche Objekte zum Zug kommen, steht offenbar kurz bevor. "Es gibt eine gewisse Reihenfolge, darüber beschließt der Vorstand im November", informiert der Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, Martin Wölzmüller.

Er räumt ein, dass der Verein "Kulturerbe" finanziell noch nicht allzu dick gepolstert ist. Das soll sich nächstes Jahr ändern. "Dann steht das Jubiläum 100 Jahre Freistaat Bayern an. Dann wollen wir auch die Stiftungsgründung öffentlichkeitswirksam präsentieren", erklärt Wölzmüller. Doch schon ohne Werbung lägen Zusagen über fünf- und sechsstellige Summen von Institutionen und Privatleuten vor.

Zunächst aber wolle "Kulturerbe" mal mit zwei oder drei Objekten einen Versuchsballon starten. Auf Nachfrage bestätigt Wölzmüller, dass sowohl Röthenbach als auch Burgtreswitz grundsätzlich die geforderten Kriterien erfüllen. Aus ganz Bayern seien bislang 40 Vorschläge auf dem Tisch. Das deutet darauf hin, dass Heimatpfleger Appl und seine Mitstreiter in den Oberpfälzer Landkreisen sich bei ihren Hausaufgaben besondere Mühe gegeben haben.

Britisches Beispiel für Bayern

Vorbild für Stiftung und Verein von "Kulturerbe Bayern" ist der britische National Trust, laut Wikipedia eine "gemeinnützige Organisation, die Objekte aus dem Bereich Denkmalpflege und Naturschutz betreut. Der National Trust ist mit vier Millionen Mitgliedern die größte Organisation Europas für Kultur- und Naturschutz. Präsident ist Prinz Charles." Im Besitz des Trusts sind rund 200 historische Gebäude und Gärten sowie rund 50 industrielle Bauwerke und Mühlen, 50 Kirchen und Kapellen, einige Pubs und 19 Schlösser. Der Etat umfasst rund 470 Millionen Euro. Finanziert wird dies durch Mitgliedsbeiträge und ehrenamtliche Arbeit von 61 000 Freiwilligen sowie Spenden, Erbschaften und Schenkungen. Dazu kommen die Erträge von Andenkenläden, Restaurants und aus Vermietungen. (phs)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp