02.06.2017 - 17:30 Uhr
Oberpfalz

Bauern kämpfen gegen Erdkabel und für neue Strommasten Schlanke Leitung

Erdkabel, dezentrale Kleinkraftwerke, Smart Grids, Freileitungen: Kaum eine Woche vergeht ohne Streit um Stromtrassen. Nun kündigen Landwirte und Waldbesitzer eine neue Initiative an. Sie wollen einen ganz anderen Typ Strommasten für den Ostbayernring durchsetzen.

Diese Montage stellt einen Gittermasten des Ostbayernrings (links) für je zwei 380-kV- und 110 kV-Leitungen einem Kompaktmasten mit gleicher Leistung (rechts) gegenüber. Beide wären 60 bis 70 Meter hoch. Der Gittermast wäre jedoch 35 Meter breit, der Kompaktmast nur 16 Meter. Grafik: Bundesverband Kompaktleitung
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Weiden/Neustadt. "Wir möchten den Ostbayernring nicht verhindern", stellt Hans Winter klar. Der Geschäftsführer des Bauernverbands kann mit der Ertüchtigung der 185 Kilometer langen Wechselstromleitung zwischen Redwitz in Oberfranken und Schwandorf leben, jedoch ohne Erdkabel und Gittermasten, wie sie jetzt auf den Feldern stehen.

Die Lösung heiße Kompaktmasten. Das sind schlanke Stelen, die nach Ansicht der Bauern jede Menge Vorteile bringen. Der wichtigste: Sie brauchen wesentlich weniger Platz. Das schafft mehr Raum zur Bewirtschaftung von Feldern und verhindert größere Schneisen in Wäldern.

Die Landwirte schließen sich dazu mit dem "Bundesverband Kompaktleitungen" kurz. Mitglieder dieser Lobby sind ein Dutzend Unternehmen aus Bau- und Energiewirtschaft, sowie wissenschaftliche Institute. Mitarbeiter Jürgen Kasparek wirbt in der Region für die neuen Mastentypen. Sie seien leistungsstark, minimierten elektromagnetische Felder, kosteten nicht mehr, könnten auf der Bestandsleitung verlegt werden, seien ohne Beeinträchtigungen der Verbraucher zu installieren und leicht rückzubauen. Auf den ersten Blick ähneln Kompaktmasten Rohren für Windräder, wenn sie auch wesentlich niedriger sind.

Tennet winkt ab

Der Haken daran: Netzbetreiber Tennet hält nicht so viel davon. Sprecher Markus Lieberknecht verweist auf DIN-Normen in Deutschland, die eine Zulassung von Kompaktmasten verhindern. "Wir sind darüber im Gespräch, aber aktuell spielen sie für den Ostbayernring keine Rolle." So sei die Begehbarkeit, Verkehrssicherungspflicht und Instandhaltung der Kompaktmasten schwierig. "Außerdem hängt bei uns auch noch die 110-kV-Leitung des Bayernwerks drunter. Das macht es kompliziert."

Also plant Tennet weiter mit Gittermasten. Ein Spalt zur Kompaktvariante steht jedoch weiter offen, sagt Lieberknecht: "Wir haben uns zu Sondermastbauformen verpflichtet, falls sie verfahrensrechtliche, wirtschaftliche und technische Vorteile bringen."

Das tun sie laut Bundesverband Kompaktleitung. Jürgen Kasparek verweist darauf, dass Tennet selbst in Holland bei einer 380-kV-Freileitung auf 80 Kilometern ausschließlich Kompaktmasten verwendet. "Auch Frankreich, die Schweiz, Polen, Italien und Norwegen setzen darauf." In Deutschland seien weitere Referenzprojekte geplant.

Das überzeugt die Landwirte im Landkreis, die folgende Rechnung aufmachen: Mit schmalen Kompaktmasten brauche es ein Fußballfeld weniger Waldeinschlag pro 1,59 Leitungskilometer. Beim Ostbayernring führen rund 36 Prozent der 185 Leitungskilometer durch Wald. Beim Einsatz von Kompaktmasten bedeute dies rund 937 000 Quadratmeter weniger Einschlag. Auf den Feldern müsste statt acht mal acht Metern Fläche für einen Gittermast nur etwas über drei Quadratmeter für einen Kompaktmast geopfert werden.

"Fünf vor zwölf"

All das wollen die Spitzenverbände der bayerischen Landwirtschaft in den nächsten Monaten Kommunalpolitikern und Abgeordneten schmackhaft machen. Das wird nicht leicht, fürchtet BBV-Kreisobmann Josef Fütterer: "Könnte sein, dass die Leute das ähnlich kritisch sehen wie Windräder und von Monstermasten sprechen." Diese Ansicht teilt Michael Bock von der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt-Süd nicht. Er gibt indes zu, dass es reichlich spät ist, dass sich die Wald- und Grundbesitzer auf die Hinterbeine stellen. "Es ist fünf vor zwölf", ergänzt Hans Winter.

Denn beim Südostlink ist die politische Entscheidung schon zugunsten der von Bauern ungeliebten Erdkabel gefallen. Der Ostbayernring ist wegen technischer Schwierigkeiten bisher nicht in der Liste der Erdkabelpilotprojekte des Bundesbedarfsplangesetzes. Die Staatsregierung möchte das ändern. "Wir werden weiterhin im Bund darauf dringen, dass Erdkabelabschnitte für den Ostbayernring in Betracht kommen", heißt es auf NT-Anfrage aus dem Wirtschaftsministerium in München.

Um das zu verhindern, werden Bauernvertreter künftig bei Politikerbesuchen in Wahlkampfzeiten vermehrt Flagge für Kompaktmasten zeigen, kündigt Hans Kick aus Grünau an: "Wir müssen an alle rangehen, die zu uns kommen."

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