23.04.2018 - 11:24 Uhr
Oberpfalz

CSU-Bezirksräte sehen sich in Wöllershofer Teichwirtschaft um Nachbarschaftsstreit um Kormoran

Die Oberfranken stellen Kormoran-Kolonien unter Schutz. Problem dabei: Die Reviere dehnen sich in die Oberpfalz aus. Zum Beispiel bis zum Rußweiher. Das sorgt für Ärger.

Beeindruckend so ein Riesenstör namens Hausen. Weil solche Tiere ohne die Teichwirtschaft in Wöllershof keine Chance in der Oberpfalz hätten, wollen die CSU-Bezirksräte den Beispielsbetrieb weiter fördern. Bild: phs
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Wöllershof. Erhaben sieht so ein Hausen aus. Der Fisch, der da gerade in einem Bassin schwimmt, ist 28 Jahre alt und 70 Kilo schwer. Die Störart kann bis zu 100 Jahre alt werden. Allerdings wird sie erst mit 25 Jahren geschlechtsreif. Letzteres und die Zucht des Friedfischs namens "Frauennerfling" waren beim Besuch der CSU-Bezirksräte und -Bezirkstagskandidaten im Teichwirtschaftlichen Beispielsbetrieb Wöllershof natürlich einige Kalauer wert.

Die Politiker wissen, was sie an der Einrichtung haben. Nichts weniger als den Erhalt der Oberpfälzer Kulturlandschaft durch Beratung, Ausbildung, Artenhilfsprojekte und Fischverkauf. Das lässt die Bezirksräte ein jährliches Defizit von 200 000 bis 300 000 Euro verschmerzen. "Wir könnten das alles an irgendjemanden verkaufen, aber dann machen wir unseren eigenen Teichwirten Konkurrenz", erklärt Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher.

Diese Überlegungen habe es sehr wohl gegeben, sie seien aber inzwischen vom Tisch. Stattdessen investiere der Bezirk 1,3 Millionen Euro in die Anlage an der Straße nach Wurz. 500 000 davon flossen allein in die energetische Sanierung, demnächst komme die technische Ausrüstung dran, sagt Höher.

Sein Amberger Kollege Martin Preuß hat Zahlen als Beleg dafür parat, dass das Geld gut angelegt sei. Die Oberpfalz liefere jedes Jahr 25 Prozent aller deutschen Speisekarpfen und sei damit bundesweit spitze. Die Tiere summierten sich auf ein Gewicht von 3700 Tonnen.

Wären da nur nicht natürliche Feinde, die das alles ins Wanken bringen (wir berichteten). Neben dem Fischotter und dem Biber macht der Kormoran weiter Sorgen. Nicht nur den Teichwirten, auch den Behörden, erklärt Thomas Ring, Fisch-Fachberater bei der Regierung der Oberpfalz.

Ein Beispiel: Bestehende Kolonien in Naturschutzgebieten sind gesetzlich geschützt. Etwa im Landkreis Bayreuth. Für diese Vögel hat die Regierung von Oberfranken den sogenannten Foragierradius - das ist so etwas wie die Ausdehnung des Reviers - um 30 Kilometer ausgeweitet. Das betrifft nun auch den Rußweiher im Landkreis Neustadt. Dort dürfen nach Vorstellungen der Oberfranken keine Altvögel geschossen werden, denn dies könnte dazu führen, dass der Kormorannachwuchs im Nest verhungert. Doch das kollidiert mit einer Allgemeinverfügung der Regierung der Oberpfalz. Die sieht vor, dass sich keine neuen Brutkolonien gründen sollen. Das Altvögel-Abschussverbot der Oberfranken tangiert aber auch den Landkreis Tirschenreuth. Deshalb haben Fischereiverbände und Oberpfälzer Bezirksräte bereits an Regierungspräsident Axel Bartelt in Regensburg geschrieben, das oberfränkische Vorhaben zu verhindern.

Speziell die davon betroffenen Teichwirte hätten es schon schwer genug, berichtet Thomas Beer aus Kleinsterz bei Mitterteich. Denn die schlauen Kormorane würden sich in die streng geschützte Waldnaabaue zurückziehen, wo sie kaum bejagt werden dürfen, und von dort aus ihre Raubzüge starten. Toni Dutz aus Wiesau hat für so viel Vogelschutz nur Sarkasmus übrig: "Dann müssen wir den Kormoran so erziehen, dass er nicht ins FFH-Gebiet fliegt."

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp