24.09.2017 - 23:32 Uhr
Oberpfalz

Die Bundestagswahl im Landkreis Neustadt/WN AfD wildert bei CSU und SPD

Für die CSU ist die Welt im Landkreis Neustadt noch recht heil. Albert Rupprechts Direktmandat ist in keinem Gebiet auch nur annähernd gefährdet. In 26 von 38 Gemeinden liegt die Partei über 40 Prozent. Dagegen hat die SPD der Abwärtssog erfasst. Uli Grötsch überholt bei den Erststimmen nur in seinem Heimatort Waidhaus seine Mitbewerber.

Uli Grötsch gibt im Gasthof Frölich in Pfrentsch seine Stimme ab. Begleitet wird er von Ehefrau Andrea und den Töchtern Johanna (10) und Verena (12). Bild: dob
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Neustadt/WN. Während sich im Bund sechs Parteien die Sitze streitig machen, spielen zwischen Eslarn und Kirchenthumbach nur vier eine Rolle: CSU, SPD, AfD und FDP. Linke und Grüne sind im städtischen Milieu zu Hause, im dünnstbesiedelten Landkreis Bayerns bringen sie kein Bein auf die Erde. So kommen die Grünen nur in wenigen Gemeinden, etwa Kohlberg, Pirk oder Etzenricht, knapp über 5 Prozent. Wenn die Linke so etwas wie Hochburgen hat, sind es Bechtsrieth und Grafenwöhr. In der Garnisonsstadt ist sie auch im Stadtrat. Dort überspringt sie knapp die Fünfer-Hürde. Grafenwöhr ist auch die Kommune mit der schlechtesten Wahlbeteiligung: 69,85 Prozent. Am vorbildlichsten sind da die Vorbacher mit 87,38 Prozent.

Egal wo: Die AfD ist überall die Gewinnerin. In 23 Gemeinden übertrumpft sie bei den Zweitstimmen sogar den Bundesdurchschnitt. In Eslarn, Leuchtenberg, Trabitz und Moosbach lässt sie die SPD hinter sich, in Schwarzenbach liegt sie mit den Sozialdemokraten gleichauf. Ihr bestes Resultat fährt sie mit 22,87 Prozent in Eslarn ein. Lediglich in Flossenbürg bleiben die Rechtspopulisten mit 9,75 Prozent im einstelligen Bereich. Albert Rupprecht gibt bei den Erststimmen nur Trabitz und Waidhaus ab. Ansonsten kann er trotz einem Minus von über 8 Prozent mit Rückenwind in Berlin landen. In sieben Gemeinden schaffte er sogar über 50 Prozent. Doch die Zeiten von solchen flächendeckenden Kantersiegen sind für seine Partei auch im ländlichen Raum offenbar vorbei.

Der unabhängige Konrad Dippel, bekanntermaßen Deutschlands erfolgreichster Einzelbewerber, nahm dem CSU-Mann nicht allzu viele Stimmen ab. Einen Achtungserfolg erzielt Karl Meier von den Freien Wählern. Besonders in seiner Heimatstadt Neustadt und ihren Umlandgemeinden punktet er zweistellig. Bei den Zweitstimmen spielen die Freien keine Rolle. Signifikant über 5 Prozent heimsen sie aber immerhin in Tännesberg, Theisseil, Schlammersdorf oder Störnstein ein.

Uli Grötsch darf sich - entgegen dem Trend für seine Sozialdemokraten - bei den Erststimmen sogar mit einem ganz leichten Plus schmücken. Generell gilt für ihn: Im Landkreis-Osten ist er stärker als im Westen. Auch in den SPD-Bastionen Floß und Flossenbürg ist für ihn etwas zu holen. Bei den Zweitstimmen kommt die SPD nur in Flossenbürg annähernd in Reichweite der CSU.

Grötsch ist in vielen Orten offenbar beliebter als seine Partei. Besonders kann der SPD-Generalsekretär auf seine Waidhauser zählen. Da dort aber auch die AfD über 18 Prozent der Zweitstimmen holt, liegt es nahe, dass ausgerechnet in Waidhaus Wähler, die Grötsch als Aktivisten gegen Rechts kennen, die Erststimme gegeben haben und mit der Zweitstimme die Partei von Alexander Gauland und Björn Höcke stärken.

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