17.10.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Kliniken AG sucht händeringend Ärzte und Pflegekräfte Weiße Kittel auf Roter Liste

Neustadt/WN. Das Personal arbeitet am Anschlag, die Gewerkschaften verlangen mehr Geld, die Krankenkassen wollen weniger zahlen, Medikamente werden immer teurer, die Bürokratie ufert aus, Ärzte und Pfleger machen sich rar, und der Medizinische Dienst zwiebelt weiter mit Vorschriften. Vor diesem Hintergrund ist Josef Götz als Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG nicht um seinen Job zu beneiden. Dennoch ist er entschlossen, alle Häuser des Verbunds zu halten. Dieses Bekenntnis gab er am Montag in der Kreistagssitzung ab, wo er sein Zukunftskonzept 2020 vorstellte.

Die Schwester ist konzentriert bei der Sache und hört dem Patienten zu. Um weiter auf solchem Niveau arbeiten zu können, bräuchte es schon bald mehr Personal bei den Kliniken Nordoberpfalz. Bild: Wilck
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Götz und seine Vorstandskollegen wüssten, wo der Hebel anzusetzen ist. Sie tun sich aber schwer, ihn zu drücken. Beispiel Vohenstrauß: Im dortigen Krankenhaus arbeiten mit Dr. Markus Rohde und Dr. Heinrich Gref zwei tüchtige Belegärzte. Gref hört altersbedingt auf, Rohde ebenfalls Ende des Jahres, weil er mit seiner internistischen Praxis schon genug ausgelastet ist. "Wir brauchen dort dringend einen Internisten", schärft Götz den Kreisräten ein. Den zu bekommen sei extrem schwer. "Wir haben alle niedergelassenen Ärzte angeschrieben und Headhunter beauftragt." Um in Vohenstrauß trotzdem Patienten auf hohem Niveau behandeln zu können, will die Kliniken AG im Frühjahr ein Innovationsprojekt vorstellen. Im wesentlichen wird es darin bestehen, die Zusammenarbeit mit einem Schwerpunktkrankenhaus wie Weiden auszubauen. Um auf dem Land dennoch mithalten zu können, fallen in diesem Zusammenhang Stichworte wie Telemedizin.

Die Sanierung der Station in Vohenstrauß sei bereits beschlossene Sache, liegt aber bei der Regierung der Oberpfalz auf Eis, weil die Kliniken AG keine neuen Ärzte herzaubern kann. "Dabei haben wir schon die Zusage in der Tasche", sagt Götz. Was schneller geht, dürfte der Umbau der Pflegeeinrichtung "Sanita Cura" im Haus Vohenstrauß sein. Ein Segen sei das Schulungszentrum "NEW Life" für Pflegepersonal am Felixberg in Neustadt. "Ich möchte nicht wissen, was los wäre, wenn wir das nicht eingerichtet hätten." Laut Götz zieht "NEW Life" inzwischen immer mehr Auszubildende von außerhalb der Nordoberpfalz an.

Dennoch: Krankenschwestern, Pfleger und Altenpfleger fehlen an allen Ecken und Enden. Etwa im Haus St. Laurentius in Eschenbach, das auf die Versorgung von Demenzkranken spezialisiert ist. Dort stehen 45 Betten zur Verfügung. Das Haus kann aber nur 40 Bewohner aufnehmen, weil es nicht mehr Fachkräfte zur Verfügung hat. Dieses Personalproblem betreffe alle acht Standorte der Kliniken AG. Da hilft alles tricksen nicht, beteuert Götz. "Sie können Leistungen nur erbringen, wenn sie Personal vorhalten, sonst steht sofort die strafrechtliche Komponente dahinter. Dann sprechen wir schnell von Körperverletzung und Abrechnungsbetrug."

Reaktionen

"Respekt. Wir haben wirklich Spitzenmedizin in der Region", kommentierte Landrat Andreas Meier den über anderthalbstündigen Vortrag von Josef Götz. Annette Karl (SPD) wollte vom Kliniken-Vorstand wissen, wo man Druck auf die Gesundheitspolitik im Bund ausüben müsse. Götz nannte zwei Stellschrauben: "Erstens weniger Bürokratie und weg mit der Misstrauenskultur. Dann bekommen Sie Kapazitäten bei Ärzten und Pflegern frei." Von 7,5 Stunden Arbeit verbringe eine Schwester bereits 3 am PC. Die Zeit fehle für Patienten. "Zweitens: mehr Personal. Das wird mehr Geld kosten, aber wenn wir es nicht in die Hand nehmen, will irgendwann niemand mehr den Beruf machen."

Barbara Kindl (ÖDP), Frauenärztin in Vohenstrauß, beklagte eine schlechte Informationspolitik der Kliniken AG. "Wir Gynäkologen haben aus der Zeitung erfahren, dass Professor Scharl aus Amberg jetzt zwei Tage in Weiden ist." Götz räumte ein, dass dies nicht optimal gelaufen sei, aber Infoveranstaltungen an drei Standorten zu halten, sei nicht so einfach.

Karl Lorenz (Freie Wähler) fragte nach Götz' Meinung zur 2018 geplanten Erhöhung der Krankenhausförderung durch den Freistaat von 503 auf 643 Millionen Euro pro Jahr. "Grundsätzlich ist das toll", sagt der Kliniken-Manager, "aber eigentlich wären 800 Millionen nötig." Damit müsste man Herausforderungen wie die Digitalisierung finanzieren. Zudem könnte der Freistaat seine Förderrichtlinien ändern. "Für Außenanlagen oder die Apotheke bekommen sie kein Geld. Aber das gehört nun mal auch zu einem Krankenhaus." (phs)

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