28.06.2017 - 18:02 Uhr
Oberpfalz

Stadt und Landkreis bauen E-Tankstellen-Netz aus Gas geben für Steckdosen

Weiden/Neustadt. Jeder spricht davon, aber Elektro-Mobilität kommt nur langsam in die Gänge. Stadt und Landkreis strengen sich an, neue E-Tankstellen einzurichten. An den bestehenden zapfen nur sehr wenige Autofahrer Strom. Trotzdem: Das Angebot wächst.

Fast wie eine Benzinzapfsäule, aber geruchsneutral: Im Parkdeck an den Naabwiesen können Elektroauto-Fahrer rund um die Uhr Strom tanken. Allzu viele sind es nicht noch nicht. Bild: Schönberger
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Im Landkreis waren bis Ende letzter Woche lediglich 60 reine Elektroautos zugelassen. Zusätzlich kurven 131 Hybridmodelle in der Kombination Elektro mit Benzin, Diesel oder Wasserstoff zwischen Eslarn und Kirchenthumbach. In Weiden waren es 22 E-Autos, 65 Hybriden und 15 Plug-in-Hybriden.

Damit der Umstieg auf die neue Technik nicht an Ladestationen scheitert, legte der Kreistag im November 2016 ein eigenes Förderprogramm auf. 15 000 Euro stehen dafür im Haushalt. Bisher sieht es nicht so aus, dass sie heuer ausgeschöpft werden. Nur wenige Gemeinden haben bisher Förderanträge gestellt: Neustadt/WN, Vohenstrauß und Floß sind genehmigt oder bereits ausgezahlt. Grafenwöhr, Eslarn, Waldthurn und Windischeschenbach haben Interesse bekundet. Die Förderung beträgt 2000 Euro beim Kauf einer E-Zapfsäule oder jährlich 500 Euro bei Miete bis 2020.

Vielleicht halten sich die Bürgermeister und Gemeinden etwas zurück, weil sie das Beispiel Neustadt abschreckt. An der E-Tankstelle an der Stadthalle tut sich wenig. Sie gehört dem Bayernwerk, Neustadt hat sie gemietet, "um bei dem Thema voranzugehen", wie Bürgermeister Rupert Troppmann erläutert. "Klar ist das ein Draufzahlgeschäft."

Enorme Preisunterschiede

Das Kilowatt an dieser Säule kostet 80 Cent. Ähnliche Bezahlsysteme sollen in Altenstadt und Eschenbach im Gespräch sein. "Zu teuer", meint Erich Dannhäußer von der Firma Natur-Energietechnik aus Floß, die selbst E-Tankstellen fertigt. Aber Kommunen oder Energiekonzerne müssen das Geld für so eine 11- oder 22-kW-Wechselstrom-Zapfanlage auch wieder reinholen. Deshalb schwanken die Preise bundesweit stark, laut Dannhäußer zwischen 50 Cent und 3,80 Euro pro kW.

Je nach Modell kostet eine E-Tanksäule zwischen 6000 und 12 000 Euro, je nachdem wie viele Meter Kabel zuvor verlegt werden müssen und wie viele Stecker zur Verfügung stehen. Dazu kommen etwa 40 Euro Miete monatlich und 420 Euro Wartung pro Jahr. Der Strom wird stundenweise nach Ladezeit abgerechnet. Deshalb ist es für viele günstiger, sich zu Hause eine Ladestation einzurichten. Sie kostet mit Montage rund 2000 Euro.

Umsonst ist der Elektrosprit noch in Weiden im Parkhaus an den Naabwiesen und gleich um die Ecke in der Johannisstraße. Gleiches gilt für Floß am Luitpoldplatz und auf dem Gelände von Natur-Energietechnik. Am Luitpoldplatz sind auch die Raiffeisenbank als Sponsor und die Energie-Genossenschaft Zeno mit an Bord. Sollte E-Mobilität jedoch gewaltig an Fahrt gewinnen, könnte auch dort auf ein Bezahlsystem umgerüstet werden.

Den Trend will die Firma Bergler aus Weiherhammer nicht verpassen. Sie verkauft ihren eigenen Strom aus erneuerbaren Energien und baut fleißig ihr E-Tankstellen-Netz mit Triple-Stationen aus. Damit sind drei Steckertypen für die gängigsten E-Auto-Typen gemeint, darunter für den Vorreiter Tesla.

Nur sauberer Strom

Im Einkauf kostet das Kilowatt den Anbieter zwischen 28 und 32 Cent. Der Bund macht dafür aber den Bezug von erneuerbarer Energie zur Auflage, andernfalls gibt es keine Förderung.

Verbesserungsbedarf sieht Erich Dannhäußer noch bei privaten Photovoltaikanlagen, die im Winter noch nicht genügend Strom für Autoantriebe liefern. Deswegen will er sich in Floß noch ein 19 Meter hohes Windrad bauen. Die Zukunft, dieses Photovoltaik-Problem auszugleichen, sieht er aber in Cloud-Lösungen. Die sehen so aus, dass der Betreiber einer Anlage den überschüssigen Strom, den er im Sommer produziert, ansparen und im kW-armen Winter wieder abheben kann.

Pläne für Weiden

Interessant dürfte heute die Sitzung des Hauptverwaltungsausschusses der Stadt Weiden (14.30 Uhr, Neues Rathaus) werden. Auf der Tagesordnung steht das vor einem Jahr in Auftrag gegebene Elektromobilitätskonzept. Es sieht sieben neue E-Tankstellen für Autos im Stadtgebiet vor. Dazu kommen zwei weitere halböffentliche und drei neue E-Bike-Ladestationen. (phs)

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