27.10.2017 - 20:32 Uhr
Oberpfalz

Wirtschaftsausschusswill gute Zahlen besser vermarkten Erfolg allein reicht nicht

Neustadt/WN. Beschäftigungs- und Umsatzzahlen im Landkreis können sich sehen lassen. Das bestätigen das Institut Prognos, die IHK und auch Wirtschaftsförderin Barbara Mädl. Doch es geht bestimmt noch besser, sind einige Kreisräte überzeugt.

"Nehmen Sie einfach ein Thema raus, dass Sie von anderen unterscheidet. Regensburg nennt sich dank Conti auch Sensorik-Stadt, Weißenburg vermarktet sich als Bayerns Kunststoff-Zentrum." Zitat: Florian Rieder, IHK-Gremium Weiden
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Es lebt sich nicht schlecht zwischen Eslarn und Kirchenthumbach, erklärte Florian Rieder vom IHK-Gremium Weiden am Donnerstag dem Wirtschafts- und Tourismusausschuss des Kreistags. Der Landkreis habe in den letzten 10 Jahren ein Wachstum von 2,8 Prozent hingelegt. Das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem liege über dem Oberpfalzschnitt. Die Summe aller Waren und Dienstleistungen in der Nordoberpfalz habe fast 7 Milliarden Euro erreicht. Die Arbeitslosenquote im Landkreis dümpelte im September gerade mal bei 3,1 Prozent.

Das leidige Problem: Es kriegen nicht alle mit, dass diese Lebensqualität längst konkurrenzfähig ist. Denn: "Wir haben kein klares Wirtschaftsleitbild zu verkaufen", bedauert Rieder. Also braucht es mehr Marketing, findet Karl-Heinz Preißer (SPD). "Beim Tourismus läuft das doch hervorragend. Da könnte man vieles davon auch in der Wirtschaft machen", sagte er mit Blick auf die Kreisverwaltung. Preißer schlägt eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Verein "Plus der Oberpfalz" vor, in dem sich 13 Kommunen rund um das Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald organisiert haben.

Klaus Bergmann (Grüne) regt an, mit Natur und schöner Landschaft auf den Putz zu hauen. Bernd Pscheidt (Freie Wähler) will noch besser herausstreichen, dass im Landkreis jederzeit Kita-Plätze zu haben und zu bezahlen sind. "Und es wissen auch noch nicht viele, dass Studenten, die nach Regensburg müssen, von Weiden aus kostenlos mit dem Zug fahren können." Rieder könnte sich vorstellen, die Nordoberpfalz als Logistik-Region zu vermarkten. Dabei nannte er Namen wie Witron, IGZ, Lippert oder Sitlog. "Nehmen Sie einfach ein Thema raus, dass Sie von anderen unterscheidet. Regensburg nennt sich dank Conti auch Sensorik-Stadt, Weißenburg vermarktet sich als Bayerns Kunststoff-Zentrum." Auch E-Commerce habe rund um Weiden Potenzial. Erstens dank der Hochschule, zweitens wegen solcher "Software-Perlen" (Rieder) wie "Speed4Trade" in Altenstadt.

Technikerschule liegt auf Eis

Rupert Troppmann (CSU) warnte davor, in ein Leitbild zu hohe Erwartungen zu setzen. "Wir diskutieren so etwas schon seit 20 Jahren. Und ökologisch will in Deutschland jeder sein. Unsere Stärke liegt in der Vielfalt." Laut Troppmann ist der Jobmotor in der Region die Autobahn. "Wer dort als Kommune ein Gewerbegebiet hat, hat auch Betriebe." Die Ausnahme sei Parkstein. Rieder fielen noch mehr Ausnahmen ein, etwa Hagendorf oder Weiherhammer. Manchmal können aber selbst Kopfstände nicht helfen, zeigte ein Beispiel von Barbara Mädl. Die erst vor zwei Jahren gegründete Elektrotechnikerschule des Kreises in Weiherhammer habe im ersten Jahr zwölf erfolgreiche Absolventen hervorgebracht, heuer sei dagegen keine Klasse mehr zustande gekommen. "Die Betriebe lassen ihre guten Leute nicht weg", vermutet die Wirtschaftsförderin.

Homepage kommt an

Mädl und ihre Mitstreiter durften sich noch über ein Lob von der IHK freuen. Deren Mitarbeiterin Maria Gruber präsentierte das neue Internet-Standortportal ihres Verbands. Es enthält Gewerbeflächen und Immobilien samt Ansprechpartnern, Bauleitplanungen und Verkehrsanbindungen. Die neue Landkreis-Homepage habe sich damit sofort verlinkt und beweise damit, dass sie den Service-Gedanken ganz groß schreibe.

"Viele neue Impulse" erkennt auch stellvertretende Landrätin Margit Kirzinger, die erstmals eine Sitzung des Ausschusses leitete, in der Wirtschaftsförderung. Auch sie hat aber einen Verbesserungsvorschlag. "Ich vermisse ein bisschen die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur bei der Umschulung von Fachkräften. Wir reden immer nur vom schulischen Bereich."

Nehmen Sie einfach ein Thema raus, dass Sie von anderen unterscheidet. Regensburg nennt sich dank Conti auch Sensorik-Stadt, Weißenburg vermarktet sich als Bayerns Kunststoff-Zentrum.Florian Rieder, IHK-Gremium Weiden

Erfreuliche Zahlen

Statistiken werden gerne zitiert, wenn die Zahlen Erfreuliches untermauern. Wirtschaftsförderin Barbara Mädl hat dafür einige Gründe. So lag das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem im Landkreis Neustadt zuletzt bei 69 893 Euro, der Oberpfalzschnitt liegt mit 68 305 Euro etwas darunter, der Bayernschnitt mit 75 387 Euro allerdings darüber. Das verfügbare Einkommen der Privathaushalte stieg um 3,2 Prozent auf 20 170 Euro je Einwohner und nähert sich somit langsam dem Oberpfalzschnitt von 21 001 Euro. 2016 waren über 38 000 Landkreisbewohner sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 2010 waren es erst etwas über 35 000. Leicht rückläufig sind dagegen die Förderanträge der gewerblichen Wirtschaft. Anträge auf Breitbandausbau sind dagegen weiterhin Renner.

Mädl wies in diesem Zusammenhang auf einige Glasfaser-Sonderprogramme hin. So stellt der Freistaat seit Juli einen "Höfebonus" für abgelegene Gebiete zur Verfügung. Im Topf sind 400 Millionen Euro. Zudem ist für Januar 2018 ein spezielles Förderprogramm des Bundes für Schulen vorgesehen. (phs)

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