27.06.2017 - 13:18 Uhr
Oberpfalz

Hantavirus tritt bislang in der Region noch nicht auf Keine Spur von Epidemie

Hantaviren? Nie gehört. Gut so. Denn die tückischen Erreger bereiten in der Nordoberpfalz keine Probleme. Das heißt nicht, dass dies für alle Zeiten so bleibt. Denn 2017 gilt als besonderes Hantaviren-Risikojahr. In Niederbayern und Unterfranken steigt die Infektionsrate bereits kräftig.

Niedlich, so eine Rötelmaus. In einigen Regionen Süddeutschlands ist sie wegen der Übertragung von Hantaviren allerdings zur Plage geworden. Die Nordoberpfalz ist bis heute davon verschont. Bild: dpa
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Weiden/Neustadt. Um was geht es? Hantaviren machen sich mit Symptomen wie bei einer schweren Grippe bemerkbar: Fieber, Kopfweh, Gliederschmerzen. Im Extremfall geht es an die Nierenfunktion.

Die Erreger werden von Nagetieren über Kot und Urin verbreitet. Vor allem die Rötelmaus tut sich dabei hervor. Und die vermehrt sich zurzeit rasant, weil es ihre Leibspeise in Hülle und Fülle gibt, erklärt Stefan Bösl, Chef des Forstamts Flossenbürg: "2016 gab es auch bei uns so viele Bucheckern wie noch nie."

Indirekt ist das eine Folge des Klimawandels und der zurückliegenden trockenen Jahre. Die haben einerseits die Vermehrung der Mäuse beschleunigt, andererseits die Pflanzung von Buchen begünstigt, die bei Stürmen stabiler sind als die flachwurzelnden Fichten.

Hantaviren-Erkrankungen sind meldepflichtig. "In den vergangenen drei Jahren haben wir keinen Fall registriert", sagt Thomas Holtmeier, der Leiter des Gesundheitsamts. In der gesamten Oberpfalz sind heuer zwei Fälle aktenkundig, in den Vorjahren allerdings gar keiner. Forstamtschef Bösl mahnt seine Mitarbeiter trotzdem zur Vorsicht. Wenn sie in Hütten oder Lagern hantieren, sollten sie Handschuhe und Mundschutz tragen.

Das empfehlen Behörden auch Privatleuten in Baden-Württemberg, der deutschen Hanta-Hochburg. Dort sind laut der "Augsburger Allgemeinen" seit Jahresbeginn bereits 460 Infektionsfälle gemeldet. Die Hitzewelle dürfte für weitere Ausbreitung sorgen.

Eine Parallele zu Zecken und FSME, die entlang der Naab lange Zeit keine Gefahr darstellten, mittlerweile aber schon, möchten weder Holtmeier noch Bösl ziehen. Wo Hanta auftritt, sei kaum vorhersehbar. "Im Schwarzwald gibt es viel Nadelwald und die haben das Virus trotzdem", erklärt Bösl.

Er glaubt, dass die Rötelmaus-Population und damit das Risiko in seinem 16 000 Hektar großen Revier wieder zurückgehen wird. "Das sind Zyklen von drei bis vier Jahren, dann kommt es wieder zu Mäusekrankheiten." Deshalb bekämpfen die Forstleute Rötelmäuse auch nicht explizit. Nur auf zwei Aufforstungsflächen bei Georgenberg haben sie Giftköder ausgelegt.

Katzenbesitzer, deren Lieblinge mal eine Rötelmaus anschleppen, müssen ebenfalls nicht in Panik verfallen. Das Virus ist nach jetzigem Stand nicht von den Stubentigern auf Menschen übertragbar und schadet wohl auch den Schnurrern nicht.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.