Umgestürzte Bäume, fliegende Baustellen-WCs, Unfälle, gesperrte Straßen
Sturmtief „Egon“ wirbelt die Oberpfalz durcheinander

Die Staatsstraße 2123 zwischen Hirschau und Großschönbrunn war zeitweise wegen fast einem Meter hoher Schneeverwehungen gesperrt. (Foto: gf)
Vermischtes
Kreis Neustadt/WN
13.01.2017
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In den frühen Morgenstunden am Freitag, 13. Januar, erreichte das Sturmtief "Egon" die Oberpfalz und führte zu mehreren Verkehrsunfällen und Polizeieinsätzen wegen umgestürzter Bäume.

(abu/dpa/uax/mde) In der Zeit von 5.30 bis 8 Uhr sind 14 Verkehrsunfälle aufgrund des Sturmtiefes „Egon“ im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz zu vermelden. Die meisten Unfälle ereigneten sich hier im Bereich der mittleren und nördlichen Oberpfalz, in den Landkreisen Neustadt an der Waldnaab, Weiden, Amberg-Sulzbach, Schwandorf und Neumarkt. Bei den Verkehrsunfällen erlitten zwei Personen leichtere Verletzungen, ansonsten ist lediglich Sachschaden entstanden.

In eigener SacheLiebe Leser, nach dem Sturm sind einige Straßen in der Region gesperrt. Umgestürzte Bäume, Schneeverwehungen und Straßenglätte führen zu Verkehrsbehinderungen. Die Einsatzkräfte sind im Dauereinsatz. Von den Einschränkungen sind auch unsere Zeitungsausträger betroffen. Wir bitten um Verständnis, falls Sie Ihre Tageszeitung nicht zur gewohnten Zeit im Briefkasten vorfinden.

Schulbus landet im Graben

Gegen 6:45 Uhr wurde auf der Staatsstraße NEW 43, zwischen Kirchenthumbach und Thurndorf, ein mit fünf Kindern besetzter Schulbus von den starken Windböen erfasst und rutschte deshalb in einen Graben. Sowohl der Busfahrer als auch die Kinder, im Alter zwischen 12 und 15 Jahren, die auf dem Weg in die Realschule in Auerbach waren, blieben unverletzt. Sie wurden in ein nahegelegenes Feuerwehrhaus gebracht, von wo sie im Anschluss von den Eltern abgeholt wurden. Zur Bergung des Schulbusses ist die Staatsstraße in dem oben genannten Bereich bis auf weiteres total gesperrt.


Die Schulkinder von Neuzirkendorf (bei Kirchenthumbach) wurden von der Feuerwehr nach Hause gebracht, weil die Busse steckengeblieben waren. Bild: Mascha Hassler via Facebook

Feuerwehren im Dauereinsatz

Auch im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Amberg gab es einige Einsätze zu verzeichnen. Die Feuerwehren beseitigten im Bereich Kümmersbruck auf der Straße von Haselmühl nach Lengenfeld, in Rieden auf der Verbindungsstraße von Rieden in Richtung Hirschwald, in Kastl in Richtung Hainthal, auf der B 299 in Kastl sowie in Schnaittenbach zwischen der Staatsstraße 2238 und der Kreisstraße AS 19 umgestürzte Bäume.

Auf der B 85 bei Ebermannsdorf wehte der Wind mehrere Verkehrszeichen im Baustellenbereich um. Im Bereich Freudenberg ereigneten sich ein Glätteunfall, bei dem ein Auto gegen ein Brückengeländer rutschte, und ein Auffahrunfall aufgrund eines auf der Straße liegenden großen Astes. "Zu Verletzungen ist es bislang nicht gekommen", berichtet Polizeisprecher Stefan Amann. In Amberg zerstörte der Sturm Teile der Gerüstverkleidung an der Martinskirche.

Umgestürzte Bäume und fliegendes Baustellen-WC

Um 7.21 Uhr rückte die Feuerwehr Vilseck zu einem Verkehrsunfall auf die St 2166 in Richtung Freihung aus. Dort galt es auch einen umgestürzten Baum, der die komplette Fahrbahn blockierte, zu beseitigen. Die Feuerwehr Gressenwöhr unterstützte die Kameraden aus Vilseck. Auf der Rückfahrt zum Feuerwehrgerätehaus entfernten die Vilsecker zusätzlich bei Adlholz zwei weitere Bäume von der Fahrbahn.In der Zwischenzeit waren weiter Feuerwehrleute beschäftigt, einen umgestürzten Baum in die Dr. Reichenberger- Straße zu beseitigen. Dort entwurzelte „Egon“ einen massiven Baum, der ein parkendes Auto beschädigte und den Fuß- und Fahrweg blockierte. Mitarbeiter des Vilsecker Bauhofes unterstützen die Feuerwehr mit einem Frontlader. Auf der Anfahrt zu einem weiteren Einsatz sicherten die Vilsecker gleich noch ein umgestürztes Baustellen-WC.

Lkw steht quer - B22 gesperrt


Video: Roland Wellenhöfer

Auf der B22 stand zwischen Erbendorf und Weiden ein Lkw auf dem "Steinbacher Berg" quer über die Fahrbahn. Die Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Erbendorf, Krummennaab und Wildenreuth sperrten die Straße. Gegen 12 Uhr wurde mit den Bergungsarbeiten begonnen, diese dauern circa 2 Stunden.


Bild: Roland Wellenhöfer

Am späten Vormittag musste auch die Straße zwischen Hirschau und Großschönbrunn (Kreis Amberg-Sulzbach) gesperrt werden.

Vorsichtsmaßnahme: Aus der Schutzhütte in den Kindergarten



Am Vormittag forderten in Kemnath der Bürgermeister und die Kindergartenleitung die Einsatzkräfte der Feuerwehr an. Zu der Zeit befanden sich die "Waldbären" in der Schutzhütte des Waldkindergartens bereits in Sicherheit. Die Feuerwehr brachte die Kinder als Vorsichtsmaßnahme dennoch in den beheizten Kindergarten.

Feuerwehr im Landkreis Tirschenreuth im Einsatz

Bereits in den frühen Morgenstunden kam es im Landkreis Tirschenreuth bis gegen 8 Uhr zu mehr als zehn witterungsbedingten Feuerwehreinsätzen. Immer wieder krachten Bäume um und versperrten die Straßen. Damit jeder in die Arbeit kommt und freie Fahrt auf den Straßen hat rückten die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus um die Gefahrenstellen abzusichern und die Bäume mit Motorsägen zu beseitigen.

Gegen 4.50 Uhr fuhr der Fahrer eines Milchtransporters die abschüssige Hauptstraße in Schwarzenbach in Richtung Bärnau. Aufgrund von Eis- und Schneeglätte kam er mit dem Lkw nach rechts von der Fahrbahn ab und beschädigte einen Gartenzaun. An der Gartenzaunmauer brachen mehrere Granitsäulen. Der Laster grub sich mit der Front zum Teil auch in das Erdreich des Gartens. Der Schaden liegt laut Meldung der Polizei bei rund 10.000 Euro.


Noch immer warnt der Deutsche Wetterdienst vor starken Sturmböen, Glätte sowie Schneefall mit Schneeverwehungen. Oberhalb von 800 Metern muss sogar mit Orkanböen von mehr als 120 Km/h gerechnet werden. - So der Sachstand gegen 8.15 Uhr.



Laut Polizeiangaben sind neben den Verkehrsunfällen bislang über 30 umgestürzte Bäume zu verzeichnen, welche die Einsatzkräfte zu bewältigen haben. Auch hier ist vor allem die mittlere und nördliche Oberpfalz betroffen.

Verkehrsbehinderungen in Franken - Nürnberger Tierpark geschlossen

Vor allem in Nordbayern kam es wegen heftiger Windböen zu zahlreichen Einsätzen von Feuerwehr und Polizei. In Mittelfranken und Unterfranken waren am Freitag zahlreiche Ortschaften in mehreren Landkreisen von Stromausfällen betroffen. Der Nürnberger Tierpark blieb aus Sicherheitsgründen geschlossen. Im unterfränkischen Goldbach wurde das Vordach eines Supermarkts teilweise abgedeckt. Im Allgäu, in Niederbayern und Oberbayern machten rutschige und teils spiegelglatte Straßen den Autofahrern zu schaffen.

Eine Orkanböe mit Tempo 143 gab es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bereits am Donnerstagabend auf der Zugspitze. Im unterfränkischen Neuhütten wurde am frühen Freitag eine orkanartige Böe mit Tempo 116 registriert. Im Laufe des Vormittags sollte der Höhepunkt des Sturmtiefs aber überschritten sein, hieß es.

Vor allem in Franken sorgte «Egon» für Verkehrsbehinderungen. Die Polizei verzeichnete zahlreiche Einsätze wegen umgestürzter Bäume oder umgewehter Baustellenabsperrungen. Auf der Autobahn 7 bei Marktbreit (Landkreis Kitzingen) kippte ein Lastwagen-Anhänger wegen des Sturmes um. Auch Bahnstrecken waren betroffen.

Schulbusse kommen nicht zu SchulenWegen des Sturmtiefs konnten einige Schulbusse in Unterfranken die Kinder nicht wie vorgesehen zum Unterricht bringen. Ein Sprecher der Regierung von Unterfranken betonte jedoch, dass es keinen flächendeckenden Unterrichtsausfall gegeben habe. An fünf Orten in den Landkreisen Bad Kissingen, Main-Spessart und Aschaffenburg hätten Busse aber Schulen nicht erreichen können. Zumeist brachten sie die Schüler daraufhin zu nahegelegenen, erreichbaren Schulen. «Die Betreuung der Schüler in einer Schule war immer sichergestellt», sagte der Sprecher.
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