06.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

1918 veränderte das Leben der Resl Einschneidende Erlebnisse

Therese Neumann erblickt am 8. April 1898 das Licht der Welt. Mit 20 Jahren verändert sich ihr Leben schlagartig. Was dann passiert, ist auch 120 Jahre nach ihrem Geburtstag in Konnersreuth noch allgegenwärtig.

Die Einweihung des Anbetungsklosters Theresianum, das auf Therese Neumann zurückgeht, erfolgt ein Jahr nach ihrem Tod im September 1963 unter riesiger Beteiligung der Bevölkerung. Repro: jr
von Josef RosnerProfil

Konnersreuth. Die jugendliche Therese Neumann war bekannt durch ihre große Vitalität und ihre überdurchschnittliche Körperkraft. Am 10. März 1918 kam es aber zu einem bedeutenden Zwischenfall. Pater Benedikt Leitmayr hat dazu in den Quellen von Fritz Michael Gerlich recherchiert. Nachdem ein Brand beim Schmied entdeckt worden war, lief Resl in ihr Elternhaus. Dort fand sie ihren Vater, der erst am Tag zuvor aus dem Heeresdienst zum Urlaub gekommen war, noch schlafend im Bett. Sie weckte ihn auf.

Dann eilte sie zur Brandstelle und half mit, das Vieh in Sicherheit zu bringen und den Brand zu löschen. Als sie so schon über zwei Stunden hindurch ohne Unterbrechung auf dem Stuhl stehend gearbeitet hatte, und gerade einen vollen Eimer wieder einmal recht weit hinaufzuheben versuchte, spürte sie im Kreuz plötzlich einen "Knicks, wie wenn mich was gezwickt hätt'".

Neumann ließ den Eimer fallen. Einen Sturz konnte sie aber verhindern, weil sie sich an der gleich neben dem Stuhl befindlichen Kegelbahnwand festhalten konnte. Nach dem Unfall, der gegen zwölf Uhr Mittag geschah, bemerkte die Konnersreutherin, dass sie ihre Füße nicht mehr so recht spürte. Sie waren wie eingeschlafen, wie "pelzig".

Als sie ihre Kammer im Dachgeschoss des Gasthofes aufsuchen wollte, um die durchnässten Kleider zu wechseln, konnte sie die Stiegen nicht mehr hinaufsteigen. Im selben Jahr folgten noch weitere, teilweise schwere Unfälle. Anfang April 1918 fiel sie mit einem Sack Kartoffeln beladen rücklings eine steinerne Kellertreppe hinab. Da sich ihre Schwäche zu Hause nicht bessern ließ, kam sie ins Krankenhaus. Nach über sieben Wochen wurde sie als nicht geheilt entlassen. Danach ging Resl so gut sie konnte weiterhin ihrer Arbeit nach und schonte sich nicht. Bei einem weiteren Unfall am 1. August 1918 stürzte sie im elterlichen Stadel fast zwei Meter rücklings von der Leiter und blieb bewusstlos liegen. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich erheblich. Seit Sommer 1918 kam es zu wiederholtem Flimmern vor den Augen. Im März 1919 trat die vollständige Erblindung ein.

Ein erneuter Sturz am Kirchweihsamstag, den 19. Oktober 1918, führte dann zur Lähmung. Am nächsten Tag fühlte sie sich immer elender, so dass sie schon ans Sterben dachte. Da sie aber ihre gewohnte Pflicht des sonntäglichen Kirchenbesuchs nicht versäumen und gerade wegen ihres elenden Zustandes beichten und kommunizieren wollte, entschloss sie sich, in die Kirche zugehen, um die Sakramente zu empfangen. Das Hochamt hielt sie nicht mehr aus. Sie musste nach Hause gebracht werden.

Am Kirchweihmontag konnte sich Neumann beim Aufstehen nicht auf den Füßen halten. Die Sehschwäche nahm fortlaufend zu. Kurz nach Mitternacht wurde ihr so elend, dass sie um zwei Uhr ihre Mutter bat, den Pfarrer zu holen, der sie mit den Sterbesakramenten versah.

Da auch viele andere Familienmitglieder krank waren und der Vater beim Heer in Lüttich stand, entschloss sich der Bürgermeister, die Beurlaubung des Vaters zu beantragen, der dann auch bald in Konnersreuth eintraf, in der Überzeugung, seine Tochter Therese liege im Sterben. Als er an ihr Bett trat, erkannte sie ihn nicht mehr.

Das Leben der Therese Neumann

Der 13. Februar 2005 ist in die Geschichte von Konnersreuth eingegangen. Damals eröffnete der heutige Kardinal Gerhard Ludwig Müller dort offiziell den Seligsprechungsprozess für Therese Neumann. Am Sonntag, 8. April, könnte die Resl ihren 120. Geburtstag feiern. Die Pfarrgemeinde Laurentius tut dies mit zwei Gottesdiensten um 9 Uhr und um 10.30 Uhr, wobei Pater Benedikt Leitmayr jeweils die Predigt hält. Der 9-Uhr-Gottesdienst wird vom Kirchenchor, Leitung Matthias Schraml umrahmt.

Mit Eröffnung des Seligsprechungsprozesses hat sich der Besucherstrom in die Marktgemeinde vervielfacht. Jährlich pilgern Tausende Gläubige und Neugierige nach Konnersreuth. Wer war nun eigentlich diese Therese Neumann, im Volksmund nur die Resl genannt?

Therese Neumann wurde am 8. April 1898, an einem Karfreitag, in Konnersreuth geboren. Sie war das älteste von elf Kindern ihrer gottesfürchtigen Eltern. Von 1904 bis 1911 besuchte sie die Volksschule ihres Heimatortes, die sie mit gutem Erfolg verließ. Als gesundes Mädchen trat sie danach in den Dienst eines benachbarten Landwirts, in dessen Betrieb sie bei schwerer körperlicher Arbeit mithalf. In diesen Jahren äußerte sie den Wunsch, als Missionsschwester nach Afrika zu gehen, sobald sie zu Hause nicht mehr benötigt werde.

Ihr Leben verlief jedoch ganz anders als geplant. Infolge eines Unfalls beim Löschen eines Brandes am 10. März 1918 war sie ab dem Kirchweihfest 1918 gelähmt. Ab Mitte März 1919 kam eine völlige Erblindung dazu. Neumann ertrug dieses schwere Schicksal mit großer Ergebung. Am Tag der Seligsprechung der Therese von Lisieux (29. April 1923) wurde sie plötzlich von ihrer Blindheit geheilt. Am 17. Mai 1925 wurde Therese von Lisieux heilig gesprochen, ab diesen Tag an war die Resl plötzlich von ihrer Lähmung befreit.

Sofort unternahm sie erste Gehversuche. Am 30. September des gleichen Jahres, dem Todestag der heiligen Therese, konnte die Resl wieder ohne Begleitung gehen. Erstmals stellten sich in der Fastenzeit 1926 die Phänomene bei Neumann ein, die für großes Aufsehen sorgten. Von da an zeigten sich an ihrem Körper die Leidensmale Christi (Stigmatisation). Sie durchlebte ab dieser Zeit bis zu ihrem Tod die Passion, ein Ereignis, das Tausende von Menschen nach Konnersreuth führte. Die Resl wurde in kurzer Zeit weltbekannt.

Ab August 1926 hatte sie kein Hungergefühl mehr, so dass sie sich ab Weihnachten 1926 weigerte, Nahrung zu sich zu nehmen. Anfangs genoss sie nach dem Empfang der heiligen Kommunion noch einige Tropfen Wasser, doch von September 1927 an bis zu ihrem Tode verzichtete sie auch darauf. Ihre einzige Nahrung in den 35 Jahren blieb die Hostie, die sie täglich empfing.

Neumann starb am 18. September 1962 im Ruf der Heiligkeit. Vier Tage später wurde sie in ihrer Heimatgemeinde am Friedhof in einer Gruft beigesetzt. Über 7000 Trauergäste, unter ihnen auch der damalige Bayerische Landwirtschaftsminister Alois Hundhammer, wurden gezählt.

Therese Neumann hat auch nach ihrem Tode hinaus in Konnersreuth gewirkt. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass die Spätberufenenschule Fockenfeld errichtet wurde. Das Anbetungskloster in Konnersreuth, das ein Jahr nach ihrem Tod vom damaligen Diözesanbischof Rudolf Graber eingeweiht wurde, geht ebenfalls auf sie zurück,

Bis Ende 2004 gingen mehr als 40 000 Bittgesuche bei der Diözese für den Start eines Seligsprechungsprozesses ein. Dieser wurde am 13. Februar 2005 eröffnet. Wie lange der Prozess noch laufen wird, ist nicht absehbar.

"Die Forschungen befindet sich noch auf diözesaner Ebene. Wir bitten um Geduld und Verständnis. Ein Tugendprozess ist gewöhnlich mit einem Märtyrerprozess (beispielsweise Causa Gerlich) nicht zu vergleichen", antwortete Domvikar Georg Schwager, Leiter der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse des Bistums Regensburg, auf NT-Nachfrage. (jr)

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