Hans Walter und seine vielfältigen Interessen
Historiker mit Blick nach vorn

Hans Walter in seinen heiligen Hallen. Demnächst wird sein Fotostudio an der Kastler Hauptstraße fertig. Walter hat praktisch alles selbst gebaut. Die einstigen landwirtschaftlichen Hallen bieten dann alle fotografischen Möglichkeiten. Bild: wüw

Heimatforscher und Fraktionssprecher im Gemeinderat, Filmemacher und Jungunternehmer, Vollzeit-Arbeitnehmer - und nun auch noch Vorsitzender des Siemensvereins. Hans Walter aus Kastl ist 33 Jahre, die Marke "HWK" steht für sich.

Kastl. Der Name Hans Walter fällt oft in einem Atemzug mit dem von Robert Neuber. Gemeinsam schufen die beiden "Frucht und Erbe". Der Film über die Geschichte des Klosters Speinshart war für den Medientechnik-Studenten Neuber Bachelorarbeit, für Walter war er ein Ventil, seine Heimatforschung zu verarbeiten. Das Ergebnis erinnert bei kleinem Budget an großes Kino. Schon zuvor hatten Neuber und Walter Szenen der Kastls Pfarrchronik verfilmt. Walter hatte das Buch übersetzen lassen.

Sein Engagement habe mit seiner Geschichte zu tun, sagt Walter. "Mein Vater starb, als ich zwölf war. Danach musste ich mich selbst kümmern, wenn ich etwas wollte." So stand er früh auf eigenen Beinen - für die Schule blieb weniger Zeit. Dass es "nur" der Hauptschulabschluss wurde, habe er aber nie bereut. Das Praktische sei ihm wichtig, ein theorielastiges Geschichts- oder Ingenieursstudium wäre für den Feinmechaniker nichts gewesen. "Wichtig ist, dass man etwas macht, sich etwas traut."

Zum Beispiel einen interaktiven Gästeführer fürs Kloster Plankstetten. Der Speinsharter-Film hat auch im Landkreis Neumarkt Eindruck gemacht. Als der OTH-Professor Dieter Meiller das Duo für diesen Gästeführer ins Spiel brachte, sagte es zu. Ab kommendem Jahr können Gäste das Kloster selbst erkunden. Eine App auf einem Tablet-Computer oder einem Smartphone erklärt in kleinen Szenen die Sehenswürdigkeiten.

Obwohl diese Arbeit längst nicht erledigt ist, plant Walter schon wieder. Ein spektakulärer Mordfall im Kaibitz der 1920er Jahre böte Stoff. Oder soll es eine Aufarbeitung des 30-jährigen Kriegs in der Oberpfalz rund um die Pressather Heldin Agnes Raith sein? Seine Begeisterung für vergangene Zeiten habe seine Großmutter geweckt. Als sie in ihren letzten Jahren das Haus nicht mehr verlassen konnte, hat ihr der Enkel oft Gesellschaft geleistet. "Ich bin stundenlang bei ihr gesessen und habe ihre Geschichten von früher gehört."

So groß die Begeisterung für die Vergangenheit. Walter orientiert sich sehr wohl an der Zukunft. Er möchte das Selbstbild der Oberpfälzer verbessern. "Ich will zeigen, welch reiche Vergangenheit unsere nördliche Oberpfalz zu bieten hat." Hans Walter findet, dass der Region auch heute nichts fehlt, außer Selbstvertrauen. Die Lebensqualität sei so viel größer als in überteuerten Städten. Er wolle beitragen, dies den Menschen bewusst zu machen. "Wenn Christian Malzer und seine Mitstreiter versuchen, das Stiftland zum Welterbe zu machen, lachen viele Leute", sagt Walter und schüttelt den Kopf. Denn wer sich mit der Sache beschäftigt und andere Welterbe-Standorte kennt, könne nur sagen: Natürlich kann das Stiftland Welterbe werden.

Werbung für die Region möchte Walter auch als Vorsitzender des Siemens-Mitarbeiter- und Pensionärs- Vereins machen. Der Verein soll bekannter, die Mitgliederzahl größer werden. Er wolle sich noch mit seinen Vorstandskollegen abstimmen, sagt Walter. Aber er könne sich vorstellen, unter anderem auf Kollegen zuzugehen, die nicht aus der Region stammen. "Bei Siemens arbeiten viele Menschen aus ganz Deutschland und der Welt." In ihrer Freizeit fehle oft der Anschluss. "Sie fahren dann nach München, Regensburg oder Prag", sagt Walter. Die Schönheit des Kemnather Lands bleibe ihnen verborgen. "Vielleicht gelingt es uns, einigen die Region näherzubringen." Vielleicht bleibe der eine oder andere der Region erhalten.

Foto-WorkshopAls einer der ersten besaß Hans Walter Ende der 1990er Jahre eine Digitalkamera. Diese Liebe zur Fotografie ist bis heute nicht erloschen. In wenigen Wochen eröffnet er ein neues Fotostudio. Dort bietet er dann auch Workshops zur Fotografie, Bild- und Textbearbeitung an. Am 7. und 8. Januar kommt dazu Matthias Schwaighofer aus Innsbruck, einer der besten Bildbearbeiter im deutschsprachigen Raum, der unter anderem schon für die Troglauer Buam arbeitete. Mehr Informationen und Anmeldemöglichkeit gibt es unter kontakt@schnappschuss-foto.com.
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