01.11.2017 - 16:34 Uhr
Oberpfalz

Kreiseinsatzzentrale Tirschenreuth in kürzester Zeit dienstbereit Sturmtief "Herwart" sorgt für Feuertaufe

Tirschenreuth. Orkan "Herwart" zieht am Sonntag quer durch den Landkreis Tirschenreuth und hält die Feuerwehren stundenlang auf Trab. Und er sorgt für eine Premiere, von der viele gar nichts mitbekommen. 15 umgestürzte Bäume auf der Fahrbahn, ein Baum auf einem Auto, ein Baum auf einem Bahngleis, eine umgewehte Baustellenabsperrung und ein paar zerbrochene Dachziegel: So liest sich die nüchterne Polizeibilanz zur Sturmfront, die am Wochenende durch den Landkreis Tirschenreuth zog. Der Spuk begann gegen 8.30 Uhr bei Leonberg mit einem umgestürzten Baum auf der Straße. Von da an ging es rund. Etwa ein Dutzend Mal mussten Feuerwehren ausrücken, um den Weg wieder frei zu machen.

Die Kreiseinsatzzentrale im Dachgeschoss des Wiesauer Gerätehauses hat am Sonntag ihre Feuertaufe erlebt. Als die Einsätze durch Sturmtief "Herwart" immer mehr wurden, rief die Integrierte Leitstelle die Tirschenreuther Kollegen zu Hilfe. Bild: Feuerwehr
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Als die Einsätze auch in anderen Gebieten in der Nordoberpfalz immer mehr wurden, entschied sich die Integrierte Leitstelle (ILS) in Weiden gegen 9 Uhr, erstmals in ihrer Geschichte von der Möglichkeit, die Tirschenreuther Kreiseinsatzzentrale (KEZ) als Unterstützung herbeizurufen, Gebrauch zu machen.

Um 9.35 Uhr erfolgte die Alarmierung. Wenige Minuten später war die Nebenzentrale im Dachgeschoss des Wiesauer Gerätehauses besetzt und nahm die Arbeit auf. Da dies der erste Ernstfall für den Tirschenreuther Notfalltrupp war, eilte auch Kreisbrandrat Andreas Wührl ins Wiesauer Gerätehaus, um zusammen mit Kreisbrandinspektor Stefan Gleißner die Feuertaufe dort live mitzuerleben. Nach zwei Stunden war die Arbeit bereits wieder erledigt. Der Grund war, dass die meisten Feuerwehreinsätze bereits liefen, als die Alarmierung eintraf. So konnten die Wiesauer Kollegen den Weidenern "nur bedingt" unter die Arme greifen. Zwei Einsätze wurden aber doch noch von Wiesau aus gemanagt. Trotzdem zeigte sich der Tirschenreuther Kreisbrandrat mit der Premiere recht zufrieden. Die Zentrale habe sehr schnell die Arbeit aufgenommen und die Zusammenarbeit habe reibungslos geklappt, bilanziert Wührl. Die Wiesauer Zentrale war mit insgesamt zehn Mitarbeitern besetzt. Damit hätten weit mehr Einsätze abgearbeitet werden können, als tatsächlich übergeben wurden, so war aus Feuerwehrkreisen zu hören. Der Wiesauer Notfalltrupp stellte danach fest, dass eine frühere Alarmierung der Nebenstelle zu einer deutlichen Verbesserung der Gesamtlage geführt hätte. "Eine Entlastung der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz war aufgrund der späten Alarmierung leider nicht mehr möglich", bedauerten die Aktiven.

Kreiseinsatzzentrale

Die Kreiseinsatzzentrale (KES) soll die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz (ILS) im Bereich des Landkreises Tirschenreuth in Notfällen unterstützen und entlasten. Dies kann vor allem bei größeren Einsätzen, wie Großbränden, Unwettern oder Hochwasser nötig sein. Die ILS (zuständig für die Landkreise Tirschenreuth und Neustadt/WN sowie die Stadt Weiden) nimmt die Notrufe entgegen und alarmiert die benötigten Einsatzkräfte. Danach sendet sie die "zeitunkritischen" Einsätze der Kreiseinsatzzentrale zur weiteren Abarbeitung. Dies geschieht über eine gesicherte Onlineverbindung oder per Fax. Die Abwicklung der Einsätze erledigt dann die KEZ mit dem jeweils zuständigen Kreisbrandinspektor oder Einsatzleiter. Dafür wurde eine spezielle Einsatzleitsoftware angeschafft. Die Integrierte Leitstelle hat dadurch mehr Zeit für weiteren Notrufe und zeitkritische Einsätze. Mit einem einstimmigen Beschluss des Kreisausschusses wurden im Juni 2012 die Weichen für die Errichtung der Kreiszentrale im Feuerwehrgerätehaus Wiesau gestellt. Der Markt Wiesau hat dort Räumlichkeiten im Dachgeschoss zur Verfügung gestellt. Der Umbau und die Ausstattung kosteten rund 130 000 Euro. Nach etwa eineinhalb Jahren Um- und Ausbau wurde die Zentrale im Herbst 2013 bezogen. Die drei Arbeitsplätze sind ausgestattet mit Funk, ISDN-Systemtelefon und PCs mit zwei oder drei Monitoren. Für die Einsatzleiter stehen auf zwei Plätzen Notebooks und schnurlose Telefone zur Verfügung.

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