Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Fisch auf spannender Exkursion
Pelikan plagt rumänische Fischerkollegen

Viele schmucke Kirchen sahen die Teilnehmer der Informationsreise in Rumänien, aber auch viele sozialistische Überreste. Bei den Fischerkollegen gab es hautnahe Eindrücke über deren Bewirtschaftungsweise. Bild: exb

Ein facettenreiches Land im Aufbruch ist das Ziel von 46 Fischern aus ganz Deutschland. Bei der Reise nach Rumänien mit dabei sind Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Fisch aus dem Landkreis Tirschenreuth.

Tirschenreuth. Die Reiseteilnehmer lernen rumänische Fischwirtschaftsgebiete, das Donau-Delta und viele gastfreundliche Menschen kennen. Mit dem Flugzeug ging es ab Nürnberg in die rumänische Hauptstadt Bukarest. In der pulsierenden Metropole mit vielen historischen Gebäuden und schönen orthodoxen Kirchen war auch das zum Teil verrottende Erbe der sozialistischen Zeit noch häufig zu sehen. Nach einer kurzen Nacht startete die Gruppe in Richtung Ciocanesti zu einer traditionellen Teichwirtschaft am Ufer der Donau. Neben Karpfen, Gras- und Silberkarpfen sind vor allem Karauschen ein wichtiger Wirtschaftsfisch der rumänischen Teichwirte, die mit ähnlichen Problemen wie die deutschen Kollegen zu kämpfen haben: Über die Hälfte ihrer Produktion wird von Räubern wie dem Kormoran oder dem Pelikan gefressen. Einen finanziellen Ausgleich dafür gibt es nicht.

Kritische Fragen

Auf dem Weg zum Donaudelta ging es zu einer Störzucht mit modernsten Einrichtungen für Produktion und Verarbeitung. Allerdings waren nur in einem der 20 Becken tatsächlich Störe vorhanden. Die Geschichte, dass die übrigen Fische in einem großen, tiefen See den Sommer verbringen, ließ viele Besucher eher schmunzeln. Diskussionen über EU-Fördergelder und Kontrollintensität waren danach unvermeidlich. Nach einer Fahrt durch die rumänische Walachei, wo die Deutschen hoch technisierte Landwirtschaft sahen, ging es zur Schwarzmeerküste. In Tulcea, der letzten großen Stadt, bevor es nur noch auf dem Wasser weiterging, erwarteten die rumänischen Fischerkollegen ihre Gäste mit motorisierten, schnellen Booten. Das Donau-Delta, das als Biosphärenreservat und Welt-Naturerbe geschützt ist, war überwältigend. Meterhohes Schilf, blühende Seerosenteppiche und viele seltene Tier- und Pflanzenarten vermittelten einen ersten Eindruck von dieser außergewöhnlichen Landschaft. In einem kleinen Dorf lernte die Gruppe Donaufischer kennen, die sich mit sanftem Tourismus ein Zubrot verdienen. Der unmittelbare Kontakt zu den rumänischen Kollegen, die den Gästen teilweise ihre Schlafräume überließen, eröffnete Einblicke, die normalen Touristen nicht möglich sind.

Nach dem Besuch einer sehr extensiven Teichwirtschaft - es wird nicht gefüttert und nur mit Stellnetzen und Reusen gearbeitet - und einem Fisch-Imbiss im mit EFF-Mitteln gebauten Restaurant gab es zahlreiche Informationen über die traditionelle Fischzucht. Auch die Präsidentin der rumänischen Fischervereinigung, Mariana Munteanu, war vor Ort. Die Besucher erfuhren auf ihrer Reise, dass die aktiven Kleinbetriebe kaum an EU-Fördergelder herankommen und große Betriebe mit den richtigen Beziehungen diese Mittel abschöpfen.

An der Gräte

Zeitig am nächsten Morgen besuchten die Gäste die Fisch-Sammelstelle der Donaufischer, deren Tag bereits früh um 3 Uhr beginnt. Nachmittags holt ein Kühlschiff die Fänge ab. Interessant fanden die Teilnehmer, dass in Rumänien kaum eine Weiterverarbeitung stattfindet. Filetieren und Räuchern sind nicht geläufig. Die Fische werden vorwiegend an der Gräte zubereitet. Aufmerksam hörten die Deutschen auch bei den rumänischen Fischpreisen zu - Giebel, Barsch und Hechte kosten 1,50 Euro pro Kilo, große Karpfen sogar 3 Euro. Am vorletzten Tag ging es wieder ins 5000 Quadratkilometer große Donau-Delta. Mit wendigen Motorbooten kamen die Gäste der ungezähmten Natur sehr nahe, sahen sämtliche Reiherarten, viele andere Vögel und vor allem Hunderte von Pelikanen. Doch dieses Naturschauspiel hat zwei Seiten, denn die Zahl der Pelikane hat sich im Delta in zehn Jahren auf nun 20 000 Vögel verdoppelt. Die Pelikane fressen 20 Tonnen Fisch pro Tag, was auch im riesigen Gewässersystem des Deltas zum Problem für die Fischer wird.

Das besonders ursprüngliche Dorf Letea mit seinen Sanddünen und dem beeindruckenden Eichenurwald war ein weiteres Highlight des Ausflugs. Danach ging es zur alten, früher sehr bedeutenden Hafenstadt Sulina und hinaus bis zum Schwarzen Meer. In Sulina begrüßte der Bürgermeister, der zugleich Präsident der FLAG im EU-Fischwirtschaftsgebiet Donaudelta ist, die Deutschen. Trotz der Fördermöglichkeiten lag die alte Hafenstadt im Dornröschenschlaf und ließ kaum positive Entwicklungen erkennen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.