Bald auch Trump in der Krippe

Blick in die Bekehrungskrippe mit Osama bin Laden (Zweiter von links) und Lady Gaga (liegend). Bild: jr
Kultur
Kreis Wunsiedel
24.12.2016
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Die Friedens-Szopka (Bild) ist eine Auftragsarbeit der Krakauer Künstlerin Anna Malik für Ulrich Frey. Bild: jr

Ein Sohn Gaddafis mit einer Krone aus Raketen steht schon in der Krippe. Neben ihm Osama bin Laden mit den Türmen des World-Trade-Centers, Husni Mubarak und Silvio Berlusconi. Dazu Lady Gaga, die das Jesuskind wärmt. Ab 28. Dezember ergänzt Donald Trump die ungewöhnliche Krippe.

Marktredwitz. Zu bestaunen ist die Bekehrungskrippe im Eingangsbereich des Klinikums Fichtelgebirge in Marktredwitz. Sie ist eine von 111 besonderen Krippen, die Gemeindereferent Ulrich Frey aus Arzberg in einer Ausstellung präsentiert. Aufgebaut sind sie noch bis Mitte Januar. Die Bekehrungskrippe ist eine Auftragsarbeit, die Ulrich Frey von Ursula Wagner (Aislingen) anfertigen ließ. Idee und Zielgedanke der Krippe: Was wir Menschen nicht für möglich halten, das ist für Gott kein Problem; warum sollte er nicht auch die Herzen der in dieser Krippe dargestellten Personen unserer Zeitgeschichte anrühren, bekehren und zu Werken der Nächstenliebe anrühren?

Ulrich Frey erläutert: "Als der Engel Gabriel Maria die Botschaft bringt, dass sie die Mutter des Erlösers und Retters der Welt, Jesus, werden soll, fragt sie: ,Wie soll das geschehen?' Er antwortet: ,Für Gott ist nichts unmöglich.' Mit dieser Vision führt die Künstlerin in der Bekehrungskrippe die unterschiedlichsten Menschen unserer Zeitgeschichte an die Krippe. Weil Gott ihre Herzen anrührte, kommen sie zur Krippe und ändern ihr Leben."

Frey weiter: "Mag diese Krippendarstellung für den einen oder anderen gewagt sein - sie bringt die Radikalität des weihnachtlichen Geschehens anschaulich auf den Punkt: Für Gott ist nichts unmöglich. Wer kann Gott verbieten, die Herzen der Menschen zu bewegen, dass sie seine Botschaft vom weihnachtlichen Frieden annehmen?"

Aktueller Bezug

Ausgestellt ist im Foyer des Klinikums auch eine Mauerkrippe aus Bethlehem. Sie bringe die aktuelle Situation auf den Punkt. Frey: "Heute hätten Maria und Josef keine Chance, nach Bethlehem zu kommen. Die riesige Mauer ist schier unüberwindbar." Gefertigt haben die Krippe christliche Schnitzer in Bethlehem. "Die Mauer entzieht ihnen so gut wie jede Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, weil sie ihre Felder auf der gegenüberliegenden Seite der Mauer nicht bestellen und so auch nichts ernten können. Vielen von ihnen bleibt oft als einzige Möglichkeit nur die Schnitzarbeit." Doch leider blieben auch Touristen aus. "Und so ist der Verkauf der Schnitzereien äußerst schwierig. Die Aktion ,Christen helfen Christen' wird hier unterstützend aktiv." In einer eigenen Vitrine stellt Gemeindereferent Ulrich Frey im Klinikum deshalb Olivenholzkrippen und Schnitzereien aus Bethlehem aus und lädt zum Kauf ein. Interessierte können sich an der Klinik-Information melden.

Sehnsucht nach Frieden

Nachdenklich stimmen die Friedenskrippen. Dazu Ulrich Frey: Seit Menschengedenken bewegt die Sehnsucht nach einem dauerhaften Frieden die Herzen der Menschen. Mit der Menschwerdung Jesu im Stall von Bethlehem untrennbar verbunden ist die Botschaft des Engels an die Hirten auf den Feldern: "Friede den Menschen auf Erden". Doch bis heute habe sich diese Hoffnung auf ein Leben in Frieden nicht erfüllt, "obwohl wir in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die wohl längste Nicht-Kriegs-Phase erleben dürfen".

In der Krippenkunst war und ist das Interesse groß, das biblische Geschehen der Geburt des Erlösers wiederzugeben. Die Künstler "übersetz(t)en" ihre, durch die Geburt des Erlösers genährte Friedenssehnsucht immer wieder ins Bild, indem sie das weihnachtliche Geschehen in die aktuelle Lebenswirklichkeit verlagerten. Die zahlreichen Stickla in den Rawetzer Krippen seien dafür ein aussagekräftiger Beleg, erläutert Gemeindereferent Frey.

Hilflos und betroffen

Einen anderen Weg, die Betrachter mit der Weihnachtsbotschaft zu konfrontieren, versuchen die Friedenskrippen. "Hilflos und betroffen müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Menschen in vielen Ländern unserer Erde, und auch ausgerechnet in dem Land, in dem vor 2000 Jahren die Engel den Frieden auf Erden verkündeten, in einem heillosen Unfrieden leben. Und es ist nicht abzusehen, ob und wann eine Versöhnung zwischen den dort lebenden Volksgruppen möglich sein wird."

Berta Kals gehörte in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu den Pionieren der Friedenskrippen-Künstler, berichtet Frey. "Ihre geschickten Hände formten zahlreiche Tonkrippen, die das Geschehen der Geburt Jesu in die Unheilssituationen unserer Tage übertragen: in der Raketenkrippe, der Arbeitslosenkrippe oder der Obdachlosenkrippe, um nur einige zu nennen. Überall kommt Gottes Sohn zur und in unsere Welt."

Auf dem Weg

Ein Blickfang in der Krippenausstellung ist die Friedens-Szopka - eine Auftragsarbeit der mehrfach ausgezeichneten Krakauer Künstlerin Anna Malik für Ulrich Frey. Mit ihrer Tochter Rozalia stellte sie ihren Ideenreichtum unter Beweis. Das Weihnachtsgeschehen, umrahmt von zahlreichen Engeln, findet der Betrachter in der "Beletage" der für die Krakauer Krippenkunst so typischen burgähnlichen Szopka, während im Parterre Frederic Chopin am Flügel für Präsident Lech Kaczynski und seine Frau, die beide bei der Flugzeugtragödie in Smolensk gestorben sind, spielt. Auf dem Weg zur Krippe sind auch Bronislaw Komorowski (Präsident), Stanislaw Kracik und Jacek Majchrowski (Präsidenten der Stadt Krakau), Jaroslaw Kaczynski und Zbigniew Ziobro (Politiker der konservativen Partei) als Hirten sowie Barack Obama und Wladimir Putin, zwei der Drei Könige. Mitten unter ihnen entdeckt der Betrachter Bundeskanzlerin Angela Merkel.
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