26.01.2018 - 16:48 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Ein Hund und seine traurige Geschichte Nachricht von Sam

Sams Geschichte ist nicht außergewöhnlich - er war "nur" ein Hund, der überraschend starb. Zu Herzen geht sie trotzdem, wenn man erfährt, was er seiner Familie bedeutet hat.

Nach schwerem Start wurde es richtig schön: Sam mit Lukas Stadler. Bild: exb
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Thumsenreuth. Ein Hund fühlt sich nach einem Spaziergang "sichtlich unwohl", heißt es im Polizeibericht. Es folgt die übliche Kommentarflut auf Facebook voller Verwünschungen für Hundehasser und Giftköder oder auch Schuldzuweisungen an die Besitzer. Auch unsere Zeitung greift das Thema auf, um die "Facebook-Diskussion" mit belegbaren Fakten zu unterfüttern. Was im medialen Trubel untergeht: Der Hund ist ein Lebewesen, an dem die Herzen "seiner" Menschen hängen - und um das diese Menschen trauern, denn "ihr" Sam ist noch am Tag der Vergiftung verstorben.

Woran sein Hund letztlich starb? Rudi Stadler weiß es nicht. An der Trauer der Familie würde die Information ohnehin nichts ändern. "Ich hätte selbst nicht geglaubt, wie nahe uns das geht. Es ist, als wäre ein guter Freund gegangen", berichtet Stadler, der nicht den Eindruck eines irrationalen Tiernarren macht. Die Beziehung zu Sam war eng, obwohl - oder gerade weil - der Start schwierig war. Die Stadlers hatten keine Hundeerfahrung, als sie das Tier am 9. August 2012 aufnahmen.

Zuvor war der Streuner einem Verwandten an der "Bergstrecke" bei Friedenfels aufgefallen. Polizei und Verwandtschaft suchten eine Bleibe für ihn und brachten Familie Stadler ins Spiel. "Was sollen wir mit einem Hund", habe seine Frau gesagt. Doch nach dem ersten Kontakt durfte das etwa einjährige Tier doch zu den Stadlers ziehen.

Liebe auf den ersten Blick war es aber nicht - im Gegenteil. "Wieso haben wir uns nur diesen Hund aufschwatzen lassen", dachte Stadler nicht nur einmal. Sam war ein schwieriger Hund, vermutlich sei er gequält auf jeden Fall nicht erzogen worden. Er war lange nicht stubenrein, beim Spazierengehen ging er unvermittelt auf Passanten los.

Einmal habe er das Kind eines Bekannten gebissen. Auch auf die eigenen Kinder Lukas und Lisa reagierte Sam aggressiv. Die Familie gab aber nie auf. "Es war ein Kampf." Letztlich raufte sich die Familie zusammen. Zum Ende war Sam gut erzogen, versichert Rudi Stadler. Er erinnere sich an eine Familienfeier im November, bei der sich der Hund selbstverständlich unter den Feiernden bewegte. Der Hund war ruhig, niemand hatte Sorge. "Ich war wirklich stolz auf uns", sagt Stadler

Das Glück endete abrupt an einem Dienstagvormittag. Ehefrau Monika Stadler war mit Sam auf der üblichen Runde um den Thumsenreuther Badeweiher. Der Hund war aufgeweckt wie immer. Die Polizei verwies später auf einen Infekt beim Tier. "Der lag aber vier Wochen zurück, war längst ausgeheilt", sagt Stadler. Deshalb gibt es keine eindeutige Erklärung, weshalb der Hund von einer Sekunde auf die andere nicht mehr konnte. "Ich musste ihn ins Auto heben, damit wir zum Tierarzt konnten."

Auf ein Brechmittel des Veterinärs habe Sam ein Stück Apfel hervor gewürgt. Damit schien das Problem gefunden, das Tier blieb zur Sicherheit beim Tierarzt, erholte sich gut - bis am Abend die Symptome zurückkehrten, ebenso schnell wie am Morgen. Diesmal erholte Sam sich nicht, er starb in der Praxis.

Über den Auslöser der Vergiftung kann Rudi Stadler nichts Konkretes sagen, nicht einmal, ob Sam die tödliche Dosis tatsächlich am Badeweiher fraß. Auffällig sei, dass es dort seit kurzem Biber gibt, was nicht alle freut. Ein Nachbar sei Biberberater, er habe die Polizei eingeschaltet, weil er den Verdacht hegt, dass der Hund einen Giftköder erwischt haben könnte, der den Bibern galt. So erfuhren die Kemnather Beamten vom Vorfall. Zu der Theorie passt, dass der Tierarzt in einem von Sams Haufen Mais gefunden hat. Die Körner fressen auch Biber gerne. Stadler weiß nicht, wo sein Hund im Januar sonst an Mais hätte kommen sollen.

Letztlich ist die Ursachensuche den Stadlers nicht so wichtig. Lebendig werde ihr Sam davon nicht mehr. Der Schmerz lasse nur langsam nach. "Ich habe schon fünf Hauskatzen eingraben müssen, seit wir in Thumsenreuth wohnen", sagt Stadler. Bei keiner war es auch nur ähnlich schlimm. "Als wir die Nachricht erhielten, sind wir zum Tierarzt gehetzt, wir wollten Sam unbedingt heim holen", beschreibt Stadler die Situation. Als die Stadlers zur Praxis kamen, wollte eine Mitarbeiterin dort gerade zusperren. "Wir haben sie angefleht, sie soll uns doch unseren Sam geben." Am nächsten Tage hat Stadler ihn auf seinem Grundstück in Thumsenreuth vergraben. "Es war die schwerste Grube, die ich jemals ausgehoben habe."

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