27.04.2018 - 18:20 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Kampf gegen Lebensmittelmärkte Zum Brot auch Dorfnachrichten

Beim Lehner am Dorfplatz ist am Vormittag viel los. Hinten gehen bei Klothilde Lehner Brot und Semmeln über die Theke, vorne wiegt Helga Süß Karotten und Äpfel für ihre Kunden ab. Und dazu gibt es gratis die neuesten Nachrichten aus dem Dorfgeschehen.

"Wir machen weiter bis zum bitteren Ende, bis zur endlosen Pleite", schmunzeln Helga Süß (links) und Klothilde Lehner. Den beiden Schwestern ist es zu verdanken, dass es in Krummennaab noch einen Lebensmittelladen gibt. Mit Service sowie einem kleinen Ratsch zur rechten Zeit bieten sie den Supermärkten die Stirn. Bild: den
von Autor DENProfil

Obwohl es bisweilen ganz schön hoch hergeht, nehmen sich die beiden Schwestern Zeit für die Kundschaft. Mit dem Einkaufszettel werden auch Fragen wie "Welche Übungen wohl heute Abend in der Turnstunde dran sind?", "Wie es wohl der Nachbarin geht?" und "Darf es kommende Woche wieder ein ganzes Brot sein?" abgearbeitet. Überhaupt wissen Klothilde Lehner (69) und Helga Süß (81) fast von jedem, der den Laden betritt, bereits vorher, was er oder sie gerne hätte. Für den einen Kunden ist die Zeitung schon hergerichtet, für den anderen das Gebäck bereits fertig eingetütet.

Die nächsten Supermärkte sind in Erbendorf, gut vier Kilometer entfernt. Mit dem Auto sind dort in sechs Minuten Edeka, Rewe, Aldi und Netto zu erreichen. Gegen diese Konkurrenz kämpfen die Frauen mit gut durchdachter Planung und aufopferungsvollem Einsatz tapfer an. Auch wenn ein Kunde "außer der Reihe" mal einen ganzen Laib Brot will, ist das natürlich kein Problem. In den Regalen stehen Nudeln, Konserven, Milch, Süßigkeiten und Getränke. Auch Zahnpasta und Waschmittel gibt es. Wer eine Flasche Sekt oder ein Feierabendbier will, wird ebenfalls fündig.

"Wir haben etwa 700 bis 800 Artikel", schätzt Willi Lehner. Einmal pro Woche wird der 55 Quadratmeter große Laden von Edeka beliefert. Die Backwaren kommen von einer Großbäckerei aus Weiden. Das Telefon klingelt schon wieder. Der Hol- und Bringservice mit dem eigenen Auto ist fester Bestandteil im Dorfleben und ein wichtiges Standbein für den Laden. Lehner holt ihre Kunden von zu Hause ab und chauffiert sie nach dem Einkauf wieder nach Hause - natürlich kostenlos.

Wer es nicht mehr ins Geschäft schafft, der bekommt auch Heimlieferservice, auf Wunsch mit Beratung. Dazu gibt es ein nettes Gespräch und die neuesten Dorf-Infos obendrauf.

Seit bereits 83 Jahren besteht der Lehner am Dorfplatz. Dazu gehörte bis vor einigen Jahren auch eine eigene Bäckerei. Die wurde aber aufgegeben. Von Montag bis Freitag, von sechs Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags, ist das Geschäft geöffnet. Samstags stapeln sich bis zu 50 Tüten mit vorbestellten Gebäck im Laden. "Da bin ich dann schon vor sechs Uhr hier und mache die Bestellungen fertig", erklärt Lehner.

Weit hat sie es nicht, sie und ihr Mann wohnen "im Haus hinterhalb". Der Chef, Willi Lehner, steht zwar nicht mehr selbst im Geschäft, kümmert sich aber täglich um die Abrechnungen. Gattin Klothilde feiert am Wochenende übrigens 70. Geburtstag. Wie lange es noch weitergeht? Die Kunden haben da eine klare Meinung: "Lasst halt noch offen". Und ein Ende ist wirklich noch lange nicht in Sicht. "Wir machen weiter bis zum bitteren Ende, bis zur endlosen Pleite", schmunzelt die Geschäftsfrau. Aber kommende Woche ist Pause, da gönnen sich die beiden Damen ein bisschen Urlaub.

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