23.02.2018 - 20:00 Uhr
Krummennaab

Kirchen im Scheinwerferlicht

Gleichzeitig - simultan - dürfen sich die evangelischen Kirchen in Thumsenreuth und Krummennaab "Simultankirche des Jahres 2018" nennen. Pfarrer Konrad Schornbaum aus Eschenfelden reicht die Fahne an Pfarrerin Nadine Schneider weiter. Am Mittwoch wird die Ehre offiziell.

Das Schild an der Leonhardi-Kirche weist auf den Simultanradweg hin.
von Autor DENProfil

Krummennaab/Thumsenreuth. Der Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz stellt jährlich eine von 48 Simultankirchen in den Mittelpunkt. 2018 sind es zwei: in Krummennaab und Thumsenreuth. Beide Kirchen liegen auf der Route 10 des Simultankirchenradweges. Das Simultaneum allerdings, das gemeinsame Nutzen der Kirche durch Evangelische wie Katholische, ist in der Gemeinde seit Anfang der 1930er Geschichte.

Pfalzgraf Christian August von Sulzbach hatte 1652 das Simultaneum angeordnet, sehr zum Widerwillen der Gläubigen. Ab 1663 nutzten beide Konfessionen die Kirchen. Dabei kam es immer wieder zu Streitigkeiten. "In der Karwoche bestanden die Katholiken darauf, dass die Glocken schweigen", erklärt Pfarrerin Schneider in der Thumsenreuther Ägidienkirche. Aber die Evangelischen ließen sich nicht abhalten und ließen das Geläut erklingen. Auch in Krummennaab gab es in der Zeit des Simultaneums Auseinandersetzungen. Das Umdecken des Chorraumes und des Altares war oft Anlass für Streit. Während die evangelische Gemeinde ihr "Kirchenstüberl" im alten Schulhaus hatte, konnten die Katholiken ihren Schmuck in der Sakristei unterbringen. Musste dringend ein Gottesdienst der anderen Gemeinde vorbereitet werden, hieß es oftmals lapidar "Jetz san mir nu dao".

Seit 1930 in Krummennaab und 1935 in Thumsenreuth sind die Zeiten vorbei, die Konfessionen haben jeweils ihr eigenes Gotteshaus. An die Zeit des Simultaneums erinnert nichts mehr in den Kirchen. Dennoch ist ein Besuch interessant. In Thumsenreuth bestand bereits zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert eine Kirche, eine Art Burgkapelle aus Holz. Später errichteten die Gläubigen ein größeres Gotteshaus. Die Geschichte von St. Ägidius ist seit dem 17. Jahrhundert mit der Familie derer von Lindenfels, verbunden. Davon zeugt unter anderem das 1744 gefasste Wappen. 1715 erfolgte der Neubau des Turmes, der Sakristei, des Chorgewölbes und der beiden Oratorien, dem Andachtsraum bzw. -empore für die Schlossherren. Bekannt ist St. Ägidius für die Kassettendecke, die Geschichten aus der Bibel zeigt, sowie für das Gemälde an der Empore, das den "Triumphzug der Bundeslade" darstellt.

Die Krummennaaber Kirche ist dem heiligen Leonhard gewidmet. Eine an ihrer Stelle um 1440 errichtete Kirche war „Unserer Lieben Frau“ geweiht. Nach dem großen Dorfbrand im Jahr 1731 erfolgte schon 1732 der Neubau des Gotteshauses, für den man die erhalten gebliebenen Mauern, gotischen Pfeiler und Fenster verwendete. Der barocke Hochaltar, flankiert von Joachim und Anna, den Eltern der Gottesmutter Maria, kam zu dieser Zeit in die Kirche, damals noch mit einem Marienbild. 1757 wurde anstelle eines Dachreiters ein Turm gebaut. 1868/69 musste er wegen Baufälligkeit durch einen neuen ersetzt werden. Das Bild an der Südwand des Chorraums zeigt die Erschaffung der Welt und gehörte zeitweise zum Hochaltar. Darunter befindet sich der Epitaph von Wolf Christoph von Trautenberg mit 16 Ahnenwappen aus dem Jahr 1597. Nach einer Innenrenovierung 1986 erfolgte 2002 eine Außenrenovierung. Seit 2006 hat St. Leonhard ein neues Geläut.

Sternfahrt

Am Samstag, 14. Juli, feiert die Kirchengemeinde ihre Kirchen mit einer Radsternfahrt auf dem Simultanradweg. Ziel ist St. Leonhard in Krummennaab. Pfarrer und Kirchenvorstände aus Wildenreuth, Kirchendemenreuth und Erbendorf schwingen sich in den Sattel. (den)

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