Krummennaaberin macht Karriere in Tokio
Exotischer Oberpfalz-Export

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Krummennaab
08.02.2018
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Nach drei Jahren in Tokio war Sabrina Schultes nun zum ersten Mal wieder auf Heimatbesuch in Krummennaab und hat auch der NT-Redaktion einen Besuch abgestattet. Bild: Lukas Meister
 
In Japan ein Exot: Als Model in der Cosplay-Szene ist Himezawa in Tokio bekannt geworden.

Sie singt, schauspielert, modelt, moderiert und schreibt Bücher. Von Krummennaab über London bis nach Tokio verfolgt Sabrina Schultes als Himezawa ihren Traum. Einfach ist dieser Weg nicht immer.

Krummennaab/Tokio. "Als einzige in deiner Schule mit einem bestimmten Interesse bist du automatisch irgendwann die Außenseiterin", blickt Sabrina Schultes auf ihre Jugend zurück. Gekleidet in weißer Bluse und mit schwarzem Blazer ist ihr dieses "bestimmte Interesse" gar nicht anzusehen. Es ist Cosplay. Ein japanischer Verkleidungstrend, bei dem eine Figur aus Anime oder Computerspiel dargestellt wird. Dass sie seit drei Jahren in Tokio lebt und über Weihnachten zum ersten Mal wieder in ihrem Heimatort Krummennaab war, hört man der 23-Jährigen vor allem nicht an. Mit ausgeprägtem Oberpfälzer Dialekt erzählt Schultes von ihrem aufregenden Leben.

Mit 16 Jahren hat sie sich für das Internet das Pseudonym Himezawa überlegt. ",Hime' heißt so viel wie Prinzessin, ,Zawa' kann man mit Punk übersetzen. Zu meinem Album passt das jetzt ganz gut, aber ob ich den Namen für immer behalte, weiß ich noch nicht", erklärt die junge Oberpfälzerin. In Japan ist sie als Himezawa aber sehr bekannt.

Am besten gefalle es ihr, Bücher zu schreiben und als Sängerin auf der Bühne zu stehen. "Da bin ich sehr aufgeregt und nervös, aber das ist trotzdem mit das Beste", sagt sie. Und die Krummennaaberin hat schon viel ausprobiert. Nach dem Realschulabschluss in Weiden ist sie mit 17 Jahren nach London gezogen und hat dort an einer Schauspielschule ihren College-Abschluss gemacht. Auch Tanz und Gesang waren Teil ihrer Ausbildung. Nebenbei modelte sie.

Dann bekam sie von einer Agentur das Angebot, nach Tokio zu gehen. Ein Traum, der plötzlich zum Greifen nahe war, aber auch eine schwierige Entscheidung: "Ich hätte einen Studienplatz in London gehabt. Aber ich hab mir dann gedacht: ,Ich hab jetzt kein Geld für ein Studium, ich zieh lieber um und verdiene mir mal eines.' Vor allem war es mein Bauchgefühl. Ich wollte schon immer nach Japan." Ihre Eltern waren anfangs nicht begeistert. "Aber sie haben dann schon verstanden, dass es gescheiter wär für mich, etwas zu machen, wo ich Freude dran hab."

Musik der große Traum

Der Vertrag mit ihrer ersten Agentur in Tokio war als Model und Moderatorin. Später spielte sie in TV-Serien. "Ich wollte aber von Anfang an Sängerin werden, das hab ich der Agentur auch mehrmals gesagt, aber das hat die nicht interessiert." Momentan hat Schultes keine feste Agentur, nur einen Manager und einen Agenten. "Ich bin jetzt frei und kann selbst entscheiden."

Seit 2015 hat sie einen offenen Vertrag mit einer kleinen Plattenfirma. Die Aufnahmen hat die Sängerin selbst finanziert, dafür hat sie die Kontrolle über das Projekt. Sie spielt Gitarre, Klavier und Violine, singt auf englisch und auf japanisch. "Die Lieder und Kompositionen mache ich selbst." Das Besondere an ihrem Album: Vom ersten Gespräch bis zum Ende der Aufnahme vergingen nur drei, bis es im Verkauf war sechs Monate. "Das hat es noch nicht gegeben, dass jemand unter einem kleinen Label so schnell ein Album produziert", erklärt Schultes stolz. "Ich habe die Leitung übernommen und jedem in den Arsch getreten." Für dieses Jahr sei eine neue EP in Planung. "Danach mache ich wieder eine Reihe von Auftritten. Im Februar steht ein Konzert auf einem Cosplay-Anime-Event in Dresden an."

Dritter Roman in Arbeit

Am Cosplay selbst fehlt Himezawa derzeit aber der Spaß. "Ich mach es so viel als Model, dass ich privat nicht viel Lust darauf habe." Da schreibt sie lieber an ihrem dritten Roman. Auf "Staubmädchen" und "Federjunge" soll ein weiterer Band folgen und die Trilogie abschließen. "Ich mache mir dafür einen Zeitplan von etwa drei Monaten, in dieser Zeit schreibe ich aus meinen Stichpunkten ein komplettes Buch." Danach bekommt es ihr Verlag. Nächstes Jahr sollen die Kriminalgeschichten auch auf englisch veröffentlicht werden. "Ich habe sie übersetzen lassen."

Anfang Dezember feierte Sabrina Schultes ihren Geburtstag, wenige Tage später überraschte sie ihre Eltern in Krummennaab mit einem Besuch. Fast ohne Ankündigung sei sie zu Hause "reingeplatzt". Erst bei einem Zwischenstop in Dubai habe sie angerufen und sich angekündigt. "Der 1. April ist fei schon lang vorbei", sei die erste Reaktion ihrer Eltern gewesen. Es war ihr erster Besuch in drei Jahren. "Ich wäre gerne jedes Jahr gekommen, aber die Flüge sind teuer."

Fremde Heimat

Hier zu sein, fühle sich "komisch und fremd" an. "Eine irre Umstellung. Es ist so ruhig." Auf ihre alten Freunde habe sie sich aber sehr gefreut. Trotz ihrer Außenseiterrolle hat sie in ihrer Schulzeit enge Vertraute gefunden, zu denen sie immer den Kontakt gehalten hat. "Seit ich hier bin, sehe ich sie fast jede Woche. Das ist ungewohnt, aber schön." Und auch die "völlig überfüllten Züge" in Tokio vermisse sie nicht. Dafür aber das wöchentliche Sushi-Essen mit ihren Freunden dort. Bis zur Buchmesse in Leipzig möchte sie noch in Deutschland bleiben, dann geht es zurück in ihr neues Zuhause.

Jedem, der in ein anderes Land ziehen möchte, legt Schultes ans Herz, erst die Sprache zu lernen. "Nicht den gleichen Fehler machen wie ich. Ich bin blind los." Anfangs war es schwierig für sie in Tokio. Japanisch hat sie sich selbst beigebracht. "Drei Monate musste ich wie eine Irre lernen. Es gibt endlos viele Zeichen." Durch ihren Job hat sie aber schnell Leute kennengelernt. Mit zwei Freundinnen, Models aus China und Kanada, lebt sie nun zusammen.

Für eine 23-Jährige hat Schultes bereits viel erlebt. "Könnte mehr sein", sagt sie und lacht. "Ich würde gerne mal ein Konzert in einer richtig großen Halle geben. Davon träume ich schon seit ich zwölf bin." Reizen würde die Sängerin auch Los Angeles, aber ihre Chancen in der Musikindustrie in Amerika schätzt sie sehr gering ein. "Mein Verkaufsschema ist: Die Ausländerin in Japan, der Exot, der Einzelfall. Aber in Amerika - da gibt es Hunderttausende, die sehr bestimmt besser sind als ich."

Für ihre Karriere opfert die junge Frau viel, vor allem ihre Freizeit. Um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet sie an fünf Tagen in der Woche auch in einem Büro. "Einmal hatte ich Glück, als ich in London von meiner ersten Agentur entdeckt wurde, der Rest ist harte Arbeit."

Mehr zu HimezawaSabrina Schultes teilt ihr Leben über Twitter, Instagram, YouTube und Facebook mit ihren vielen Abonnenten. Außerdem hat sie eine eigene Homepage und schreibt einen Blog.

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Weitere Informationen:

www.himezawa.com/
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