Das „Weiße Rössl“ im Stadttheater
Spaß mit dem Operettenschimmel

"Totgesagte leben länger": Das "Weiße Rössl" ist jedenfalls eines von den Operetten-Wundertieren, bei denen das Erbgut noch aus den Zwanziger Jahre stammt und das im Stadttheater Amberg noch sehr munter und lebendig über die Bühne hüpfte. Bild: Hartl
Kultur
Kümmersbruck
07.05.2017
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Immer noch grast das "Weiße Rössl" munter auf den Bühnen dieser Welt, obwohl es schon auf die 90 zugeht. Am Wochenende machte das Singspiel im Stadttheater Amberg Halt und wurde mit viel herzlichem Applaus belohnt.

Amberg. Bei genauer Betrachtung zählt das Pferdchen zu den Operetten-Wundertieren, die trotz Liebes-Kitsch und Kaiser-Schmarrn immer noch gefallen. Das liegt an den eingängigen und unvergesslichen Hits von Ralph Benatzky, der sich die Musik zur an sich recht simplen aber lustigen Geschichte nach dem Lustspiel von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg einfallen ließ. Wenn dann noch die Inszenierung auf der immergrünen Heimatwiese, vor Gastwirtschaft und unter Bergesgipfel mit einem überzeugenden Ensemble gelingt, dann gefällt das auch dem heutigen Publikum.

Großer Anklang

Was die Euro-Studio-Landgraf-Produktion in der Regie von Claus J. Frankl aus Ralph Benatzkys (1884-1957) Dauerbrenner fabriziert hat, findet großen Anklang. Natürlich wegen der Hits, denen man einfach nicht ausweichen kann, wie "Mein Liebeslied muss ein Walzer sein", "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist", "Zuschau'n kann i net" oder "Es muß was Wunderbares sein".

Obwohl diese manchmal etwas schläfrig vom fünfköpfigen Bühnenorchester (musikalische Leitung Johannes Zurl) mit Keyboard, Geige, Klarinette, Saxofon, Bass und Schlagzeug begleitet werden. Die Stimmen passen vorzüglich, die Interpretationen der Sänger gefallen bestens. Im fröhlich-bunten Bühnenbild (Claus Ellerfeld) nehmen die Ereignisse ihren (un)vorhersehbaren Lauf. Der Unterhosenfabrikant Wilhelm Giesecke (Bernd Gebhardt) bringt preußischen, die Briefträgerin Kathi (Frauke Becker) ulkigen und das Stubenmädchen (Marie-Audrey Schatz) erotischen Komödiantenschwung in die Salzkammergut-Operettenidylle. Wo der verliebte Zahlkellner Leopold (Herman Wallén) schlussendlich von der sympathischen Rösslwirtin (Antje Bornemeier) nach einigem Hin-und Her schließlich als Ehemann eingestellt wird und noch zwei weitere junge Paare sich finden.

Spiellust und Sangeskunst

Die ganze Truppe gefällt ausnehmend gut: vom Stammgast Dr. Siedler (Jan Reimitz), über die kesse Ottilie (Frauke Becker) und das lispelnde Klärchen (Marie-Audrey Schatz) bis hin zum schönen Sigismund (Maximilian Nowka) und dem vorlauten Piccolo (Jürgen Strohschein) und all den anderen Salzkammergut-Eingeborenen. Sie alle umrahmen den Weg bis zum Happy End mit großer Spiellust und Sangeskunst. Sie punkten mit ausgefallenen und witzigen Gruppen-Choreographien. Mit Stepptanzeinlage wird die "ganze Welt himmelblau" gezaubert und "wenn es regnet", dann wird eben ein Reigen gedreht.

Das Ensemble macht immer eine gute Figur, ob nun in knackiger Lederhose und feschem Dirndl oder in lustiger Bademode. Großartig gelungen ist an dieser Inszenierung, dass nahezu jede Figur eine Charakter-Rolle ist. Jeder hat seinen großen Auftritt, sei es als Nachwuchskellner, als reiselustiger Privatgelehrter oder als Kaiser Franz-Josef. Sie alle zeichnet aus, dass sie neben ihrer Schauspielkunst über veritable Singstimmen verfügen, eine unverzichtbare Kombination für diese Operette. So macht der Ausflug an den Wolfgangsee mit dem munteren Rössl dem Publikum im sehr gut besuchten Theater richtig Spaß.

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