17.10.2017 - 16:04 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Die letzte Leißer Kirmes in Kümmersbruck Nach 30 Jahren endet Tradition der Heimattreffen

Hintergrund

1987, also 42 Jahre nach der Flucht aus Oberschlesien, fand in einem großen Festzelt in Kümmersbruck das erste Leisnitzer Heimattreffen statt. Mit einem dreitägigen Programm feierten Teilnehmer aus ganz Bayern, dem Rheinland, aus anderen Teilen Deutschlands und sogar aus dem Ausland. In dreijährigem Turnus folgten fünf weitere Treffen, darunter ein ganz besonderes im Jahr 2001: Mit zwei Bussen aus Bayern und einem aus dem Rheinland kamen damals in einer Sternfahrt viele Teilnehmer in ihren ehemaligen Wohnort Leisnitz (heute Polen). Nach einem Gottesdienst mit der polnischen Bevölkerung zogen alle zum neuen Friedhof. Dort waren die Gräber der verstorbenen Leisnitzer zwar eingeebnet, dafür aber ein Gedenkstein errichtet worden. Dieser wurde bei dem Fest enthüllt. Abends traf man sich noch zu einem Kommersabend.

Viele der Älteren sind inzwischen gestorben, andere können die Anreise nicht mehr bewältigen - und bei den Jungen lässt die Bindung zur alten Heimat nach: Es gibt viele Gründe dafür, warum sich Leisnitzer aus nah und fern jetzt zum letzten Mal in Kümmersbruck getroffen haben. Damit endet eine 30-jährige Tradition.

Ehrengäste des letzten Leisnitzer Treffens waren (von links) Ursula und Rudolf Frenzel, Josef Breitkopf, Altbürgermeister Richard Gaßner mit Anneliese und Paul Karzmarczyk, Maria Gaßner, Gabi Strehl, Bürgermeister Roland Strehl und Pfarrer Wolfgang Bauer. Bild: exb
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Überraschende Begegnung

Noch einmal feierten die Leisnitzer in der Kümmersbrucker Pfarrkirche einen Gottesdienst mit Pfarrer Wolfgang Bauer. Dabei gedachten sie ihrer Verstorbenen. Dann versammelten sich alle im Gemeindesaal zur letzten Leißer Kirmes - zur Freude von Rudolf Frenzel, dem Sprecher des Organisationsteams, wie all die vergangenen Jahre wieder mit gerngesehenen Gästen. Bürgermeister Roland Strehl, der mit seiner Frau Gabriele gekommen war, teilte mit, dass als Jubiläumsgeschenk der Gemeindesaal kostenlos zur Verfügung gestellt werde. Sehr erfreut war er, dass sich die einst Zugereisten völlig integriert haben. Strehl zeigte sich aber auch überrascht, bestens bekannte Gemeindebürger plötzlich als Schlesier wiederzufinden.

Auch Altbürgermeister Richard Gaßner war mit seiner Frau Maria erschienen. Er lobte die Aktivitäten und die Energie der Leisnitzer bei der Organisation der vielen Heimattreffen. Mit dabei waren zudem der Leisnitzer Pater Franz Behrla, auf der Durchreise zu seinem endgültigen Ruhesitz St. Wendel im Saarland, Renate Borner, die von Dresden angereist war, und Erich Hiltl als Organist und langjähriger Reporter bei den Heimattreffen. Mit dem heutigen ende eine 30-jährige Tradition, die als Leißer Kirmes von Annelies und Paul Karzmarczyk mit einem gut funktionierenden Helferteam alljährlich bestens organisiert worden sei, sagte Rudolf Frenzel. Er erinnerte aber auch an Günther Rapp als Begründer der Heimattreffen und an Luzia Krumschmidt. Letztere hatte jahrelang die Kirmes mitorganisiert und Fahrten in die alte Heimat organisiert - und konnte aus gesundheitlichen Gründen beim letzten Treffen jetzt nicht dabei sein.

Besuch rückläufig

Nach eingehender Beratung hatte das Organisationsteam beschlossen, die Leisnitzer Heimattreffen und die Leißer Kirmes in dieser organisierten Form aufzugeben: Der Besuch sei deutlich zurückgegangen. Gründe dafür seien Todesfälle, Altersbeschwerden, fehlende Transportmöglichkeiten und auch eine nachlassende Bindung der jüngeren Generation.

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