Jahresprogramm des Kulturschlosses in Theuern
Kultur trotz Sanierung

"Das bisschen Haushalt": 1913 galt ein 23 Kilo schwerer Staubsauger, der nur von einer Person bedient werden konnte, als innovativ und luxuriös. Nur wenige konnten sich das leisten. Bild: e (2)
Kultur
Kümmersbruck
18.01.2018
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Eine alte Singer-Nähmaschine wie aus Uromas Zeiten.

Was haben ein Jazzfrühschoppen und der Prager Fenstersturz gemeinsam? Beide sind Thema des Kulturprogramms im Schloss Theuern. Aktuell kann es wegen der Sanierung allerdings nur zum Teil genutzt werden.

Theuern. Das Schloss in Theuern ist für seine vielfältige Nutzung bekannt. Es ist Veranstaltungsort für Vorträge, Tagungen, Sonderausstellungen oder bietet Unterhaltungsprogramme. Ein regelrechter Kulturtempel also. Doch im Dezember des vergangenen Jahres war auch der Öffentlichkeit bewusst geworden, dass sich in Theuern einiges ändert: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist der Adventsmarkt ausgefallen.

Geschuldet ist das den umfangreichen Sanierungsarbeiten, die das gesamte Schloss betreffen. Ab Ende April können die Säle nicht mehr genutzt werden. Das Haupthaus allerdings bleibt noch ein oder zwei Jahre verschont, weshalb dort auch weiter Veranstaltungen stattfinden können.

Mittlerweile hat das Kulturschloss aus seinem eigenen Fundus einen Blickfang im Haupteingang platziert: Alte Nähmaschinen, aus (Ur-)Omas Zeiten und dem hauseigenen Lager (dazu Hintergrund). Auch ausgestellt wird ein alter Waschzuber.

Prunk und Protz

Der Jazzfrühschoppen ist längst nicht mehr aus den ehrwürdigen Schlossmauern wegzudenken. Der nächste ist am Sonntag, 11. März. Phillip Weiß und Walter Lang präsentieren erlesene Kompositionen der Jazz-Literatur. Eine Woche später, am Sonntag, 18. März, öffnet die erste Ausstellung des Jahres mit dem Thema "Prunk und Protz im Bürgerhaus". Zu bestaunen sind etwa 250 Prachtstücke einer Privatsammlung. Es handelt sich um Objekte aus dem Wiener Barock, dem Historismus, dem Jugendstil, dem Art Deco, aus den 50er-Jahren und der Gegenwart. Die Ausstellung ist geöffnet bis Sonntag, 9. September.

Am Sonntag, 15. April, ist die Vernissage für die Ausstellung "Fotokunst im Kultur-Schloss". Sie basiert auf der Annahme, dass Ausstellungsstücke in einem Museum Zeugen der kulturellen Entwicklung der Menschheit sind. Der technische Fortschritt ist nur möglich durch die Fähigkeit des Menschen, kreativ und logisch, aber auch abstrakt zu denken. Die Fotografen Jana Müller und Hans König stellten sich der Aufgabe, diese Eigenschaften auf Bildern darzustellen. Dabei entstanden Werke, die Ausstellungsgegenstände in natürlicher Weise im besonderen Licht, im Detail verfremdet bis abstrakt, farbig oder monochrom zeigen. Bis Sonntag, 9. September können Interessierte diese bestaunen.

Fenstersturz als Glaskunst

Ein wissenschaftliches Kolloquium am Donnerstag, 22. März, befasst sich mit dem Thema "Schmieden für Karl den Großen" und auch mit den archäologischen Grabungen in Amberg und Kümmersbruck. Von Sonntag, 23. September, bis Sonntag, 16. Dezember, beherbergt das Schloss Theuern die Glaskunstausstellung "Fenstersturz und Spiegelsaal - Glas zur Zeitenwende". Sie erinnert an ein einschneidendes Ereignis, das die Ordnung Europas nachhaltig verändert hat: Der Prager Fenstersturz vor 400 Jahren. Im krassen Gegensatz dazu zeigen Mitglieder des Kunstvereins "Glasheimat Bayern" Glasobjekte und Installationen im Bergbau- und Industriemuseum.

Die Bauarbeiten in den Sälen beginnen Ende April, dennoch fällt die Vilskultur nicht ins Wasser. Die gemeinsame Veranstaltung der Vilstalgemeinden findet in Ebermannsdorf statt. Die letzte Veranstaltung im Großen Saal vor der Sanierung ist am Freitag, 27. April. Beim 67. Radiometrische Seminar werden Themen wie Radon in der Erde, Luft und Wasser, in Haustier und Mensch behandelt.

HintergrundIm Foyer des Theuerner Schlosses stechen den Besuchern momentan sofort Schätze vom Dachboden ins Auge: Nähmaschinen auf gusseisernen Gestellen mit Antriebsrädern, golden verziert mit Firmennamen und Motiven.

Die Nähmaschinen sind lange Zeit in einem Depot verstaubt. Nun werden die wiederentdeckten Schätze in einer Ausstellung präsentiert. Aber nicht nur die alten Nähmaschinen kann man bewundern. Kurios ist auch eine Bügelmaschine aus Holz. Damit die Wäsche glatt wurde, musste an einer Kurbel gedreht werden. Ein mit Sicherheit mühevolles Unterfangen. Doch gleichzeitig eine Arbeitserleichterung für die Hausfrau, die für Bett- und Tischwäsche keine schweren Bügeleisen mehr benutzen musste.

Eine Holzbottich-Waschmaschine von Miele gehört ebenso zu den Raritäten wie ein Staubsauger. Laut einer Museumsinformation kam es 1913 einer Sensation gleich, als der erste von nur einer Person bedienbare Staubsauger mit 23 Kilo Gewicht auf dem Markt erschien. Nur die wenigsten konnten sich dieses Ungetüm leisten. (e)


Museum im FreienIm Außenbereich des Museums haben Leiter Michael Ritz, seine Mitarbeiterinnen Erika Haßler und Rita Kummer viele Möglichkeiten für Veranstaltungen.

Am Samstag, 28. April, läuft von 11 bis 16 Uhr eine Pflanzentauschbörse. Am Pfingstmontag, 21. Mai, folgt der traditionelle Mühlentag im Ferienprogramm. Am Samstag, 16. Juni, gibt es einen Vortrag in der Bibliothek. Christine Riedl-Valders Thema: "Von der Kaffeesuppn zum Cappuccino" - Kaffeetrinken und Caféhäuser in der Oberpfalz von den Anfängen bis heute". Renner sind sicher wieder die Fossiliensuche im Steinbruch (Montag, 13. August) und der Familiennachmittag mit Flohmarkt (Sonntag, 26. August). (e)
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