"Philharmonica Schrammeln Wien" begeistern im Amberger Rathaus
Schrammeln auf höchstem Niveau

Musikalisch beweisen die Philharmonia Schrammeln aus Wien beim Rathauskonzert, dass sie sich in der Salonmusik hervorragend auskennen. Schrammelmusik ist tatsächlich eine Musik zum Zuhören, vielleicht noch mit einem guten Tropfen Wein im Glas. Der wurde jedoch erst nach dem Konzert gereicht ... Bild: Wolfgang Steinbacher
Kultur
Kümmersbruck
16.04.2018
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"Wien bleibt Wien - und das geschieht ihm ganz recht" soll der große Helmut Qualtinger gesagt haben. Aber "Wien bleibt Wien", ist auch so etwas wie die Hymne der Schrammelmusik. Das Stück spielen die "Philharmonia Schrammeln" aus Wien deshalb auch als krönenden Abschluss.

Amberg. Mit dem Namen Schrammel verbinden die meisten Menschen diesen ganz besonderen Klang, der überall auf der Welt als urwienerisch empfunden wird. Eigentlich stammt er von den "Zuagrasten": Josef und Johann Schrammel. Die Brüder waren Musiker aus dem Waldviertel, die mit ihrem kleinen Ensemble am Ende des 19. Jahrhunderts in Wiener Gaststätten und Heurigen-Lokalen große Erfolge feierten. Sie kreierten den speziellen melancholisch-sinnlichen Klang, der ganz Wien begeisterte.

Wien-Fans in Amberg

Auch so große Komponisten wie Johann Strauss Sohn und Johannes Brahms waren Fans der Brüder Schrammel. Nimmt man den enthusiastischen Schlussapplaus als Gradmesser für den Auftritt der "Philharmonia Schrammeln Wien" am Freitag im Rathaus, dann outet sich das Amberger Publikum ganz deutlich als Fan der Musiker aus Wien. Zur vollkommenen "Weaner" Glückseligkeit fehlte nur noch das Glaserl Wein, aber das wurde ja am Ende des Konzerts gereicht.

Die "Philharmonia Schrammeln" mit Johannes Tomböck (ersten Geige), Dominik Hellsberg (zweiten Geige und Moderation mit dunkler Samtstimme), Heinz Hromada (Kontragitarre), Günther Haumer (Wiener Knöpferlharmonika) und Hannes Moser an der G-Klarinette ("Picksüßes Hölzl") sind echte "Wiener Künstler" und so ist auch ihre neue CD betitelt.

Aber natürlich spielen die fünf Vollblutmusiker querbeet alles: vom "Kaiser Franz Josef I. Rettungs-Jubel-Marsch" (Johann Strauß jr.) über "Das Haneferl" (Josef Mikulas) und "In unserer Muttersprache" (Joseph Franz Wagner) bis zur Dampfschiffkomposition "Lieber Bismarck, schaukle nicht!" (Carl Michael Ziehrer).

Schmäh in allen Facetten

Sie lassen das Nebelhorn tuten, zitieren im DaDa-Stil und interpretieren unvergleichlich einfühlsam Alt-Wiener Singtänze, Polka, Walzer, Ländler und Märsche. Ob schnell oder langsam, leise oder ungestüm, urgewaltig oder voll mollsüßer Melancholie, sie treffen den Wiener Schmäh hintergründig, indirekt und voller versteckter Anspielungen. Aber "Heurigengedudel" kommt bei ihnen nicht in die Tüte! Sie musizieren in höchster Qualität und mit hörbarer Freude.

Auch ihr Erscheinungsbild im schwarzen Fünfknopfjanker über der feinen roten Weste ist fesch anzusehen. Im Halbrund sitzen sie zwischen Blumenarrangements vor den Notenpulten. Mit Witz und Virtuosität, mit Herz und dem typisch Wienerischen Charme entführen die Schrammelmusiker in eine österreichische Leichtigkeit des Seins.

Aus dem festlich herausgeputzten Publikum schwingt dem renommierten Ensemble, das vorwiegend im Brahmssaal in Wien auftritt, aber auch in Deutschland, Norwegen oder der Schweiz große Erfolge feiert, herzliche Sympathie entgegen.
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