25.03.2018 - 16:06 Uhr
Kümmersbruck

"Shadows in Motion" im Stadttheater Feuerwerk sinnlicher Momente

Bei "Shadows in Motion" verschmelzen Hebefiguren nahtlos mit extremen horizontalen wie vertikalen Balancen. Jede Szene im Stadttheater Amberg ist einzigartig, jedes Bild überraschend, jeder Schöpfungsakt urgewaltig.

Was die vier Tänzerinnen und vier Tänzer der "Jon Lehrer Dance Company" im Amberger Stadttheater unter dem Titel "Shadows in Motion" auf die Bühne bringen, ist technisch meisterhaft und ästhetisch faszinierend. Sieben "getanzte Geschichten aus Licht und Schatten" sind im Selbstverständnis von Jon Lehrer an menschlichen Mythen orientierte Zeit- und Lebensreisen. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Autor MSCProfil

Amberg. Ein Tanzuniversum der besonderen Art zaubert die "Jon Lehrer Dance Company" mit ihrer Show "Shadows in Motion" ins Amberger Stadttheater. In sieben Schöpfungsstationen erobern acht explosive junge Tänzerinnen und Tänzer (Cristiana Cavallo, Jennifer Gram, Da'rius Malone, Ryan Moguel, Ashley Peters, Taylor Ramos, Cole Vernon, Phillip Wackerfuss) die Bühne. Raum und Zeit, Licht und Schatten, Materie und Energie - alles gebündelt in Break-Dance oder Modern, Ballett oder Gymnastik, Gruppendynamik, Akrobatik oder zeitgenössischen Jazz-Dance. Im Fachjargon ist von "Athletik Jazz Dance" die Rede. Die von Jon Lehrer geleitete Dance Company aus den USA zählt zu den international profilierten Tanztruppen dieses relativ jungen Genres.

Mit "Jambus" beginnt die Genesis. Aus dichten Nebelschwaden, die bis in den Zuschauerraum wabern, entwickelt sich Leben und Lebendigkeit. Vier Sirenen tauchen aus den Wassern auf, tanzen mit den Wellen und verschmelzen mit dem geheimnisvollen Mondlicht in der zauberhaften Tanzerzählung "'Sirenic". Zur hochsensiblen Ethno-Tanzsymphonie "Chukchi" bewegen sich die Akteure im mystisch ausgeleuchteten Raum. Lichtreflexe, Schattenspiele, Ausdruckstanz und fantastische Kostüme - alles wirkt perfekt zusammen.

An Stummfilmklassiker erinnert die witzige Tanzsequenz "Pulp" nach der Pause. Alles sieht so lockerleicht aus! Es passt einfach alles, die Musik, die Choreographie, die Interpretation, die Lichtregie und natürlich die Darbietung. Schattenboxen auf großer Leinwand und mit viel Witz und Esprit! Damit lenkt das Ensemble über zu großem Drama, zum Pas de trois "Troika". Drei Männer in Bewegung und in Beziehung - geschmeidige Kraft und sensible Kampfformation. Eine Auseinandersetzung ganz anderer Art, nämlich mit sich allein und dem eigenen Geschlecht bringt der Soloauftritt "The Way Within".

Die Primaballerina entwickelt eine weiche Tanzsprache, eine rhythmische Sinnsuche und sucht einen tänzerische Weg, um zu sich selbst zu finden. Mit "Pantheon Rising" endet die Zeitreise quasi in der Zukunft. Das Weltall stürzt dem Betrachter entgegen. Lichtblitze zucken über die tanzenden Körper. Zeitlupe, Zeitraffer - alles verschwimmt in futuristischen Effekten. Die Musik transportiert Gefühle, Erwartungen, Fantasien. Überhaupt sind die musikalischen Klangkonstruktionen wichtige Elemente bei jedem Kapitel.

Lang anhaltender und begeisterter Beifall für diese fantastische Truppe und ihren sympathischen Chef, Jon Lehrer, der bei der Zugabe selbst im Ensemble mittanzt. Er hat Schuhe an, die Tänzer sind den ganzen Abend lang barfuß.

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