29.12.2017 - 20:00 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Weihnachtliches Ballett im Stadttheater Amberg Um Mitternacht beginnt der Spuk

Eine Generation folgt der anderen, die Idole wechseln, die Mode auch und die Inszenierungen sowieso. Schon über hundert Jahre aber nimmt Peter Tschaikowskys Ballett "Der Nussknacker" einen festen Platz in der Theater- und Musikkultur der ganzen Welt ein.

Nur in der Kindheit sind Traum und Wirklichkeit so untrennbar miteinander verbunden: Mit dem Ballettmärchen "Der Nussknacker" verzaubert das Rumänische Staatsballett "Oleg Danovski Fantasio" das Publikum im sehr gut besuchten Amberger Stadttheater. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Marielouise ScharfProfil

Amberg. Das Rumänische Staatsballett "Oleg Danovski Fantasio" entscheidet sich in seiner Tourneefassung für eher zarte Bilder. Wie bei einem Aquarell werden Farben leicht hingetupft, Schritte präzise gelenkt, Soloauftritte akrobatisch inszeniert und Ensemblechoreographien korrekt ausgeführt. Aber natürlich ist die Enge der Bühne im Amberger Stadttheater zu spüren und zu sehen, ausgeklügelte Formationen (Choreographie: Gheorghi Koftun) verschwimmen oft im beengten Raum. Der Reiz eines Christbaumes fehlt am Mittwochabend ganz. Dabei lebt die Nussknacker-Geschichte doch vom Zauber der Weihnachtszeit, von den besonderen Gefühlen und Momenten eines Familienfestes an Heiligabend.

Nüchtern erzählt

Von Peter Tschaikowsky im Jahr 1892 komponiert, hat "Der Nussknacker" sofort die Herzen des Publikums erobert. Die literarische Vorlage für das Ballett war das romantische Märchen von E.T.A. Hoffmann "Der Nussknacker und der Mäusekönig".

Die rumänische Nussknacker-Version erzählt die Geschichte vom ereignisvollen Weihnachtsfest im Hause des Präsidenten etwas nüchtern. Die Tochter des Hausherrn, Marie, bekommt den Nussknacker, der ein Prinz wird, geschenkt. Mit dabei sind der geheimnisvolle Onkel Drosselmeier, die Eis- und die Frühlingsfee, der Mausekönig und viele zauberhafte Gestalten mehr. Um Mitternacht beginnt der Spuk. Die Bühne leuchtet geheimnisvoll - die Puppen werden lebendig. Anfangs noch mechanisch-starr, dann immer temperamentvoller, immer beweglicher, immer quirliger.

Grazie und Anmut

Marie tanzt mit ihrem Märchenprinzen. Drosselmeier, Mäusekönigin, Harlekin und Columbine machen mit. Alle Solopartien, wie überhaupt das gesamte Corps de Ballett, erzählen in sehr straffer, etwas unterkühlter Fassung die Geschichte. Dabei bieten sie gutes, klassisches Ballett. Puppen und Schneeflocken schweben in anmutigen Kreisen, die verschiedenen "Pas de deux" und "Pas de trois" gefallen ganz gut, wie auch die Kostüme.

Leider sind die Solisten des Abends in der Besetzungsliste nicht besonders ausgewiesen, was sehr bedauerlich ist. Denn mit Grazie und Anmut bewegen sich die Solopaare und Tänzer, die das Ballettvokabular bestens beherrschen.

Ihre Virtuosität bei den Pirouetten und Fouettés ist bemerkenswert, die Ausstrahlung bei den Hebefiguren enorm, die Sprünge sehenswert. Mit Grazie und Anmut tanzen in der Pause auch zwei reizende, kleine Mädchen aus dem Publikum, die von den hervorragenden Ballerinen total begeistert sind und es ihren Vorbildern gleich nachmachen wollen.

Die Kunst ist es, Leichtigkeit vorzugaukeln, wo doch eiserne Trainingsarbeit und Disziplin gefordert sind. Mit immer neuen Hebefiguren und kunstvollen Verrenkungen reißen die Künstler das Publikum mit, das sich mit Riesenapplaus für die engagierte Leistung bedankt.

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