21.02.2014 - 00:00 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Die Autorin Katharina Maier ist fasziniert von dem Abenteuerschriftsteller und findet, dass ... "Mit Karl May bin ich noch lange nicht fertig"

Katharina Maier hat ein Buch über die Frauen bei Karl May geschrieben.
von Markus Müller Kontakt Profil

Mit Winnetou hat es angefangen, bei den Frauengestalten in den Romanen von Karl May soll es noch lange nicht aufhören: Die Autorin Katharina Maier (33), eine in Augsburg lebende gebürtige Ambergerin, kann vom meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache nicht genug bekommen. Um zu zeigen, dass sich dessen Lektüre immer noch lohnt, hat sie in "der Reisekiste Old Shatterhands" gekramt und dabei ebenso Amüsantes wie Kurioses zutage gefördert. Bei ihrem Leseabend am Dienstag, 25. Februar, in Kümmersbruck sollen ihre Zuhörer zudem Fragen stellen, die ihnen zu den Abenteuern von Old Shatterhand oder Kara Ben Nemsi auf der Seele liegen. Die AZ hat schon mal im Voraus ein paar Antworten erhalten.

Frau Maier, Sie als erfolgreiche und anspruchsvolle Autorin, mal Hand aufs Herz, lesen Sie immer noch Karl May?

Katharina Maier: Ja. Genau aus diesem Grund.

Haben Sie alle Bände gelesen?

Maier: Nein. Neben den Orient- und Wild-West-Romanen hat Karl May Kolportageromane geschrieben. Das kann man sich in etwa so vorstellen wie heutige Seifenopern. Die haben zwar auch ihren Reiz, aber mein Geschmack ist das nicht. In welchem Alter haben Sie mit Karl May angefangen? Und was war das erste Buch, das Sie gelesen haben, sicher Winnetou I, oder?

Maier: Ja, es war Winnetou I, und ich war neun. Im alten Zimmer meines Onkels standen damals bunte, zerlesene Taschenbücher. Manche wurden nur noch von ein paar Streifen Tesa zusammengehalten. Das waren die Karl-May-Bände, die meine Mutter und mein Onkel sich als Kinder von ihrem mühsam zusammengesparten Taschengeld gekauft hatten. Und durch diese viel geliebten Bücher gelangte auch ich in die Welt Karl Mays.

Wer sind denn Ihre Lieblingshelden, abgesehen von Winnetou und Old Shatterhand, die alle mögen?

Maier: Ich habe eine Schwäche für den lustigen, listigen Sam Hawkens, den ja auch jeder kennt. Mein absoluter Liebling aber ist Kolma Puschi. Das ist ein etwa fünfzigjähriger Indianer, der Winnetou und Old Shatterhand einmal vor einer Bande von Verbrechern rettet. Kolma Puschi ist ungeheuer klug, geschickt und großherzig. Außerdem ist er in Wahrheit eine Frau. Sie haben auch ein Buch über die Frauen in den Karl-May-Romanen geschrieben. Haben diese Heldinnen etwas gemeinsam, das sie auszeichnet?

Maier: Ihre Stärke. Keine von Karl Mays Heldinnen lässt sich vom Schicksal unterkriegen, egal, ob sie eine "Gute" oder eine Schurkin ist.

In Kümmersbruck dürfen Ihnen die Leute Fragen zu Karl May und seinen Büchern stellen. Haben Sie keine Angst, dass Sie da etwas nicht wissen könnten?

Maier: Nein, Angst habe ich keine. Wenn ich tatsächlich etwas nicht weiß, dann sage ich das einfach. Aber bisher ist das noch nicht passiert.

Darf ich mal eine Probefrage anbringen, um zu sehen, ob Sie die ohne nachzuschlagen beantworten können? Also: Wie nennt Karl May seine Frau in "Winnetous Erben"?

Maier: Er nennt sie "das Herzle". Manchmal auch Klara oder Klärchen.

Schreiben Sie demnächst noch mehr über Karl May? Oder sind Sie mit dem Thema jetzt durch?

Maier: Mit Karl May bin ich noch lange nicht fertig. Es sind auf alle Fälle weitere Bücher in Planung. Momentan schreibe ich allerdings an etwas ganz anderem. Mögen Sie eigentlich Pierre Brice? Oder denken Sie bei den Karl-May-Filmen auch immer daran, dass hier die bunte Abenteuerwelt der Bücher nur sehr unvollkommen eingefangen wurde?

Maier: Ich finde, Pierre Brice ist der perfekte Winnetou. Er war und ist einfach ein schöner Mann. Mit den Filmen konnte ich als Kind allerdings nicht viel anfangen. Ich war zu enttäuscht, dass sie sich so stark von den Büchern unterscheiden, ganz besonders mein großer Held Old Shatterhand. Der ist in den Büchern viel humorvoller. Heute weiß ich zu schätzen, wie ungewöhnlich vor 50 Jahren ein "Westernfilm" war, der Indianer positiv darstellte. Außerdem war es damals eine beachtliche Leistung, international besetzte Filme wie diese zu drehen. Aber ich würde zu gern sehen, wie ein Karl-May-Film aus dem 21. Jahrhundert aussehen würde.

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