24.04.2017 - 13:58 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Bundesweiter Aktionstag bei Grammer gegen Übernahmepläne [Aktualisierung: Video] Der Kampf geht erst richtig los

Punkt fünf vor zwölf waren die Hallen und Büros leer und rund 700
Grammer-Mitarbeiter zeigten draußen Flagge. Haselmühl war aber nur einer von vier Standorten in der Region, an denen am Montag die Aktion unter dem Motto lief: Wehe, wenn der Hastor kommt.

von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wenn bei Grammer in Haselmühl gestreikt oder demonstriert wird, geschieht dies normalerweise draußen vor dem Werkstor. Doch diesmal ist alles ganz anders. Schließlich stehen Vorstand und Belegschaft im Abwehrkampf gegen die bosnische Investoren-Familie Hastor nicht auf entgegengesetzten Seiten, sondern verfolgen ein gemeinsames Ziel: Die Übernahme der Macht durch Hastor verhindern. Erst kürzlich erwirkte die Familie, der über ihre Gesellschaften zwischen 20 und 30 Prozent der Grammer-Aktien gehören, vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen eine finanzielle Beteiligung des chinesischen Konkurrenten Ningbo Jifeng.

Inzwischen glühen nach Informationen des Amberger IG-Metall-Vorsitzenden Horst Ott hinter den Kulissen die juristischen Drähte. Es geht wohl um versäumte Termine, Befangenheitsanträge und dergleichen, um sich noch vor der Grammer-Hauptversammlung im Mai günstig in Position zu setzen. Das kümmert bei dieser Aktion, die bewusst auf die berühmten fünf Minuten vor Mittag gelegt worden ist, erst einmal keinen. Die 700 Mitarbeiter tragen gelbe Westen und Schals mit der Aufschrift „Grammer, zusammenstehen – in die Zukunft gehen.“

Aggressiver Großinvestor

Betriebsrat Manfred Schmidt spricht vom „aggressiven Großinvestor“, wenn er die Familie Hastor und ihre involvierten Gesellschaften Cascade und Prevent meint. „Die sind für uns existenzbedrohend“, sagt Schmidt und schildert, dass es aus der Automobilindustrie, dem Hauptkunden von Grammer, mehr oder weniger vornehme Zurückhaltung bei der Auftragserteilung gibt. Die Automobilisten fürchten die „Hastoren“, seitdie es gewagt haben, bei Volkswagen Produktionsstopps zu verursachen.

„Jeder Arbeitsplatz von Grammer weltweit ist in Gefahr“, so Schmidt, der sich freut, dass an diesem Tag nicht nur an den vier regionalen Standorten Haselmühl, Immenstetten, Schafhof und in der Konzernzentrale von 1200 Anwesenden 1100 dem Aufruf des Betriebsrats und der IG Metall folgten. Auch der tschechische Gewerkschaftsverband schließe sich nunmehr den Protesten an. „Damit ist das kein deutscher Widerstand mehr, sondern ein europäischer“.

Kein Monopoly

„Es darf nicht sein, dass eine Minderheit ungeniert durchregiert“, fordert Schmidt die Mehrheitsaktionäre auf, bei der Hauptversammlung den Hastor-Vormarsch zu stoppen. „Und es darf kein Monopoly auf unsere Kosten geben.“ Wie das sein kann, darüber weiß Christian Zwack, der Betriebsratsvorsitzende der Luitpoldhütte, eine Menge Geschichten zu erzählen. Sein Unternehmen musste erst den schmerzhaften Weg durch die Insolvenz gehen, bis der russische Konzern JSC Cheboksary Aggregate Works als Mehrheitsaktionär ausgeschaltet und ein Neuanfang mit einem Investor gemacht werden konnte.

„Das war keine schöne Zeit, das war eine Scheiß-Zeit“, ruft er den Haselmühler Grammer-Mitarbeitern zu, Umso wichtiger sei es nun, dass die Belegschaft zusammenstehe und vor allem dem Betriebsrat und der Gewerkschaft folge. „Wir haben so unseren Kampf gewonnen, wir sind heute zu 95 Prozent aus unseren Problemen raus.“ Die kampfeslustigen Grammer-Leute nehmen es gerne zur Kenntnis.

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