Gemeinderat macht sich Gedanken über Finanzierung
Tierheim als Sorgenkind

Politik
Kümmersbruck
09.12.2016
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Mit Fundtieren hat sich der Gemeinderat befasst. Oder besser gesagt, mit dem Tierheim. Dessen Finanzierung müsse angesichts von Liquiditätsproblemen auf breite Ebene gestellt werden, findet Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl.

Die Aufgabe der Verwaltung von Fundtieren obliegt der Gemeinde, wobei sie sich Dritter bedienen kann, wie es im Amtsdeutsch heißt. Dabei müsse das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden. Sei dies nicht möglich, könne sich die Kommune eines Tierschutzvereins, der ein Tierheim betreibt, bedienen. Sie müsse aber die Kosten, einschließlich der für erforderliche tierärztliche Behandlungen tragen. Dazu zählen auch Impfungen, die ein Ausbreiten von Infektionskrankheiten verhindern sollen. Problem für die Landkreis-Gemeinden sei, dass der bisherige Betrieb des vom Tierschutzverein betreuten Tierheims nicht kostendeckend sei.

Ein Euro statt 50 Cent

Zum einen seien die regelmäßigen Einnahmen unzureichend, zum anderen seien neue, den aktuellen tierseuchenrechtlichen Vorschriften entsprechende Einrichtungen unmöglich. Die Gemeinde Kümmersbruck erfülle ihre Pflicht, habe bisher 50 Cent pro Einwohner geleistet und einstimmig beschlossen, dass sie ab 1. Januar einen Betrag von einem Euro je Einwohner jährlich zahlt.

Zwar gebe es keinen Sperrvermerk, wie bei der Sitzung betont wurde, gleichwohl müssten alle Gemeinden dieser Pflicht nachkommen - doch daran scheine es offenbar bei manchen noch zu fehlen. Im Gegensatz soll nach Angaben von Hauptamtsleiter Wolfgang Roggenhofer die Gemeinde Kümmersbruck künftig Aufsichts- und Kontrollrechte erhalten. Dies soll in einem neuen Fundtiervertrag geregelt werden. Bei Bedarf, so der Beschluss des Gemeinderates, kann die Ein-Euro-Pauschale erneut angepasst werden.

Aus tierschutzrechtlichen Gründen sei es unumgänglich, die Gebäude an die derzeitigen Rechtsvorschriften anzupassen. In einem ersten Bauabschnitt sei eine Katzenquarantäne-Station für rund 400 000 Euro errichtet worden. Daran hätten sich die Gemeinden "in der Regel mit einer Pauschale von zwei Euro pro Einwohner beteiligt". Im zweiten Bauabschnitt komme ein Hundetrakt hinzu, im dritten ein Verwaltungs- und Kleintiergebäude. Für die Maßnahmen sind laut Finanzierungsplan von 2014 rund 900 000 Euro anzusetzen. Diese Kosten ließen sich nicht durch die Ein-Euro-Pro-Kopf-Pauschale finanzieren, möglicherweise werde ein zusätzlicher, derzeit noch nicht bekannter Betrag erforderlich, so Strehl.

Solidarität eingefordert

Kreisrat Richard Gaßner monierte, dass dieses "wichtige Problem im Kreistag im nichtöffentlichen Teil platziert wird". Laut Gaßner habe der "Bürger ein Recht darauf, zu erfahren, was mit dem Geld passiert". Der Altbürgermeister sagte zudem, dass Solidarität bei allen Gemeinden eingefordert werden müsse. Auch Gaßners Nachfolger Roland Strehl richtete einen flammenden Appell an die Kommunen: "Es muss in Sachen Tierschutz ein Miteinander werden, wir als öffentliche Hand und Geldgeber müssen einen Einblick haben."

Es muss in Sachen Tierschutz ein Miteinander werden, wir als öffentliche Hand und Geldgeber müssen einen Einblick haben.Bürgermeister Roland Strehl
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