Landratsamt fragt sich: Wohin mit den toten Tieren?
Schweinepest: Kümmersbruck lehnt Sammelplatz in Theuern ab

Der Kümmersbrucker Bauausschuss will keinen Sammelplatz für tote Wildschweine, die mit Schweinepest infiziert sind, hinter der Außenstelle des Theuerner Museums. Bild: Hirschberger/dpa
Politik
Kümmersbruck
21.02.2018
539
2

Eigentlich hatte diese Bauausschuss-Sitzungs nur unproblematische Baugenehmigungen auf der Tagesordnung. Doch die wurde aus aktuellem Anlass vom Bürgermeister um ein brenzliges Thema erweitert: Es ging um die vom Landkreis vorgeschlagene zentrale Wildannahmestelle in Theuern - für den Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest im Raum Amberg-Sulzbach.

Wenn die Seuche im Landkreis auftauche, müsse man rasch auf ein geeignetes Areal und auf entsprechende Gebäude zurückgreifen können. Benötigt werden diese, damit "man verseuchte Wildschweine entsorgen kann", wie Bürgermeister Roland Strehl erläuterte. Der Landkreis habe nun Theuern als Standort für eine solche Einrichtung vorgeschlagen, informierte Strehl.

Es gibt Vorgaben

Eine solche Wildannahmestelle müsse nach Mitteilung des Landratsamts bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Das Gelände muss groß genug sein, damit man es mit Containern bestücken kann, um tote Wildschweine zu entsorgen. Leicht zu desinfizieren müssen diese Bauten sein, zudem abschließ- und beleuchtbar. Wasser- und Kanalanschluss seien erforderlich und die Anlage dürfe auch nicht in unmittelbarer Nähe eines schweinehaltenden Betriebes liegen. Das wäre sie an dieser Stelle in Theuern nicht - obwohl, wie Strehl sagte, "Kümmersbruck eine klassische Schweinezuchtgemeinde ist".

Post vom Landratsamt

Erst vor wenigen Tagen sei der Gemeinde eine offizielle schriftliche Anfrage zugegangen, ob sie "bereit wäre (...), für einen Standort in Theuern ein entsprechendes Grundstück zur Verfügung zu stellen". Konkret ins Auge gefasst habe das Landratsamt ein Gelände in Theuern, auf dem sich eine Außenstelle des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern (Förderturm und Maschinenhaus) befindet. Vom Radweg aus gesehen liegt es hinter dem Förderturm in Richtung Westen.

Ein entsprechendes Genehmigungsverfahren inklusive Klärung der Zufahrt sei einzuleiten. "Genau das wollen wir prüfen", sagte Strehl. Aber man müsse auch klären, "ob es in der Gemeinde noch andere geeignete Grundstücke gibt".

Ausschuss sagt NeinDer Kümmersbrucker Bauausschuss sprach sich einstimmig gegen einen Sammelplatz für tote Wildschweine hinter der Außenstelle des Theuerner Museums aus.

"An dieser Stelle ist diese Annahmestelle nicht vorstellbar", betonte Herbert Breitkopf (SPD). Er wohnt in Theuern und führte ins Feld, dass man die toten Schweine durch die gesamte Ortschaft fahren müsste, um die Annahmestelle zu erreichen. Geradezu paradox sei es, "dass für das Museum und seine Außenstellen rund zehn Millionen Euro für die Sanierung investiert werden" - um es dann durch diese Wild-Annahmestelle zu entwerten.

Warum überhaupt Theuern? Das war eine Kernfrage in der Debatte. Wie man überhaupt auf so eine Standort-Idee komme, wollte Gemeinderat Hans Graf (CSU) wissen. Er schlug stattdessen ein Gelände neben der Kläranlage in Theuern vor. Franz Kölbl (SPD) meinte, man könne doch Räume im aufgegebenen Amberger Schlachthof nutzen. Thomas Pronath (CSU) war der Ansicht, dass das Landratsamt im Landkreis "bestimmt genügende aufgelassene Hallen hat": "Warum muss das auf der grünen Wiese in Theuern an dieser Stelle sein?" (e)
2 Kommentare
7
Paul Wichtre aus Amberg in der Oberpfalz | 22.02.2018 | 15:33  
Stephanie Wilcke aus Amberg in der Oberpfalz | 22.02.2018 | 18:04  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.