05.10.2017 - 14:34 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

DLRG-Ortsvorsitzender Gerhard Schottenheim über das Schwimmniveau von Kindern: Seepferdchen allein reicht nicht

Kinder- und jugendgerechtes Schwimmen - kurz KJS - hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die vierstufige Ausbildung für Schwimmlehrer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bis hin zum Ausbilder für Rettungsschwimmer. Zum ersten Mal wurde ein solcher Kurs unter Leitung von Nina Winter im Kümmersbrucker KA2-Bad abgehalten.

Wasserrettung stand natürlich auch auf dem Stundenplan des Lehrgangs.
von Andreas Brückmann (brü)Profil

Die Themen waren: Wie gewöhne ich die Kinder an das Wasser, wie nimmt man ihnen die Angst, wie baut man Schwimmkurse und -training auf? In Kümmersbruck beteiligten sich in zwei Gruppen 45 Teilnehmer aus ganz Bayern, welche die Stufen 2 und 4 des Kurses zu absolvieren hatten. Gerhard Schottenheim, Vorsitzender des DLRG-Ortsverbands Amberg, sprach mit der Amberger Zeitung über die Schwimmkünste der deutschen Kinder und die immer weniger werdenden Bäder auf dem Land.

Die Zahl der Badeunfälle mit tödlichem Ausgang ist in den vergangenen Jahren besonders bei den Kindern und Jugendlichen gestiegen. Was ist die Ursache?

Gerhard Schottenheim : Es fängt bei der Schwimmfähigkeit der Kinder an. Hierzu gibt es eine Forsa-Studie aus dem Frühjahr. Hier wurde festgestellt, dass im Jahr 2005 mehr als die Hälfte der unter Zehnjährigen schwimmen konnte. 2010 ging es auf 50 Prozent zurück, 2016 steht die Marke bei 41 Prozent. Dies gilt für Kinder, die sich nicht mehr sicher im Wasser bewegen können. Nur weil ein Kind das Seepferdchen bestanden hat, ist nicht alles gut.

Inwiefern reicht die Schwimmausbildung beim Seepferdchen nicht für einen sicheren Aufenthalt im Wasser?

Wenn man das Seepferdchen bestanden hat, bedeutet dies, man kann sich über Wasser halten. Als wirklichen Schwimmer kann man eigentlich erst den bezeichnen, der in der Lage ist, mindestens 15 Minuten im Wasser zu schwimmen und dabei 200 Meter zurückzulegen. Das ist die Mindestanforderung.

Wie kann man Kindern die Möglichkeit geben, die Anforderungen zu erfüllen?

Kindern soll das Schwimmen ermöglicht werden. In Deutschland ist das Problem, dass immer mehr Bäder geschlossen werden. Im vergangenen Jahr waren es gut 100 Stück. In Bayern ist es noch nicht ganz so akut. Aber es werden auch hier mehr geschlossen als eröffnet. Regelmäßiger Schwimmunterricht für Kinder wird erschwert.

Gilt das auch für die Region Amberg?

Gerade hier in Kümmersbruck ist es ein gutes Beispiel: Vor gut zwei Jahren wurde das Bad umgebaut. Das Bad wurde nicht nur renoviert, sondern auch um ein Becken erweitert. Darin kann Anfängern das Schwimmen beigebracht werden.

Anderorts ist es für Kinder nicht so einfach, ins Bad zu kommen ...

Das stimmt, zum Beispiel auch für Schulen. Es gibt Orte, da ist der Weg in das nächste Bad schlichtweg zu weit, um einen Schwimmunterricht anbieten zu können. Wichtig ist es daher aus unserer Sicht, die dezentral gelegenen Bäder zu erhalten, wie zum Beispiel in Hahnbach. In Amberg stößt man langsam an die Kapazitätsgrenzen, da die Bäder eben von Schulen und Vereinen bereits fast voll genutzt werden.

Die meisten neu geöffneten Bäder sind sogenannte Spaßbäder, meist ohne eigene Schwimmbahn. Auch ein Problem?

Die sogenannten Spaßbäder haben natürlich ihre Berechtigung. Bloß sollte man beim Bau daran denken, dass auch ein Trainingsbecken integriert wird. Was nützt das beste Spaßbad, wenn man nicht schwimmen kann?

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