Neujahrsempfang von Kümmersbruck und Bundeswehr
Video-Blick in die Weltpolitik

Viele Vertreter aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens waren der gemeinsamen Einladung der Gemeinde Kümmersbruck und des Logistikbataillons 472 in die Schweppermannkaserne gefolgt. Bilder: e (3)
Vermischtes
Kümmersbruck
13.01.2017
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Oberstleutnant Alexander Kolb in seiner Video-Grußbotschaft.
 
Oberstleutnant Marco Pilhofer und Bürgermeister Roland Strehl (von links) begrüßten die Gäste beim Neujahrsempfang.

Small Talk, Händeschütteln, gegenseitige Wertschätzung, Rück- und Ausblick, dazu ein opulentes Mahl: Damit unterscheidet sich der Neujahrsempfang von Gemeinde Kümmersbruck und Logistikbataillon 472 nicht sehr von anderen. Dennoch gibt es einen Unterschied: Hier wird auch ein bisschen Weltpolitik gemacht. Diesmal sogar per Video.

In der Schweppermannkaserne wiesen Fackelträger den geladenen Gästen den Weg. Es war der zwölfte Empfang dieser Art. Im Jargon der Bundeswehr heißt er offiziell "gemeinsame sicherheitspolitische Informationsveranstaltung" . Diese ist guter Brauch geworden und hatte diesmal einen besonderen Höhepunkt: Per Video-Schaltung wurde die Rede des Bataillons- Kommandeurs, Oberstleutnant Alexander Kolb, aus dem afghanischen Masar-i-Sharif übertragen.

Seinem Vertreter, Oberstleutnant Marco Pilhofer, war die Leitung des Empfanges am Heimatstandort übertragen - mit einem massiven Auftritt von Mandatsträgern sowie weiteren Gästen aus allen Bereichen des öffentlichen und militärischen Lebens, allen voran der Bürgermeister der Garnisonsgemeinde Kümmersbruck, Roland Strehl, sowie von militärischer Seite Oberst Nikolaus Bretz, Kommandeur der mobilen Logistiktruppen, dem die Kümmersbrucker Einheit unterstellt sind, Lieutenant Colonel Lent und Command Sergeant Major Harris (beide US Army).

Zeichen der Verbundenheit

Pilhofer wertete die Vielzahl der Gäste als Zeichen der Verbundenheit zwischen öffentlichem und militärischem Leben. Die Musik dazu lieferte der Musikverein Haselmühl-Kümmersbruck unter Leitung von Marcus Hoffmann. Der Vertreter des Bataillonskommandeurs nahm einleitend zu den sicherheitspolitischen Herausforderungen der Bundeswehr Stellung. Er gab einen umfassenden Rückblick auf die Meilensteine im vergangenen Jahr, auf die PersonalAbstellungen für Einsätze (Resolute Support Afghanistan, Kosovo Force, European Union Training Mission Mali, Ausbildungs-Unterstützung Nord-Irak und European Union Training Mission Somalia) sowie einen Ausblick auf 2017.

Gesunde Heimkehr

Die "konstruktive Zusammenarbeit der uniformierten Logistiker mit der Gemeinde" war ihm ebenfalls eine Erwähnung wert. Die Grüße des Landkreises überbrachte stellvertretender Landrat Franz Birkl: "Ich wünsche heuer weniger an Kriegen und Einsätzen, und dass die Soldaten wieder gesund heimkehren." Oberst Nikolaus Bretz (Erfurt) schloss seine Neujahrswünsche mit einem Einstein-Zitat: "Wenn's alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs neue. Und war es schlecht, dann erst recht." Roland Strehl ist zwar nach eigenen Angaben "kein Hellseher", geht aber dennoch davon aus, dass "nach einem ereignisreichen, zum Ende hin sogar dramatischen Jahr 2016, wohl auch ein ähnlich spannendes Jahr 2017 folgen wird".

Video-Grüße aus AfghanistanAus dem Camp Marmal in Masar-i-Sharif in Nord-Afghanistan richtete Oberstleutnant Alexander Kolb eine Grußbotschaft an das Neujahrstreffen in seiner heimatlichen Kaserne und an die Patenkommune Kümmersbruck. Er blickte zurück auf März 2016, als ihm das Kommando des Logistikbataillons 472 übertragen wurde - für ihn der Höhepunkt seiner Laufbahn.

Seither sei er verantwortlich für 800 Soldaten. Die seien, gut ausgebildet, in Mail, Somalia, im Kosovo, in der Türkei oder im Irak eingesetzt und hätten hervorragende Arbeit geleistet. Ein Großteil des Stabes befinde sich mit der 2. Kompanie des Logistikbataillons in Afghanistan im 7. DEU Einsatzkontingent Resolute Support.

Die Kräfte unter seiner Führung seien fast alle im sogenannten multinationalen Unterstützungverband Masar-i-Sharif eingesetzt, einem Verband mit rund 1200 Soldaten aus 13 Partnernationen. Zum Portfolio des Verbandes gehören laut Kolb Fähigkeiten der Kampftruppe aus der deutschen und der multinationalen Schutzkräftekompanie - und eben Logistiker aus dem heimatlichen Bataillon 472. Es sei eine besondere Herausforderung, neben seinem Verband auch eine Feldjäger-, eine Unterstützungs- sowie drei Kampfkompanien zu führen.

Letztlich dienten alle Anstrengungen dazu, "unsere afghanischen Partner in die Lage zu versetzen, ihr Ausbildungsniveau und ihre Qualifikation dauerhaft und kontinuierlich zu erhöhen und sie allmählich zur selbstständigen Gewährleistung der Sicherheit im Land zu befähigen."

Von besonderen Herausforderungen, wohl auch Gefahren, sprach der Bataillonskommandeur. Er erinnerte an den Angriff auf das deutsche Generalkonsulat im November sowie den Anschlag auf die US-Basis in Bagram mit vier toten amerikanischen Kameraden.

Alle Soldaten des Verbandes spätestens Ende März 2017 wieder gesund nach Hause zu bringen, bleibe sein oberstes Ziel. Für 24. Mai sei der Rückkehrerappell geplant. (e)


Kümmersbruck ist stolz auf sich und seine LogistikerTraditionsgemäß galt der Rückblick des Kümmersbrucker Bürgermeisters den Leistungen der Gemeinde und Gemeinsamkeiten von Bataillon und Patengemeinde. "Die Gemeinde Kümmersbruck war auch 2016 auf einem guten Weg", befand Roland Strehl, und sie habe dabei "kräftig Strecke gemacht". An der Lebensqualität, den Finanzen und Investitionen machte er das fest.

Strehl erinnerte an die 3,9 Millionen Euro für den Eigenbetrieb Wasser und Energie, an die rund 3,2 Millionen Euro für die Theuerner Brücke sowie an die "mutige Entscheidung", aus dem ehemaligen öffentlichen Schulschwimmbad ein modernes Aktivbad (KA 2) zu machen - "im Nachhinein betrachtet, nach einem Jahr Betriebszeit, goldrichtig". Die Bürger hätten das KA 2, für das die Gemeinde für 2016 noch 545 000 Euro restfinanzieren müsse, "als Geschenk angenommen und ins Herz geschlossen".

Als weitere wichtige Investitionen nannte Strehl die Dreifachturnhalle, die öffentliche Toilette, den Feuerwehr-Funktionsbau und den Rathausparkplatz. Kümmersbruck sei "Gott sei Dank in der Lage, solche sinnvolle Dinge anzugehen und ohne Neuverschuldung umzusetzen". Das Gegenteil sei der Fall: "Wir haben den Schuldenstand in dieser Zeit um 714 000 Euro reduziert."

Für 2017 stünden Grundstückskäufe, Gewerbeflächen, Städtebauförderung, der neue Dorfplatz, ein seniorengerechtes Wohnquartier, Krippen und Schule im Fokus. Stolz sei die Gemeinde "als verlässlicher Partner unserer Bundeswehreinheit, dem Logistikbataillon, und aller Einheiten, die in dieser Kaserne beheimatet sind oder hier in naher Zukunft beheimatet sein werden." (e)


Zitate"Möge das neue Jahr Sie alle, sowie unsere Soldaten im weltweiten Einsatz, vor Schaden und Leid bewahren, und möge Gottes Segen, der größer ist als alles, was wir uns Menschen vorstellen können, uns alle begleiten."

Oberstleutnant Marco Pilhofer

"Der Empfang in der Schweppermannkaserne ist sichtbares Zeichen für ein gelebtes Miteinander. Der Rückhalt, den man hier spürt, ist etwas ganz Besonderes."

Oberst Nikolaus Bretz

"Ich empfinde es als große Ehre, auch angesichts der Inflation an Neujahrsempfängen, dass Sie unserer Einladung so zahlreich gefolgt sind."

Roland Strehl

"So werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vom Bund bis zu 100 Millionen Euro in die Ertüchtigung der hiesigen Schweppermannkaserne investiert - Geld, das den Bundeswehrstandort sichert und unsrer heimischen Bauwirtschaft wahrscheinlich auch ganz gut tut."

Roland Strehl (e)
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