10.07.2017 - 20:00 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Vortrag über das Kriegsgefangenenlager Mikrokosmos im Weltkrieg

Mit dem dritten begleitenden Vortrag hat sich die Ausstellung "Das Kriegsgefangenenlager Amberg-Kümmersbruck im Ersten Weltkrieg" dem Ende zugeneigt. Die Schau war auf großes Interesse bei den Bürgern gestoßen.

Achim Fuchs beim Schlussvortrag in Theuern. Bild: e
von Klaus HöglProfil

Theuern. Die Ausstellung sei bei der Bevölkerung auf reges Interesse gestoßen, hieß es. Erstaunlich sei allenfalls, dass sich die Schulen nahezu gar nicht für dieses Kapitel Geschichte interessiert hätten. Die Exponate der Ausstellung gehen nunmehr wieder zurück an die Archive oder an die privaten Leihgeber. Der Schlussvortrag blieb dem Historiker Achim Fuchs (75) vorbehalten. Er vermittelte mit der Thematik "Das Kriegsgefangenenlager ein Mikrokosmos während des Krieges" sein profundes Wissen über ein Kapitel Amberger und Kümmersbrucker Lokalgeschichte zwischen 1914 und 1915.

Fuchs hat jahrelang allein über dieses Thema recherchiert, sein Interesse fußt wohl auch auf der Tatsache, dass er nominell bis 2007 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv tätig war. Daher konnte er sich umfangreiche Kenntnisse über das damalige Lager am heutigen Bergsteig in Amberg aneignen. Fuchs ist auch Ideengeber zu dieser einmaligen Ausstellung. Er betonte, dass er mit den zuständigen Stellen und Archiven interessierte Mitstreiter gefunden habe: Maria Rita Sagstetter, Johannes Laschinger, Professor Isabella von Treskow, die zeitgleich über ein Kriegsgefangenenlager in Regensburg forschte, und das Kulturschloss Theuern.

So entstand schließlich mit umfassenden Themenbeiträgen von Gerhard Hetzer, Martina Haggenmüller, Günter Rambach, Professor Wolfgang Asholt, Manuela Schwartz, Dominik Bohrmann, Camilla Weber, Anne-Marie Brey und Johannes Laschinger der 228-seitige Begleitband zur Ausstellung. Und schließlich trug Dr. Achim Fuchs mit seinen Recherchen über evakuierte französische Zivilisten, die kriegsgefangenen Soldaten, Außenlager Maxhütte, die medizinischen und hygienischen Verhältnisse im Lager, schließlich Geburten und Sterbefälle, Bewirtschaftung und letztendlich die Aufhebung des Lagers zum Zustandekommen der Schriftenreihe bei.

Im Schlussvortrag ging Achim Fuchs umfassend und grundsätzlich auf die Geschichte der Kriegsgefangenschaft ein, auf den Ersten Weltkrieg mit der Mobilmachung am 1. August 1914. Ende August 1914 seien die ersten Gefangenen in Amberg eingetroffen, Mitte September seien 776 französische Mannschaften bereits als Gefangene da gewesen. Anfangs März 1915 seien dann auch die ersten russischen Gefangenen eingetroffen. Das damals so bezeichnete Hüttenlager habe für 5000 Mann, statt für 3000, errichtet werden müssen, erklärte Fuchs.

Das Lager, südlich der Leopoldkaserne bis zum Bogen der Eisenbahn, habe 13 Baracken umfasst, die großen Baracken seien mit bis zu 600 Mann belegt worden. Im Oktober 1014 sei in Amberg ein Zug mit etwa 700 französischen Zivilisten eingetroffen, Dorfbewohner aus einem Gebiet zwischen Metz und Verdun. Fuchs referierte über die Post, die Zensur, die Propaganda, das gemeinsame Zusammenleben zwischen "Zivilen" und "Kriegsgefangenen", über das Lagerleben, Handwerk, Freizeitgestaltung, Verpflegung.

Verhungert sei niemand, gleichwohl habe die Verpflegung zum Überleben gereicht, mehr aber auch nicht. Kommandos in der Stärke zwischen ein und mehreren hundert Mann hatten außerhalb des Lagers gearbeitet (darunter 52 für die Maxhütte in Lengenfeld). Nach dem Waffenstillstand scheinen die letzten Gefangenen im Spätwinter 1918/19 das Kriegsgefangenenlager Amberg/Kümmersbruck verlassen zu haben. Zumindest sind zu dieser Zeit die letzten Sterbefälle beurkundet.

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