11.05.2018 - 16:06 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Zwei Amberger Handwerker wagen schwierige Sanierung in Lengenfeld "Altes Glump" ein echter Schatz

"Was wollt ihr denn mit dem alten Glump?" Diese Frage haben Nico Sticke (40) und Wolfgang Schmidt (52) in den vergangenen Jahren oft gehört. Die Antwort geben die beiden jetzt: Sie laden Interessierte ein, sich anzuschauen, was sie aus einem schwierigen Sanierungsobjekt in Lengenfeld gemacht haben.

Die beiden Freunde Nico Sticke (Bildmitte) und Wolfgang Schmidt (rechts) haben mit viel Herzblut, Zeit, Arbeit und Geld das historische Wohnstallhaus "Girgerlbauer" in Lengenfeld beispielhaft restauriert. Das Anwesen wird seit Februar 2018 von Familie Schmidt, Sohn Fabian (links auf dem Bild), genutzt. Bild: schß
von Josef SchmaußerProfil

Lengenfeld. Im Mai 2013 hatte die Gemeinde Kümmersbruck den Girgerlbauern-Hof in Lengenfeld zum Verkauf angeboten. Eigentlich sollte das Wohnstallhaus, 1596 erstmals urkundlich erwähnt, abgerissen werden. Doch dann traten die Freunde Nico Sticke und Wolfgang Schmidt auf den Plan. Die beiden Amberger hatten gemeinsam zwei historische Bauten saniert. Bereits bei der ersten Besichtigung in Lengenfeld waren sie Feuer und Flamme für das seit 2003 unbewohnte Anwesen: Die erfahrenen Bau-Fachleute, beide selbstständige Handwerker, sahen sofort, dass noch genug Substanz erhalten war, um das Objekt zu retten.

Ein schlimmer Anblick

Dabei sah das Gebäude schlimm aus: Ein Teil des Daches war eingestürzt, der Zustand im Inneren schreckte eigentlich ab. Doch Nico Sticke und seinem Freund ist es ein großes Anliegen, dass nicht nur herrschaftliche historische Gebäude erhalten werden, sondern auch bäuerliche Anwesen mit großer Geschichte und vielen Details, die vom Leben früherer Generationen erzählen.

2014 kauften Sticke und Schmidt den Hof von der Gemeinde Kümmersbruck. Die Zusammenarbeit mit den Behörden, der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises und Friedrich Roskamp vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, bezeichnen sie als sehr harmonisch.

90 Prozent aller handwerklichen Arbeiten erledigten Nico Sticke und Wolfgang Schmidt selbst. In den nächsten beiden Jahren flossen ihre gesamte Freizeit, viel Eigenkapital und viel Energie in das Projekt.

Nicht nur eine Last

Wolfgang Schmidt und Nico Sticke wollten mit der Sanierung auch ein Zeichen setzen: Historische Gebäude sind nicht nur eine Last, sondern bieten auch ein ganz besonderes Wohnumfeld. Die beiden wollen anderen Grundstücksbesitzern mit "schwieriger" historischer Bausubstanz Mut machen, das Erbe ihrer Vorfahren nicht auszuradieren.

Übrigens hat Nico Sticke schon ein neues sanierungswürdiges Objekt im Visier - in Amberg, nur einen Steinwurf von der Martinskirche entfernt. Vor kurzem hat er das Anwesen Schiffgasse Nr. 3 gekauft. Wieder eine Mammutaufgabe für die beiden Idealisten. "Der berühmte Sanierungsbazillus hat uns schon wieder gepackt. Wir freuen uns sehr auf die neue Aufgabe", sagt Sticke.

Hereinspaziert!

Am Pfingstmontag, 21. Mai, bieten die Bauherren die Gelegenheit, von 15 bis 18 Uhr das sanierte Girgerlbauer-Anwesen in Lengenfeld (Kümmersbruck, Brückenstraße 5) zu besichtigen. Die Hofbesitzer und die beiden Restauratoren freuen sich auf viele Gäste. (schß)

Verborgene Kostbarkeiten entdeckt

Die beiden Handwerker entdeckten schon vor Beginn der Sanierung viele bautechnische Details, die einst auch die bäuerliche Bauweise prägten: Eine Bohlenbalkendecke mit der Jahreszahl 1767, eingeritzt am sogenannten Rußbaum, dem Unterzug, eine originale Rußkuchl, die historische Haustür und ein Bettelfenster -- eine Art Durchreiche, die es ermöglichte, dass fremde Besucher nicht das Anwesen betreten mussten.

Bei der Sanierung wurden im Erdgeschoss vermauerte Schlitzfenster entdeckt, die der Lichtzufuhr und der Belüftung dienten. Diese bauliche Eigenart belegt nach Ansicht von Fachleuten, dass die Baugeschichte bis ins späte Mittelalter zurückreicht.

Die Lebensbedingungen der Vorbesitzer waren mehr als einfach: kein Bad, nur kaltes fließendes Wasser, die Toilette außerhalb des Hauses. Ein Glücksfall war die Sammelleidenschaft der Bauersleute - historisches Inventar und Berge von Akten, zum Teil 300 Jahre alt, Post mit vielen interessanten Briefmarken und weitere Schriftstücke fanden sich, die zum Teil noch gar nicht gesichtet und ausgewertet werden konnten. Auch der ehemalige Brunnen wurde ausgegraben und neu aufgemauert. (schß)

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