09.03.2018 - 20:00 Uhr
Kulmain

Ergebnisse der zukunftswerkstadt im Gemeinderat Speichersdorf Lange Wunschliste der Jugend

Die Meinungen der Jugend nimmt die Kommune ernst. Die Gemeinderäte hören sich die Vorschläge aus der Zukunftswerkstatt an. Allerdings wird sich nicht jeder Vorschlag umsetzen lassen.

von Arnold KochProfil

Speichersdorf. In einer Sondersitzung ließ sich der Gemeinderat am Donnerstag über die vom Kreisjugendring (KJR) erstellte Themensammlung aus der Aktion "Zukunftswerkstatt" informieren. KJR-Geschäftsführer Rainer Nürnberger und Sven Fischer vom Kreisjugendamt stellten die Resultate vom 17. November vor. Bürgermeister Manfred Porsch bezeichnete den hervorragend besuchten ersten Termin dieser Art auf Landkreisebene als Erfolg und dankte allen Mitwirkenden.

Auf 120 Seiten sind die Wünsche, Forderungen und Bedürfnisse der Gemeindejugend aufgelistet. "Die Schule abzureißen oder eine kommunale Shisha-Bar einzurichten, geht nicht. Arbeiten Sie die Themen und Vorschläge gemeinsam mit der Jugend auf", riet Nürnberger. Bei der Themengruppe Infrastruktur und vorhandenes Raumangebot war die Umnutzung, Modernisierung und Neugestaltung des Bahnhofes und -geländes der Kernpunkt. Ganz oben auf der Wunschliste stehen ein Buswartehäuschen, Sitzgelegenheiten, Barrierefreiheit, freies W-Lan, Musik auf den Bahnsteigen und mehr Sicherheit durch Videoüberwachung. Als störend empfinden die Jugendlichen die Verunreinigung des Bahnhofes nicht nur durch Tauben. Wichtig sind ihnen auch eine funktionierende Eisbahn, erweiterte Nutzungszeiten der Sportarena samt Internetzugang und eine Parkanlage mit Grill- und Picknickareal. Im Schulzentrum sollten die Klassenzimmer neu eingerichtet, die WCs und der Pausenhof mit Spiel- und Sportgeräten aufgewertet werden. Zudem wünschen sie sich eine glutenfreie Bäckerei, Pizzeria, Eisdiele und einen Drogeriemarkt, Fahrradständer am Rathausbrunnen, sichere Geh- und Radwege, Ausbau maroder Straßen und Abriss alter Gebäude.

Laut Fischer fehlen der Jugend Freiräume und informelle Treffpunkte, um unter Gleichgesinnten Erfahrungen zu sammeln. Favorit bei den Wünschen sei eine Klettermöglichkeit. Zum Thema Jugendtreff ergänzte KJR-Vorsitzender Christian Porsch, dass mit der Caritas dafür ein neues Konzept ausgearbeitet wird.

Beim Themenkreis "Freizeit" stehen die Feuerwehr, Teeniekreis, Landjugend, Eislaufen und Hockey ganz oben auf der Liste. Auch würde sich die Jugend gern in einer Bar oder Disco treffen. Das Freizeitangebot sollte durch mehr Partybusse, -veranstaltungen, Musikevents, Ferienausflüge erweitert werden.

Zufrieden ist der Nachwuchs mit der Schule und deren Angebot, wobei das Essen günstiger sein könnte. Es fehlten weiterführende Schulen, Nachhilfeunterricht sowie Informationen zum Thema Umgang mit Internet, Geld und Steuern. Positiv wird das Angebot an Praktika- und Ausbildungsstellen in der Region gesehen, wobei direkt in der Gemeinde Mangel herrscht. Angehende Erzieher müssen weite Schulwege auf sich nehmen. Man wünscht sich mehr Möglichkeiten zur Kreativität und Sport.

Unerfüllbar werden wohl ein Schwimmbad, Skate- und Trampolin- sowie Erlebnispark bleiben. Der weitere Ausbau des Radwegenetzes ist jedoch machbar. Die Jugend würde sich auch verstärkt an Spendenläufen beteiligen. Es mangelt an musikalischer Unterhaltung und Partyangeboten sowie Einkaufsmöglichkeiten in angesagten Geschäften. Ein Großteil möchte freitags von 18 bis 22 und samstags von 14 bis 22 Uhr mehr Freizeitangebote.

"Wenn ich König von Speichersdorf wär,..." würde das Breitbandnetz schnellstens ausgebaut werden. Freies W-Lan und offene Hotspots wären Pflicht. Unzufrieden sind die Jugendlichen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: kein Agilis-Ticketautomat, keine Fahrkartenvergünstigung für Azubis, überfüllte Busse und Bahnen, Verspätungen und Ausfälle. Zudem sahen sie Verbesserungsbedarf bei der Fahrplanabstimmung zwischen Bus und Bahn, Taktung und Anbindung zu den Ortsteilen. Nach 0 Uhr sollte ein Spätzug von Bayreuth fahren.

Nürnberger resümierte, dass die Vorschläge ernst genommen werden müssen. Deshalb sei die Kommunikation zwischen Gemeinde, Entscheidungsgremien und der Zielgruppe sehr wichtig. Die politischen Gremien sollten sich zeitnah mit dem Ergebnis der Zukunftswerkstatt befassen. "Wir werden diese Sammlung zunächst etwas sacken lassen, dann den Faden mit der Jugend aufnehmen und mit ihr Lösungen suchen", versicherte Manfred Porsch. Christian Porsch erklärte, dass für Spielplatzsanierungen, Schul-WC und -hof sowie Wartehäuschen am Bahnhof Mittel im Haushalt 2018 eingestellt sind. Das Gemeindeoberhaupt kündigte ein Forum mit Vertretern der Jugend, Vereinen und Ratsvertretern an, in dem über Möglichkeiten der Umsetzung diskutiert werden soll. In der Diskussion stellte der Rat klar, dass auch die Jugend gefordert ist, aktiv mitzuwirken.

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