03.04.2018 - 20:00 Uhr
KulmainOberpfalz

Sauber ertüchtigen

27 Jahre nach Inbetriebnahme muss die Kläranlage Witzlasreuth ertüchtigt werden. Die Gemeinde informiert die Bürger über die Gründe und den Umfang der notwendigen Maßnahmen.

Noch in diesem Jahr muss die Kläranlage in Witzlasreuth saniert und modernisiert werden. Bild: exb
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Witzlasreuth. Die Kommune hatte dazu Günter Schwab und Christopher Kick vom Büro Zwick-Ingenieure in Weiden eingeladen. Zweiter Bürgermeister Albert Sollfrank, der das erkrankte Gemeindeoberhaupt Günter Kopp vertrat, erläuterte den über 30 Zuhörern im Vereinsheim, dass die Gemeinde rechtzeitig vor dem Ablauf der wasserrechtlichen Erlaubnis für das Einleiten des in der Kläranlage behandelten Abwassers in Witzlbach das Büro Zwick mit Untersuchungen und Planungen beauftragt hatte.

Dabei loteten die Ingenieure auch Alternativen für die Ertüchtigung der Anlage aus, so einen Anschluss per Druckleitung an das Kanalnetz in Frankenreuth oder in Oberwappenöst, aber auch an das Kanalsystem von Neusorg. All diese Möglichkeiten würden aber neben größeren baulichen Investitionen auch hohe Betriebskosten verursachen, meinte der Redner. Neben der Verbesserung der Kläranlage selbst muss die Gemeinde das Witzlasreuther Kanalnetz in Teilbereichen sanieren, da der Zufluss von Fremdwasser aus Gräben oder Drainagen zur Kläranlage erheblich reduziert werden muss. Untersuchungen zu dieser Problematik laufen laut Sollfrank bereits.

Fremdwasser reduzieren

In Abstimmung mit dem Wasserwirtschafts- und dem Landratsamt sei die planerische Darstellung der notwendigen Ertüchtigungsmaßnahmen erfolgt und dem Gemeinderat im Mai 2016 vorgestellt worden, berichtete Kick. Mit Bescheid vom 20. Dezember 2016 habe das Landratsamt Tirschenreuth die wasserrechtliche Erlaubnis zum weiteren Betrieb erteilt. Auflage sei, dass spätestens ab 1. Januar 2019 die neu festgelegten Ablaufwerte eingehalten und der Fremdwasserzufluss auf die zulässige Menge reduziert werde.

Wie Schwab ausführte, soll daher zur Regenwasserbehandlung die Wehrschwelle des Beckenüberlaufes um 30 Zentimeter angehoben werden, um ein zusätzliches Rückhaltevolumen von 120 Kubikmetern zu schaffen. Der Schönungsteich wird in ein Regenrückhaltebecken umgebaut. Insgesamt steige das Teichvolumen auf 490 Kubikmeter. Im klärtechnische Betrieb soll ohne Rechen erfolgen. Sollten Probleme durch Feuchttücher, Hygieneartikel und ähnlichem bei der Klärschlammentsorgung entstehen, könnte ein Rechen nachgerüstet werden. Allerdings würde das Umbaumaßnahmen und größeren Aufwand beim Betrieb bedeuten. Die defekten Rotationstauchtropfkörper müssen laut Schwab entfernt werden. Stattdessen wird in das Becken ein Festbett (Kunststoffröhrenprofile) eingebaut, um Abbaubakterien eine große Aktionsflächen zu bieten. Gleiches gilt für das Nachklärbecken, das umfunktioniert wird.

Vom Bauhof aus steuern

Für eine optimale Abbauleistung werden in einem zu errichtenden kleinen Gebäude zwei Drehkolbengebläse zur Belüftung installiert. Als einziges Bauwerk muss das Nachklärbecken mit 4,6 Meter Durchmesser und 4,45 Meter Tiefe komplett neu errichtet werden. Zudem werden Verbesserungen und Optimierungen an der Mess- sowie Regeltechnik vorgenommen und die Steuerung auf die Leittechnik der Gemeinde im Bauhof aufgeschaltet. So kann der Klärwärter von dort aus den Betriebsablauf ablesen.

Gutachten über den Baugrund und die vorhandenen Betonbauteile lassen keine größeren Probleme erwarten, meinte Schwab. Lediglich die oberen 60 Zentimeter der Wände der Betonbecken müssen wegen der hier sichtbaren Schäden erneuert werden. Der anfallende Klärschlamm wird bei Bedarf abgefahren, entwässert und künftig über externe Dienstleister thermisch entsorgt. Die Baumaßnahmen sind derzeit ausgeschrieben und noch 2018 umzusetzen, um die Vorgaben des Wasserrechtsbescheides einzuhalten. Die Gesamtkosten werden nach aktuellem Stand bei rund 600 000 Euro liegen. Hinzukommt die Beseitigung des überschüssigen Erdmaterials.

Sollfrank führte in der Diskussion an, dass nach Vorliegen der Angebote im Laufe des Aprils eine größere Kostensicherheit besteht. Dann werde der Gemeinderat den Modus (Einmalzahlung, Erhöhung der Abwassergebühren oder Kombination aus beiden) zur Finanzierung festlegen. Die Kosten für die Ertüchtigung der Abwasseranlage seien vor allen im Gemeindebereich an die öffentliche Kanalisation angeschlossenen Anwesen zu tragen. Staatliche Zuschüsse seien nicht zu erwarten. Während der Bauphase werde die Kläranlage funktionsfähig gehalten.

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