30.03.2017 - 20:00 Uhr
KulmainOberpfalz

Dr. Kampe: Konservative Therapie stets vor Protheseneinsatz Bei Hüftschmerz nichts übers Knie brechen

Der menschliche Fuß verrichtet Schwerstarbeit. Im Laufe seines Lebens legt der Mensch etwa 128 000 Kilometer zurück. Für Dr. Michael Kampe ist es daher kein Wunder, dass sich Verformungen oder das ein oder andere Wehwehchen einstellen. Der Leiter des Endoprothesenzentrums in Kemnath sprach auf Einladung des KAB-Ortsverbandes über Vorderfußformitäten sowie die Knie- und Hüft-Endoprothetik. Ebenso ging der Mediziner auf die zahlreichen Fragen der Zuschauer ein.

Dr. Michael Kampe. Bild: jsa
von Jürgen RauchProfil

Laut Kampe ist die häufigste Form einer Verformung der Hallux valgus (Schiefstand des Großzehs). Ursachen dafür sind nicht nur zu enges oder unpassendes Schuhwerk, aber auch Vererbung. Bei der Therapie sei das Ziel immer die Schmerzreduzierung. In vielen Fällen bleibe nur eine Operation als Alternative. Der Hallux valgus sollte möglichst früh behandelt werden, da er auch Auswirkungen auf die "kleinen Zehen, den Unterschenkel, die Gelenke und sogar das Knie haben kann".

Im zweiten Teil widmete sich der Referent der Knie-Endoprothetik. Seit 2015 gebe es in Kemnath ein Endoprothetikzentrum. Stolz sei er auf die Teilnahme am Endoprothetikregister, denn hier könne der Verlauf einer jeden Prothese verfolgt werden. Infolge von Fehlbelastungen, Fehlstellungen (X oder O-Bein), Unfällen, Meniskusverletzungen und Voroperationen sowie durch Entzündungen des Kniegelenkes oder Rheumaerkrankungen könne es zu einem vorzeitigen Verschleiß des Knorpels kommen. Folge seien schmerzhafte Funktionseinschränkungen.

Die Arthrose erklärte er als sehr schmerzhafte, degenerative Gelenkveränderung infolge eines krankhaften Verschleißes des Gelenkknorpels sowie anderer Weichteilstrukturen, wie den Meniskus oder die Kreuzbänder. Angeborene oder erworbene Fehlstellungen oder Deformierungen des Kniegelenks führten über eine dauerhafte mechanische Fehlbelastung oft zu einer einseitigen Abnutzung des Gelenks. Übergewicht könne ähnliche Folgen haben.

Auch hier werde zunächst die konservative Therapie vorgezogen, betonte Kampe. Zu den operativen Methoden zählte er den Einsatz eines Monoschlittens (in 9 Prozent der Fälle), eines Doppelschlittens (86 Prozent) und einer Scharnierprothese (5 Prozent). Laut Studien weisen die Prothesen bei etwa 95 Prozent der Patienten eine Haltbarkeit von mindestens zehn Jahren aus.

Die Beweglichkeit nach dem Eingriff hänge unter anderem vom Zustand der Sehnen und Muskeln und vom Körpergewicht ab. Sehr wichtig sei auch die Nachbehandlung. Sport mit wenig Stoß- und Stauchbelastungen, wie Wandern, Nordic Walking und Schwimmen sei sogar erwünscht.

Auch bei Hüftproblemen ist meistens Arthrose die Ursache. Die Hüftendoprothetik zählt inzwischen zu den häufigsten Operationen. Alleine in Bayern werden pro Jahr rund 28 000 Eingriffe vorgenommen, wusste Kampe. Bei den Protesen habe sich der Standartschaft als der "Goldstandard" erwiesen, bei den Pfannen sei die Press-Fit-Pfanne die beste Lösung. Bei der Haltbarkeit und beim Sport gelte Ähnliches wie bei der Knieprothese, allerdings empfahl Kampe hier eher Radfahren und Tanzen.

Nach seinem Vortrag erkundigte sich ein Zuhörer nach Keimen im Kemnather Krankenhaus. Kampe erklärte, dass man damit keine Probleme habe und in der Statistik ganz unten liege.

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