27.10.2017 - 20:00 Uhr
KulmainOberpfalz

Forstbetriebgemeinschaft Kemnath beklagt immense Einschlagmengen wegen Unwetter und Borkenkäfer Holzmarkt bricht nach Stürmen ein

Der Holzmarkt hat mit Überangebot und die Waldbauern mit Windbruch sowie Borkenkäfer zu kämpfen. Doch die Nordoberpfalz bleibt von manchem verschont.

Stürme und der Borkenkäfer sorgten für Verwirbelungen auf dem Holzmarkt. Über das Ausmaß berichtete Walter Ehlich (stehen) den Mitgliedern der Forstbetriebsgemeinschaft um Vorsitzenden Josef Hösl (rechts). Bild: ak
von Arnold KochProfil

Ölbrunn. Zur ersten der drei Gebietsversammlungen traf sich die Forstbetriebsgemeinschaft Kemnath (FBG) im Gasthaus "Zur Schönen Aussicht". Nach der Begrüßung durch Vorsitzenden Josef Hösl beleuchtete Geschäftsführer Walter Ehlich den wegen Überkapazitäten angespannten Holzmarkt. "Nicht nur die Sturmereignisse Niklas und Kolle, sondern auch massenhaft Käferholz aus deutschen und osteuropäischen Schadgebieten beeinflussen den Holzmarkt und die Preise." Der August-Sturm Kolle verursachte 2,5 Millionen Festmeter Schadholz im Süden Bayerns, das nun rasch aufgearbeitet werden muss, um größeren Wertverlust zu verhindern. "Der Holzmarktpreis ist praktisch über Nacht massiv eingebrochen. Dies wurde noch durch die drei heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung, auflaufende Trockenschäden und Borkenkäferbefall verstärkt."

Besonders betroffen sind die mittlere und südliche Oberpfalz, Südbayern und die Fränkische Platte. Die Borkenkäferpopulation konnte gut überwintern und breitete sich massiv aus. Der notwendige Holzeinschlag minderwertigeren Holzes in Tschechien, Polen und Rumänien drückt zudem den regionalen Holzpreis massiv. Die großen Sägewerke zapften die daraus entstehenden Holzströme an und versorgten sich mit Nutzholz zu günstigen Preisen. Diese Umstände belasten den EU-Holzmarkt stark.

Das in Südbayern und in Kärnten ungeplant auf den Markt geworfene Schadholz führte zu Vertragsstornierungen und Preisabschlägen bis zu 25 Prozent unter den vertraglich vereinbarten Festmetersätzen. Ehlich bezeichnete dieses Verhalten als "unpartnerschaftlich". Durch den gewaltigen Anteil von rund 15 Millionen Festmeter Bruchholz geht dieser in großem Maße in den Fernabsatz, da der Markt gesättigt ist. Besonders sorgte der kurz vor den Schadenseignissen vereinbarte und dann nicht mehr gehaltene Holzpreis von 90 Euro pro Festmeter im Leitsortiment für Unruhe bei den Waldbesitzern.

Große Problem im Absatzmarkt ist jedoch die Logistik samt Transportkapazitäten. Deshalb wirkt sich der zu erzielende Holzpreis großteils lokal und nur wenig überregional aus. Die Sägewerke sind gut ausgelastet, da verstärkt Bauholz nach Afrika und in die USA geliefert wird. Jedoch hält auch im Einzugsgebiet der FBG Kemnath der Druck auf die Rundholzpreise an, der aktuell bei rund 85 Euro/Festmeter liegt. "Wir müssen verlässliche Lieferanten bleiben, da jetzt besonders gesundes und frisches Schnittholz gesucht wird", betonte Ehlich.

Zum Thema Borkenkäfer erläuterte der Geschäftsführer, dass erst ab Cham südwärts der Befall stark wird. In der Nordoberpfalz zeige sich bedingt durch die günstige Witterung geringer Befall. Konsequente Aufarbeitung und regionale Vermarktung von Befallholz sei geboten. Zur Frage eines Waldbesitzers über den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln im Randbaumbereich der Käfernester erklärte Ehlich, dass es weder zulässig noch effektiv sei. Dem Käfer sei nur mit Kontaktmitteln beizukommen. Laut Ehlich wird Käferholz mit mindestens 15 Euro Abschlag zum Sortimentspreis gehandelt. Bei Blaufäulebefall sei es nur als Brenn- oder Industrieholz verwertbar.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.