07.07.2017 - 20:00 Uhr
KulmainOberpfalz

Witzlasreuther feiern 20-jähriges Bestehen ihrer Kapelle Zehn Geldgeber

Tief verwurzelter Glaube, Traditionsbewusstsein und Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft sind der Grundstein für ein funktionierendes Gemeinwesen. Die Ortskapelle von Witzlasreuth ist eine wertvolle Zeitzeugin dieser fundamentalen Werte.

Seit 18 Jahren kümmert sich ein Verein um die vor 200 Jahren erbaute Witzlasreuther Kapelle. Dank der Arbeit der Mitglieder ist sie ein Schmuckstück in der Ortschaft. Das sah 1973 ganz anders aus. Aber auch schon damals nahmen sich die Bewohner ihres Gotteshauses an. Bilder: ak (2)
von Arnold KochProfil

Witzlasreuth. (ak) An diesem Wochenende feiert die Ortschaft mit dem Verein zur Erhaltung und Förderung der Ortskapelle Witzlasreuth das 200-jährige Bestehen des schmucken Gotteshauses. Die herausgeputzte und komplett sanierte Kapelle ist der spirituelle Mittelpunkt des Ortes. 1989 gründete sich der heute 84 Mitglieder zählende gemeinnützige Verein. Mit einem zweitägigen Jubiläumsfest wollen die Witzlasreuther mit ihren Gästen das Jubiläum feiern.

An diesen Samstag beginnen um 18 Uhr die Feierlichkeiten mit einem Festgottesdienst, den Pfarrer Markus Bruckner zelebriert und die Gruppe Spirit of Fantasie musikalisch gestaltet. Gegen 19 Uhr beginnt der Festkommers mit Begrüßung, Ansprachen, Grußworten und Festbetrieb im Festzelt am Vereinsheim des Witzlasreuther Heimatvereins. Der Förderverein bietet am Sonntagvormittag einen Frühschoppen an. Ab 14 Uhr wird ein großes Kuchenbüfett im Festzelt aufgebaut. Am Nachmittag sorgen die Pfadfinder mit Spielen für die Kinderbelustigung.

Am 2. August 1817 hatte die Gemeinde Witzlasreuth ein vom Gemeindevorsteher Michl Rauch, dem Müller Anton Plok und Erhard Reger unterzeichnetes Gesuch an das königliche Herrschaftsgericht Ebnath gerichtet, eine Kapelle im Ort zu errichten. Gemäß Dekret der Regierung sollte sie zuerst nur privat verwendet werden. Der Bau sollte einen Altar und Bänke für 30 Personen fassen. Die Mittel dafür stellten Anton Plok, Michl Rauch, Erhard Reger, Johann Braun, Georg Stich, Valentin Brunner, Michl Zier, Johann Riedl, Andre Rauch und Georg Guldner. Sie waren auch für den Erhalt in der Zukunft zuständig.

Am 18. September erhielt das Herrschaftsgericht Ebnath vom Königlichen Pfarramt Kulmain die Genehmigung, da die Entfernung zur Mutterkirche doch ziemlich weit war. Am 26. September begann man in Eigenleistung mit dem Bau. Das notwendige Geld und 23 Baumstämme kamen von den evangelisch-lutherischen Schlossherren, alle übrigen Kosten in Höhe von 700 Gulden trug Plok. Den Altar fertigte Schreinermeister und Bildhauer Anton Ekmann aus Kemnath. Er zeigte die Heilige Dreifaltigkeit, Himmelskönigin Maria sowie die Heiligen Anna und Joachim. Der Maler Karl Weih aus Kemnath fasste den Altar und den Kreuzweg.

Am 4. Juli 1818 wurde die 75 Kilogramm schwere, in Eger gegossene Glocke mit den Bildnissen der Heiligen Antonius und Barbara sowie dem Namen des damaligen Kulmainer Pfarrers, Peter Carl Bedall, geliefert. Dieser weihte die Kapelle am 8. Juli 1818. Erst im Jahr 1973 finden sich wieder Aufzeichnungen zur Historie. Die Kapelle befand sich in desolatem Zustand. Die Witzlasreuther entkernten innerhalb von sechs Wochen das Gebäude. Der Dachstuhl samt -eindeckung, Decke, Fenster, die gesamte Elektroinstallation, Fußboden, Innen- und Außenputz sowie die Eingangstür wurden erneuert. Die gesprungene Glocke schmolz Rudolf Perner aus Passau für einen Neuguß ein. Dessen Segnung war am 27. Dezember.

Über das elektrische Läutwerk freute sich besonders die Familie Streim, die bisher das dreimalige tägliche Läuten per Hand übernommen hatte. Am 26. August 1973 zelebrierte Geistlicher Rat Johann Vogel den Festgottesdienst. Mit einem Gartenfest feierte man die gelungene Sanierung. Eine elektrische Bankheizung sorgte fortan für eine angenehme Wärme während der Andachten.

22 Gründer

Am 27. Februar 1989 gründeten 22 Bürger im Gasthaus Kopp den Verein zur Erhaltung und Förderung der Ortskapelle Witzlasreuth. Der Vorstand setzte sich damals aus Vorsitzendem Josef Vetter, Stellvertreter Joachim Reger, Kassier Alfred Sticht und Schriftführer Josef Hofmann zusammen. Heute führen Claudia Christl, Stellvertreter Joachim Reger, Kassenwartin Barbara Trotter-Reindl und Schriftführer Josef Hofmann den Verein. 1991 erfolgte eine komplette Innenrenovierung, 1994 die Glockenturmstabilisierung, 2003 die Dacherneuerung. 2005 wurden der Altar saniert und 2011 die Fenster erneuert. Im Vorjahr erneuerten die Mitglieder den Sanierputz und die Eingangstür. Seit der Gründung sorgt der Verein auch für Feste und Feiern rund um das Kleinod. (ak)

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